Blog

'Über Zen kann man nicht sprechen' - In dem Beitrag wird pointiert und daher überzeichnet gezeigt, wie leicht wir geneigt sind an Worten, Konzepten und Versprechungen zu haften und sie für wahr zu halten. Wir identifizieren sie irrtümlich als "Dinge". Das wird Verblendung genannt. Es wird aber auch darauf hingewiesen, dass sie uns lediglich richtungsweisend sein sollen.

"Halt! Tue nichts wegen eines Namens.
Denn dieser ist etwas Unsicheres.
Darauf kannst du nicht bauen!"
(nach B. Brecht, "Mann ist Mann")

"Der Name, kann er genannt werden,
ist nicht der ewige Name.“
(Tao Te King 1)

So sein

 

Zazen ist Praxis; Zen, chinesisch Chan, Sanskrit Dyana bedeutet Versenkung. Ist Praxis; Zazen zu praktizieren bedeutet Sitzen in Versenkung.
Über Zen kann man nicht sprechen
Sobald man es tut, wird es zu etwas anderem. Metaphysik entsteht, Ontologie, Philosophie und Buddhologie. Im Kontextrahmen des Zen nenne ich es Zenismus. So wie alle „ismen“ outet es sich als Theorie bzw. Idee in den oben genannten Gewändern. Begriffe und Bezeichnungen verführen dazu sie als existierende Dinge zu begreifen.
Zenismus als kognitive Verirrung in und aus der Versenkung heraus, gebärdet sich im fast wissenschaftlichen Ton, zeigt sich als Philosophie (Buddhologie). Wie alle „Ismen“ hat sich Zen über den Zenismus je nach Deutung der unterschiedlichen Schulen des Buddhismus zu festen Konzepten verwandelt mit entsprechenden Ritualen und erstarrten Traditionen.
Zenismus begriffen als Philosophie, als Namenspiel bzw. Sprachspiel 1, zeitigt Wirklichkeiten, die sich bei genauerem Hinsehen als Illusionen erweisen. Aber genaueres Hinsehen lohnt sich, bietet es für wache Geister doch hilfreiche Denkanstöße. Diese können durchaus zu einer Verweigerung des von Missionaren der „guten Sache“ aufgedrängten Kaufes einer "Lebensversicherung für Illusionen" 2 führen.
Im Gewand des Priester- und Meister- bzw. Lehrertums wird im Namen des spirituellen Wachstums an jeder Haustür der bangenden und hoffenden Herzen geklingelt. Es braucht dazu keine Tiara. In der Not wird zu jedem Begriffsstrohhalm mit dem Prädikat "wahr" gegriffen. Der Name des bekannten und gepriesenen Meisters wird am liebsten als "Lebensversicherung" genommen. Es ist nicht so sehr das Wort oder der Name an sich, der sich als Polizze anbietet, sondern der unausrottbare Glaube daran, darauf bauen zu können. Petrus kann ein Lied davon singen.
Entlassung der Begriffe
Erst wenn alle Namen entlassen sind kann, die unvermeidliche Demaskierung des "Ich" als inhaltslose Illusion eintreten und allen Illusionen eine schnelle Sterbehilfe sein.
Was bleibt, kann man nicht wissen. "Erleuchtung" zeigt sich als eine überbordende Namenseselei. "Erwachen" bietet sich an. Aber zu was, in was hinein? Wenn schon zu sonst nichts, dann zumindest doch zu dem Wissen wer man ist.
Das wäre dann eventuell ein "zur Welt Gekommener." Ein "so Gekommener".

1 Wittgenstein, Tractatus 1921
2 Peter Sloterdijk, Kritik der zynischen Vernunft 1983
So sein - chinesische Siegelschrift, Judith Gross

Weitere Blogs finden Sie hier.

Kommentare  
# Sabine Klar 2019-02-28 12:21
1. Danke, denn dein Beitrag hat zu vielem geführt ...
2. Ist das Wissen wer man ist nicht auch eine Illusion? Vollzieht es sich nicht auch in Denken und Sprache? Genauso wie alle Beiträge zu dem was sich nicht sagen lässt
3. Also einfach sein
4. ich erlaube mir in diesem Zusammenhang aber auch mein kindliches Gestammel sofern es aus dem Herzen kommt ... und mein Denken
5. das Bild mit den Affen finde ich unnötig. Einerseits weils so unglaublich oft verbreitet wird. Anderseits weil es eine Selbstverständlichkeit (dass wir alle bloß sitzende Affen sind) ironisiert, so als wäre das bloß ein Witz.

