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‚Noch eine Runde auf dem Karussell’ ist ein anrührend geschriebenes, ganz unsentimentales Buch – übrigens auch ein sehr politisches. Terzani gehörte ja immer zu jenen Menschen – das hat mir ganz besonders imponiert – die sich politisch engagiert haben. Das spirituelle Lieblingsbuch von Konstantin Wecker.

‚Noch eine Runde auf dem Karussell’ lautet der Titel eines Bestsellers, der vom italienischen Journalisten und Asien-Experten Tiziano Terzani verfasst wurde. Darin beschreibt er seine Reise nach innen, die durch eine Krebserkrankung ausgelöst wird.
Nachdem Terzani von seiner Krankheit erfahren hat, setzt er alles daran, sich zu heilen. Er, ein Mann von Welt, geht in die beste Krebsklinik in New York, versucht aber auch, mit einer ganzen Reihe an alternativen Heilmethoden den Krebs zu besiegen. In Japan, China, Thailand und in vielen anderen Ländern sucht er Heiler auf. Aber langsam kristallisiert sich für ihn heraus, dass es immer weniger um das Gesundwerden und immer mehr um das Sterben geht.
Durch die Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit beginnt erst richtig die Philosophie, die Religiosität und Spiritualität. Genau das ist in diesem Buch so deutlich zu spüren. Terzani erkennt, dass das Ego etwas ist, das man sich im Laufe des Lebens schafft, dass das überhaupt nichts mit dem eigentlichen Selbst zu tun hat. So beschreibt er an einer Stelle so anrührend, wie er im Rahmen einer Selbsthilfegruppe aufgefordert wird, mit den anderen im Sand zu spielen. Er, ein erwachsener Mann, ein Intellektueller, kann darüber anfangs nur lachen. Aber plötzlich merkt er, wie sehr ihn das verändert, sobald er sich darauf einlässt. Wie sehr ihm das Spielen mit den anderen hilft, wieder naiv zu werden, wieder klein zu werden, einfach nur ein ganz normaler Kranker unter Kranken.
Am Ende des Buches geht Terzani zwei Jahre lang in die Einsamkeit des Himalaya. Erstmals beginnt er dort, nicht nur über das Thema Spiritualität zu schreiben, sondern diese auch wirklich zu leben. Er begegnet einem spirituellen Lehrer, der ihm bei seiner Reise zu sich selbst behilflich ist. Letztlich ist er dem Krebs sogar dankbar, weil er sich sonst nie auf diese Weise mit dem Leben, der Welt und mit sich selbst beschäftigt hätte.
‚Noch eine Runde auf dem Karussell’ ist ein anrührend geschriebenes, ganz unsentimentales Buch - übrigens auch ein sehr politisches. Terzani gehörte ja immer zu jenen Menschen – das hat mir ganz besonders imponiert –, die sich politisch engagiert haben. An seinem Beispiel lässt sich ablesen, dass Engagement und Innerlichkeit sich nicht ausschließen, sondern gemeinsam gelebt werden können. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass man beides in der heutigen Zeit vereinen muss.
Kein Zweifel: Das Buch hat mein Leben verändert. Nur wenn ein Buch das vermag, ist es gerechtfertigt, von großer Kunst zu sprechen. Mich hat ‚Noch eine Runde auf dem Karussell’ dazu animiert, achtsamer und bewusster zu leben. Deshalb habe ich es auch in den letzten zwei Jahren jedem empfohlen, den ich getroffen habe und der mir ernsthaft genug erschienen ist, sich auf diese ergreifende Geschichte einzulassen.

Konstantin Wecker ist Vollblutmusiker, Autor, Friedensaktivist und Querdenker.

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