Wohlfühlen

Mehrfach wurde der Buddha gefragt, was denn im Leben überhaupt ein Glück, ein Segen, etwas wirklich Gutes sei. In seinen Reden gibt er Antwort darauf und beschreibt verschiedene Ebenen von Glück.


An einer Stelle (Sutta-Nipata 2/4) sagt der Erwachte: „Es ist der höchste Segen, wenn man nicht mit Narren, sondern mit weisen Menschen zusammen ist, an einem förderlichen Ort wohnt, Gutes tut, weiß, dass man auf dem rechten Weg ist. Wenn man einen Beruf gut und geschickt ausübt, rechte Rede und rechtes Verhalten beherrscht. Wenn man für die Familie gut sorgen kann, großzügig ist, nichts Schlechtes tut, freundlich und bescheiden ist, zufrieden und dankbar. Wenn man eine spirituelle Lehre kennt und Freunde hat, mit denen man darüber sprechen kann." An einer anderen Stelle (Angereihte Sammlung 4/62) erklärt er, dass ein im Leben stehender Mensch vier Arten des Glücks erfahren kann. Das Glück des Besitzes, wenn er den Reichtum auf ehrliche Art erworben hat, wenn er den Reichtum auch dazu verwendet, Gutes zu tun, wenn er keine Schulden hat und wenn er trotz des Geldes vorbildlich handelt.

Diese Sichtweise ermöglicht Dankbarkeit und Zufriedenheit mit dem, was jeden Tag gegeben wird.

 

Die erste Ebene, die hier angesprochen wird, ist die der guten Umstände, die äußeren Bedingungen für Glück. Warum erwähnt das der Buddha? Er sagt uns, dass wir das Recht haben, für uns selbst zu sorgen, indem wir gute Bedingungen schaffen. Außerdem ist es hilfreich, darüber nachzudenken, was gute Umstände sind. Dann werden wir vielleicht bemerken, dass vieles, was schon da ist und was wir für selbstverständlich nehmen, bereits ein großes Glück ist, doch oft sehen wir das nicht. Diese Sichtweise ermöglicht Dankbarkeit und Zufriedenheit mit dem, was jeden Tag gegeben wird. Wenn du siehst, dass es in diesem Augenblick viele Gründe gibt, glücklich zu sein, dann wird sich wie von selbst ein Glücksgefühl einstellen. Die zweite Ebene in den Hinweisen des Buddha finden wir in uns selbst, in unserem Verhalten und in unserer Einstellung, in den Eigenschaften, um die wir uns bemühen. Auf die Frage eines Bürgers, was zum Wohl und Glück führt (Angereihte Sammlung 8/54), nennt der Erwachte vier Dinge im weltlichen Leben. Fleiß und gute Planung, Wachsamkeit und Schutz des Eigentums, guter Umgang und Vertrauen und eine maßvolle Lebensweise. Für das geistige Leben nennt er folgende Fähigkeiten: Vertrauen zu einem Lehrer und einem Weg, Befolgen der ethischen Richtlinien, Großzügigkeit und das Bemühen um Einsicht und Weisheit. Mit der Ausrichtung auf solche Werte sind angenehme Erfahrungen zu erwarten, die zum Glücksgefühl führen.

„Ein Gesetz ist es, dass des Glücklichen Geist sich sammelt."

 

Die Zufriedenheit und das innere Glück, das aus einem guten Verhalten kommt, sind die Vorbedingung für das Erreichen der dritten Ebene des Glücks. Es heißt: „Ein Gesetz ist es, dass des Glücklichen Geist sich sammelt." (Angereihte Sammlung 10/1) Wer die Meditation der Achtsamkeit übt, sich auf ein Kissen setzt und versucht, nur beim Atem zu bleiben, wird feststellen, dass das nicht einfach ist. Ein Grund liegt darin, dass unser Geist sich selten in einem wirklich glücklichen und ausgeglichenen Zustand befindet, ohne Störungen, ohne sorgenvolle oder unruhige Gedanken an dies und das. Ist der Geist zufrieden, von liebevollen Gedanken über dieses Leben und die anderen Wesen erfüllt, werden Körper und Geist ruhig und das ist der Zugang zur geistigen Sammlung. Geschieht Sammlung (samadhi), so führt das früher oder später zu den Vertiefungen (jhanas) in der Meditation. Die erste der vier körperlich erfahrbaren Vertiefungen wird so beschrieben: „Jenseits von sinnlichen Freuden und nicht heilsamen Geisteszuständen kannst du in die erste Vertiefung des Geistes eintreten. Diese wird noch von geistiger Tätigkeit begleitet und ist von intensiven, freudvollen Glücksgefühlen bestimmt, die den ganzen Körper völlig durchdringen, so dass es keinen Körperteil gibt, der nicht von dieser intensiven Freude durchdrungen ist." (Mittlere Sammlung 119)
Dieses Erleben ist ein intensives Glücksgefühl, das auch als ‚Entzücken, Verzückung oder Begeisterung' (piti) übersetzt wird. Es ist körperlich erfahrbar, lässt die Gedanken schwinden oder völlig vergehen und darf erlebt und genossen werden. Bemerkenswert ist, dass die folgenden drei Stufen von Vertiefungen nur erreicht werden, wenn das jeweils vorhandene Gefühl losgelassen und aufgegeben wird. Bereits in der dritten Stufe lässt man die äußerlich erfahrenen intensiven Glücksgefühle los und erlebt ein stilles, gleichmütiges Glücksgefühl. Lässt man auch dieses los, kann man in einen Zustand von völliger Gelassenheit kommen: „In dieser verweilst du völlig frei von angenehmen oder unangenehmen Regungen in reiner Achtsamkeit im wahren Gleichmut. Dieser reine und klare Geist wird deinen ganzen Körper durchdringen." (Mittlere Sammlung 119)
Doch alle diese Zustände von höchsten Glücksgefühlen nennt der Buddha nur ein ‚angenehmes Verweilen', sie sind nicht das höchste Glück, weil sie eben nicht bleiben, sondern vergänglich sind, schwinden, vergehen. Ein immer wiederholter Satz des Buddha lautet: „Was aber vergeht, das ist leidvoll."