6. Wenn das Ich eine Illusion ist – wer schreibt dann diesen Beitrag?

7. ... und den Kommentar dazu?

8. dann kommt doch alles zur Welt, was sich auftut – selbst unsere Gedanken, die sich uns zum Aussprechen anbieten

9. also gehört alles dazu – selbst das was ich gerade zurückweise.

nochmal danke
Sabine Klar
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren
# Henry 2019-02-28 12:52
Erst wenn alle Namen entlassen sind kann, die unvermeidliche Demaskierung des "Ich" als inhaltslose Illusion eintreten und allen Illusionen eine schnelle Sterbehilfe sein.
Was bleibt, kann man nicht wissen. "Erleuchtung" zeigt sich als eine überbordende Namenseselei. "Erwachen" bietet sich an. Aber zu was, in was hinein? Wenn schon zu sonst nichts, dann zumindest doch zu dem Wissen wer man ist.
Das wäre dann eventuell ein "zur Welt Gekommener." Ein "so Gekommener". Damit ist eigentlich alles gesagt. Dieser schreibt, redet etc. Einfach so, alles andere diskursive führt in den Dschungel. Danke
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren
# Wolfgang 2019-02-28 21:57
guter Artikel, klärend, erlebe ich immer wieder genau so. Danke
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren
# Herbert Synek 2019-03-07 11:34
Ja, letztlich ist das alles genau so.

Doch auf dem Weg zum Letztlichen, sind da nicht alle möglichen Irrtümer und "Ismen" unvermeidlich, vielleicht sogar notwendig?
Der geradlinige spirituelle Weg wird selten zu finden sein, Um- und Irrwege sind lehrreich. Klingt ein wenig paradox, aber gerade diese erweisen sich im Nachhinein oft als so wichtig, dass sich der krumme Weg als der gerade erweist.
Im Rückspiegel erscheinen die "Ismen" verfehlt, doch so ganz ohne wird´s wohl keinem auf seinem Weg gelingen. Als Warnung wäre der Beitrag jenen zu empfehlen, die in Gefahr sind, im "Ismus" stecken zu bleiben, nicht mehr darüber hinaus zu gehen. Doch diese werden das lesen, nicken und "ja, klar" sagen.

Noch ein Wort zur Redaktion. Was haben die drei Affen mit dem Artikel zu tun? Weder die ursprüngliche Bedeutung noch die aktuelle Interpretation in unseren Breiten haben Bezug zum Zen.
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren
# Henry 2019-03-07 14:45
Ich danke sehr für diesen Kommentar. Und ja, gerade die krummen Wege sind wichtig, weil sie erfahrendes Lernen ermöglichen. Der Finger der auf das Steckenbleiben zeigt :-)
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren
# Oliver Fuchs 2019-03-14 19:37
In einem so ilustren Feld einen komentar zu
Geben trau ich mich ja fast nicht. Jetzt hab ich
aber diese Aussendung bekommen und die regt an.
Nicht zu schreiben ist fad und feig. Aber Sinnvoll anteorten nicht leicht. Da halt ich es halt mit der EhrlichkEhrlichkeit meiner Erfahrung. Mehr hab ich nicht
Zu bieten. Der Guru wo ich auch war sagte
"No black dots left". Eine Hybris Menschlicher Anmassung. Die Sucht perfekt zu sein kann einen den Blick verstellen. So wie Herbert meint sieht man das dann oft erst im Rückspiegel. Sich um den Geist
der Unterscheidung zu bemühen, wie ihn Durix bezeicjnete, ist sicher wichtig, aber ich glaube, bei allem Ernst sich auch selber nicht zu ernst zu nehmen
scheint auch nötig zu sein. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn ich zu vetkrampft zu unterscheiden versuche stecke ich fest. Versuche ich es nich stecke ich auch. Verflixt.
Vielleicht kann jemand was damit anfangen.
Ich habe aber den Beitrag von Henry als sehr klärend
Und anregend empfunden. Alleine läuft man ja oft in die gefahr um die eigene Egozentrik zu kreisen.
Also Danke und Gascho.
Lg oliver
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren
Kommentar schreiben

Verwandte Artikel