Achtsamkeit

„Achtsam atmet er ein, achtsam atmet er aus.
Lang einatmend, weiß er: ‚Ich atme lang ein',


lang ausatmend, weiß er: ‚Ich atme lang aus.'
Kurz einatmend, weiß er: ‚Ich atme kurz ein',
kurz ausatmend, weiß er: ‚Ich atme kurz aus.'
‚Den ganzen (Atem-)Körper empfindend,
werde ich einatmen', so übt er;
‚Den ganzen (Atem-)Körper empfindend,
werde ich ausatmen', so übt er;

‚Die Körperfunktionen beruhigend, werde ich einatmen', so übt er;
‚Die Körperfunktionen beruhigend, werde ich ausatmen', so übt er. ...
Auf diese Weise verweilt er innerlich den Körper betrachtend
oder er verweilt äußerlich den Körper betrachtend.
Oder er verweilt sowohl innerlich als auch
äußerlich den Körper betrachtend.
Das Entstehen des Körpers betrachtet er,
das Vergehen des Körpers betrachtet er,
das Entstehen und Vergehen des Körpers betrachtet er."

Mittlere Sammlung Nr. 10
Übersetzt von Frank Zechner

Kommentar von Dr. Paul Köppler

Das steht am Anfang einer grundlegenden Rede des Buddha über die Achtsamkeit. Hinter der scheinbar einfachen Anweisung verbergen sich die wichtigsten Grundsätze der buddhistischen Meditation.

1. Zu wissen, ob der Atem kurz oder lang ist bedeutet, den Atem in seiner Eigenart zu sehen, jedoch nicht, ihn zu verändern. Das ist ein Prinzip buddhistischer Achtsamkeit: Die Dinge wahrzunehmen, ohne sich einzumischen, ohne etwas zu tun. Normalerweise verwenden wir unsere Aufmerksamkeit, um etwas gut und erfolgreich zu tun. Dadurch unterscheidet sich die Achtsamkeit des Buddha. Sie will nichts, tut nichts, lässt los, lässt geschehen, öffnet den Raum zur inneren Freiheit.

2. Die Atembetrachtung ist keine Konzentrationsübung auf eine bestimmte Körperstelle. Sie ist vielmehr eine innere Öffnung für den ganzen lebendigen Körper, eine Weitung, ein Wissen, dass der ganze Körper am Atem beteiligt ist.

3. Das gelassene Betrachten des Atems muss zur Entspannung und Beruhigung des ganzen Körpers führen.

4. Es gibt zwei Qualitäten von Achtsamkeit, die man beide lernen und anwenden sollte. Eine besteht darin, sich mit dem Atem (oder mit jedem Objekt der Betrachtung) innerlich zu verbinden, gleichsam mit ihm eins zu werden, also z.B. der Atem zu werden. Die andere betrachtet das Objekt von außen, d.h. wie ein Beobachter, aus der Distanz, wie ein fremdes Geschehen.

5. Die Übung soll dazu führen zu erleben, dass alles im Fluss ist und sich ständig verändert, es also nichts gibt, woran man sich halten kann oder was begehrenswert ist.

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Kommentare   

# Gleich,Karl 2016-09-28 15:51
Den Artikel finde ich gut und hifreich. Danke!
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# Gleich,Karl 2016-09-28 15:53
charly.gleich@gmx.d
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# Gleich,Karl 2016-09-28 15:55
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