die vier ebenen des gluecks

Die vierte Ebene des Glücks ist das, was über die drei anderen hinausgeht. Wenn der Buddha manchmal mit Anhängern anderer Asketen sprach und ihnen seinen Weg erklärte, so meinten diese, wie vielleicht auch wir, über die dritte Ebene hinaus kann es nichts mehr geben. Besonders wenn man sich die Beschreibungen der vier nachfolgenden Vertiefungen anschaut, kann man sich kaum vorstellen, was es darüber hinaus auf dem geistigen Weg noch geben sollte. Da ist davon die Rede, dass man die Unendlichkeit des Raumes erlebt, ebenso die Unendlichkeit des Bewusstseins, das ‚Nicht-Sein' und das Gebiet, wo es weder Wahrnehmung noch keine Wahrnehmung gibt. Was in anderen Religionen als Einswerden oder Einheit, als Verbindung mit dem Göttlichen bezeichnet wird, welches Glück sollte da noch höher sein?

 

Dieses Erleben ist ein intensives Glücksgefühl, das auch als ‚Entzücken, Verzückung oder Begeisterung' (piti) übersetzt wird.

 

Das eindeutige Ziel der Übung und Lehre des Buddha ist es, die im Geist und Herz des Menschen liegende Fähigkeit zu wecken, das Spiel dieses Lebens zu durchschauen und damit die bisherige unbewusste Bindung und Unfreiheit zu überwinden. Dieses Ziel, mag es nun Erwachen, Erleuchtung, Ende des Leidens, Nirwana oder anders heißen, könnte man als die vierte Ebene des Glücks bezeichnen. Tatsächlich ist das nicht ganz richtig, weil sich dieses Ziel nicht auf der gleichen Ebene wie alle anderen Erfahrungen befindet. Es geht dabei nicht um eine Glückserfahrung, sondern um eine Einsicht in die beherrschenden Gesetze unseres gewöhnlichen Lebens. Es ist das Erkennen der vier edlen Wahrheiten, das heißt, man sieht, was bisher das Leid in der Welt verursacht hat und wie man sich davon für immer löst. Der Buddha drückt das so aus: „Die Sterblichkeit kann man nicht überlisten, nichts verhindert die Vergänglichkeit und den Tod. Wer aber voll Eifer Tag und Nacht achtsam bleibt, der kann in einer Nacht das unabhängige Glück entdecken." Wie geht das? „Denkt nicht darüber nach, wie ihr in der Vergangenheit wart und erfreut euch nicht daran. Denkt nicht daran, was ihr in Zukunft sein werdet. Baut eure Hoffnung nicht auf euer zukünftiges Sein. Lasst euch aber auch nicht von dem überwältigen, was ihr in der Gegenwart erfahrt. Das geschieht, wenn man das Körperliche als Ich ansieht oder denkt, das Ich besitzt das Körperliche. Wenn man denkt, das Körperliche sei im Ich enthalten oder das Ich im Körperlichen. Das geschieht, wenn man auch die anderen Bestandteile des Menschen wie Gefühle, Wahrnehmung, Wille und Bewusstsein so ansieht. Wer die Lehre der Wahrheit kennt, der weiß, dass weder das Körperliche noch die anderen Bestandteile des Menschen das Ich sind oder ein Ich haben. So lässt man sich nicht von der Gegenwart überwältigen und bleibt unabhängig." (Mittlere Sammlung 131)

„Wer aber voll Eifer Tag und Nacht achtsam bleibt, der kann in einer Nacht das unabhängige Glück entdecken."

Einmal sagte jemand zum Buddha, wenn diese Erkenntnis über alles hinausgeht, so kann man das doch auch nicht mehr als Glück bezeichnen. Ein Mönch antwortete, dass das richtig sei, dieses Wissen könne man nicht mehr in Worte fassen. Aber eben deshalb darf man es als höchstes Glück bezeichnen.

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