Blog

Es gibt so viele mögliche und komplizierte Erklärungen für Achtsamkeit. Und das Thema ist so vielschichtig, dass man sich darin auch verirren kann. Die Verabredung mit mir selbst nicht vergessen.

Und dann sitze ich wieder da und sehe, was für mich die Essenz ist.

Die Verabredung mit mir selbst
Wir sind ständig im Tun. Im Tun ist unsere Aufmerksamkeit ständig im Außen. Und so ist es ganz natürlich, dass wir uns selbst aus der Aufmerksamkeit verlieren.

Wir tragen uns selbst nicht in unsere Terminkalender ein. Und deswegen kommen wir in unseren hektischen Tagen auch nicht mehr vor. Zeit, die wir nur mit uns selbst verbringen – ohne äußeres Tun, ohne Zweck und Ziel, einfach nur zu sein – das kommt im Alltag fast nicht mehr vor.

Was passiert, wenn ich täglich eine oder mehrere Verabredungen mit mir selbst habe? Wenn ich mir fünf Minuten, zehn Minuten oder eine halbe Stunde nur für mich Zeit nehme? Zeiten, in denen mir das, was die Welt von mir will, einfach nur egal sein kann?

Dann komme ich zu mir. Ich komme in Verbindung mit meiner eigenen Wahrnehmung, meinen Gefühlen und Körpergefühlen. Ich komme in Kontakt damit, ob ich die ganzen Anforderungen, die derzeit da sind, eigentlich gerade schaffe, oder ob sie mir zu viel sind – einfach, weil meine Gefühle und mein Verstand mehr Zeit brauchen, um die Dinge, die passieren, zu verarbeiten.

Die Begegnung mit mir selbst ist die Basis dafür, dass ich lerne, mit mir selbst gut umzugehen.

Die Verabredung mit mir selbst nicht vergessen
Regelmäßigkeit, Vertrauen und Geduld
Was auch immer ich erforschen möchte, wo auch immer ich etwas lernen möchte – wenn ich diese drei Haltungen kombiniere, mache ich eine vertiefte Erfahrung in Bezug auf ein Thema. Ich lerne und wachse.

Wenn ich mir regelmäßig mit Geduld und Vertrauen begegne, bringt mich das in eine achtsame Haltung mir selbst gegenüber und in einen Wachstumsprozess.

Schaffe ich es also, mir regelmäßig Zeit für mich selbst zu nehmen, darin zu vertrauen, dass sich dann für mich Wesentliches zeigt und dabei geduldig zu sein, ist das gelebte Achtsamkeit. Es entsteht Bewusstheit in Bezug auf meine eigene Wahrnehmung, und ich werde mit meinem Körper und mit meinen Gefühlen in eine andere Beziehung kommen.

Wenn Beruf, Kinder und andere Dinge an einem ziehen, man vielleicht noch Freunde sehen möchte und es noch andere Verpflichtungen gibt – wo soll diese Zeit herkommen?

Diese Zeit lässt sich nur finden, wenn man für sich neue Gewohnheiten schaffen kann. Kleine Nischen im Alltag für sich selbst. Sonst ist der Vorsatz, Zeit für sich zu finden, schnell wieder vergessen, weil es unmöglich scheint.

Rituale
Die Achtsamkeit ist eine Übungspraxis. Durch Regelmäßigkeit und Geduld werde ich in der Übung besser.

Die Frage ist also, wie kann ich für mich selbst Rituale schaffen, in denen ich mir selbst begegne und im Laufe meines Tages ganz bewusst wieder zu mir komme. Einfach, um zu merken, wie es mir geht und was ich gerade brauche.

Ein kurzes Ritual kann ein erster Schritt auf diesem Weg sein. Eine Tasse Kaffee in der Früh. Ich mit mir alleine, indem ich zwanzig Minuten nur aus dem Fenster schaue und den Tag begrüße, ohne irgendetwas zu tun und zu müssen, kann so ein erstes Ritual sein.

Eine Mittagspause, in der ich mir zwanzig Minuten für mich nehme, um nach dem Essen einmal um den Block zu gehen.

Auf dem Nachhauseweg einen bewussten Übergang zwischen Arbeit und Privatleben schaffen, indem ich irgendwo einen Zwischenstopp mache oder mich zu Hause für die erste halbe Stunde einfach aufs Sofa setze zum Ankommen. Und alle wissen, dass ich nach der halben Stunde wirklich da bin.

Und wenn ich im ersten Schritt nur fünf Minuten für mich finde, ist es schon ein Schritt auf dem Weg. Ohne dass ich irgendetwas über Achtsamkeit wissen muss, ist die regelmäßige Begegnung mit sich selbst schon gelebte Achtsamkeit. Auch wenn sie nur fünf Minuten dauert.

Übung
Rituale sind sehr persönlich. Was ist es, wodurch ich persönlich gut zu mir kommen kann?

Welche Rituale kann ich für mich finden, damit ich regelmäßig eine Verabredung mit mir selbst haben kann, bei der ich gut zu mir komme?

Welche Erfahrungen mache ich, wenn ich diese Begegnungen mit mir selbst regelmäßig suche? In dem Vertrauen, dass sich dabei Wesentliches zeigt. Welche Erfahrung mache ich, wenn ich darin geduldig bin?

Gelingt dieser Weg, führe ich ein bewusstes und achtsames Leben, das mich Stück für Stück wieder mit meiner eigenen Wahrnehmung, meinen eigenen Bedürfnissen und meinem eigenen Tempo verbindet.

Weitere Blogs finden Sie hier.

Mehr zu Dirk Meints finden sie hier.

Kommentar schreiben

Verwandte Artikel