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Freude lässt sich nicht wirklich im Herzen erzwingen, wenn sich der Mensch gerade tieftraurig fühlt. Traurigkeit darf sein – so wie Freude. Wer sich gerade nicht freuen kann, der muss sich nicht freuen. Der Mensch kann Gefühle nicht im Verstand erzwingen, wenn das Herz gerade die gegensätzliche Wahrheit in der Tiefe erfährt.

Wer im Leben etwas bewusst verloren hat, der hat immer auch ein Gefühl verloren. Was er verloren hat, das kann er auch wieder gewinnen. Das Ende ist der Anfang. Etwas Neues entsteht durch das Alte, es bedingt sich, so wie der Tod das Leben bedingt. Alle Gefühle bedingen sich in der gegensätzlichen Gesamtheit ihrer Existenz, Einheit durch Zweiheit.

Wie könnte sich ein Mensch in der Freude des Gewinners erfahren, wenn es den Zweiten oder den Verlierer nicht gäbe? Niemand wird zufällig Erster oder Zweiter. Wer achtet bewusst den Zweiten, wer achtet bewusst denjenigen, der gerade der Letzte oder der Looser ist und Gefühle des Verlierens oder Versagens erfährt. Diese Gefühle sind kein zufälliger Teil im menschlichen Drama.

Das Drama will sich erfahren, nicht nur im Kino. Ohne Drama gäbe es auch kein Happyend. Doch auch die Tragik wird sich erfahren. Tragische Gefühle gehören im Leben dazu. Das Ende eines Dramas ist bereits der Anfang des nächsten Dramas. Die Harmonie allen Seins liegt in der Mitte von allem, auch in der Mitte von Tragik und Happyend.

Die Letzten werden eines Tages die Ersten sein, wenn sie sich in dem Ersten erkennen (spiegeln). Es ist die Erkenntnis des Seins, der Einheit allen Seins.

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Göttliche Harmonie erkennt sich in allem selbst, so dass sich der Erste im Zweiten, der Zweite im Ersten (wieder-) erkennt. Die Liebe erkennt sich in allem-was-ist.

Wer immer Erster sein muss, der strebt zwanghaft nach den Gefühlen, die damit einhergehen immer der Erste oder Beste zu sein. Doch wer will schon der Schlechteste sein und Gefühle des Verlierens bewusst erfahren?

Wer immer perfekt und fehlerlos sein will, der will die Gefühle nicht, die damit einhergehen, für seine Unvollkommenheit ungeliebt und abgelehnt zu werden. Es ist ein süchtiges Streben nach Unmöglichkeit – Perfektionswahn, der sich auch schon durch ständige Kritik äußern kann.

Jeder Glanz des Siegers braucht den ungeliebten Schatten des Verlierers. Verlieren erfährt sich immer wieder neu durch die Gefühle des Verlierens, die jeder auf seine Weise zu vermeiden versucht.

Wer ständig etwas zu vermeiden versucht, der versucht immer ein Gefühl zu vermeiden. Unbewusstes Streben nach ständiger Vermeidung ist eine Sucht.

Jede Sucht ist eine Erfahrung mit der Polarität von Abhängigkeit und Unabhängigkeit. (Sehn-) Sucht darf SEIN. Jeder kann in sich hineinfühlen und herausfinden, von welchem Gefühl er selbst fortlaufend abhängig ist und, wonach er beständig strebt. Im Streben kann jedoch kein Ankommen sein.

Kommentare  
# Frederiecke 2018-05-22 20:24
Amen!
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