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Der Klimawandel kann zwar verlangsamt werden, ob er jedoch rechtzeitig gestoppt werden kann, weiß ich nicht. Ich habe schon vor geraumer Zeit aufgehört, mir darüber Gedanken zu machen, denn es ist so ähnlich, als ob ich sehe, dass jemand ertrinkt. Mein Anliegen.

Da überlege ich auch nicht lange, sondern springe hinein und versuche, ihn zu retten. Beim Klimawandel verhält es sich ebenso: Wir müssen unbedingt versuchen, ihn aufzuhalten. Zunächst aber sollten wir ihn anders nennen, der Begriff ‚Klimawandel‘ klingt nämlich völlig neutral und ‚globale Erwärmung‘ weckt sogar eher positive Gefühle, im Sinne von ‚man erwärmt sich für etwas‘ oder ‚man hat es schön warm‘. Wenn wir sagen würden ‚globale Erhitzung‘, sähe die Sache schon ein bisschen anders aus. Das ist aber nicht üblich. Auch ‚Nachhaltigkeit‘ ist so ein neutraler Begriff, der nicht berührt, obwohl darin so viel Leidenschaft steckt. Für mich steht die Frage im Mittelpunkt, wie es uns gelingen kann, den nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Zukunft zu sichern. Wir sollten uns überlegen, wie sich unsere Gesellschaft verändern muss und was wir tun können, damit sie wieder zusammenwächst. Uns fehlen gemeinsame Ziele, eine gemeinsame Kraft. Wir haben lediglich kurze Erfolgserlebnisse und vorübergehende Freuden, weil wir den falschen Dingen hinterherlaufen. Das neueste iPad kann nicht unser Ziel sein, denn es wird uns auf Dauer nicht befriedigen. Worauf es tatsächlich ankommt, ist etwas ganz anderes. Um das wiederherzustellen, sind meiner Ansicht nach die Religionen gefragt. Werte wie Genügsamkeit, Empathie und Gemeinschaftssinn liegen allen Religionen zugrunde, sind uns aber abhandengekommen oder übertüncht vom Streben nach Prestige, Macht, Reichtum und Wettbewerb – obwohl wir eigentlich wissen, dass Kooperation das erfolgreichere und wirksamere Rezept ist.

Helga

Es erscheint angezeigt, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass unsere kurzsichtige und kleinteilige Betrachtungsweise völlig am Sinn des Lebens – an einem guten und erfüllten Leben – vorbeigeht. Aus soziologischen und psychologischen Studien wissen wir, dass Menschen ihr Verhalten am ehesten dann ändern, wenn sie sich für etwas engagieren, und nicht, wenn sie einfach nur gegen etwas sind. Ein positives Bild wirkt viel stärker. Ich bin so optimistisch, zu glauben, dass der Klimaschutz und die nachhaltigen Entwicklungsziele der Sammelpunkt werden könnten, in dem sich alle wiederfinden und der unsere im Zerfall befindliche Gesellschaft wieder vereint. Eine lebenswerte Zukunft gibt es nur im Einklang mit der Natur. Gegen die Natur kann man vielleicht kurzfristig etwas erreichen, aber langfristig geht das nicht. Daher ist es dringend erforderlich, uns ins Bewusstsein zu rufen, dass wir derzeit die Natur überbeanspruchen und so das ökologische System, das unsere Lebensgrundlage darstellt, zerstören. Damit zerstören wir allerdings auch unsere Zukunft. Das Gebot der Stunde ist daher, den eigenen Lebensstil zu überdenken und den Mut zu haben, sowohl im Privaten als auch im Beruflichen Änderungen herbeizuführen. 

O. Univ. Prof. Dr. phil. Helga Kromp-Kolb ist Meteorologin und Klimaforscherin und setzt sich unermüdlich für Umweltschutz ein. Sie leitet das Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit an der Universität für Bodenkultur in Wien.
 
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