Wohlfühlen

Die Medien haben ein neues Lieblingskind: Achtsamkeit. Neben zahlreichen ‚Wunderwirkungen', die ihr zugeschrieben werden, soll sie uns auch vom Stress des Alltags befreien können. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen das. Aber was genau ist eigentlich Achtsamkeit und lässt sich mit ihrer Hilfe tatsächlich mehr Gelassenheit und Lebensfreude entwickeln?

Ein Blick in Zeitschriften, ins Internet und auf neu erschienene Buchtitel macht deutlich: Achtsamkeit ist ‚in'. Tendenz steigend. Der Begriff der Achtsamkeit kam erst durch die Verbreitung der buddhistisch basierten Achtsamkeitspraxis flächendeckend ins Bewusstsein der Menschen; zuvor war er in der deutschen Sprache eher ungeläufig. Parallel zur wachsenden Beliebtheit der Achtsamkeitspraxis nimmt die allgemeine Beliebtheit des Wortes Achtsamkeit zu. Inzwischen wird es zwar häufig verwendet, aber nur selten in der tiefen Bedeutung des im Buddhismus wurzelnden Verständnisses. Im öffentlichen Verständnis wird Achtsamkeit oft als Synonym für Aufmerksamkeit – im Sinne von Beobachtungsfähigkeit – verwendet und häufig mit einem unklaren Durcheinander subjektiver Moralvorstellungen vermischt: Entspricht das Handeln eines anderen nicht den eigenen Vorstellungen, wird schnell das Prädikat unachtsam vergeben.

Die überlieferten Übungen sind pragmatisch, einfach durchzuführen und alltagstauglich.

Das Konzept der Achtsamkeit geht auf den legendären Buddha zurück, jenen Prinzen aus einem altindischen Königsgeschlecht, den eine persönliche Erfahrung dazu bewegte, bereits als junger Mann Familie und Heim zu verlassen, um herauszufinden, warum Menschen leiden und wie dieses Leid zu mindern sei. Seine Erkenntnisse vermittelte er im Laufe von Jahrzehnten in Lehrreden, die bis heute überliefert sind. Mittels bestimmter Übungsmethoden erforschte er systematisch seinen Geist und gelangte zu der Einsicht, dass menschliches Leid aus Unwissenheit entsteht und auf welche Weise dieses Leid überwunden werden kann. Die Satipatthana Sutta beinhaltet diesen Übungsweg der Einsicht, der in der westlichen Welt als Achtsamkeitspraxis bekannt ist und deren Übung zur Entfaltung dieser Einsicht Vipassanã-Meditation (vipassanã-bhãvanã) genannt wird.

 

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Muss man Buddhist werden, um solche Übungen zu praktizieren, die einem das Leben erleichtern können? Glücklicherweise nicht. Der Buddhismus wird in verschiedenen Teilen der Welt zwar als Religion praktiziert, aber vor allem in westlichen Ländern wird er eher als ethische Grundlage einer ganzheitlichen Lebensphilosophie betrachtet. Zudem sind die Einsichten des Buddha tatsächlich zeitlos, denn sie beziehen sich auf allgemeinmenschliche Erfahrungen, die sich auch über die Jahrtausende nicht verändert haben. Die überlieferten Übungen sind pragmatisch, einfach durchzuführen und alltagstauglich. Über viele Jahrhunderte war dieses Wissen praktisch nur Buddhisten zugänglich, weil diese Einsichten Buddhas mit dem Buddhismus als Religion assoziiert wurden. Mit dem vietnamesischen buddhistischen Mönch Thich Nhat Hanh änderte sich das. In seinen zahlreichen Büchern übersetzte er das Wissen und die Weisheit der buddhistischen Lehrreden in eine einfache, klare Sprache. Zudem schaffte er es – und schafft es immer noch –, einen realistischen Bezug zwischen den Inhalten der überlieferten Lehren und dem Alltag des westlichen Menschen herzustellen. Zwar fühlten sich viele davon angesprochen, dennoch wurde das Thema Achtsamkeit immer noch zu sehr mit einem religiös-buddhistischen Hintergrund in Zusammenhang gebracht. Dieser Umstand rief sowohl bei Glaubenspraktizierenden als auch bei Atheisten Ressentiments hervor und setzte seiner Verbreitung gewisse Grenzen.

MBSR-Kurse werden weltweit angeboten und sind auch von den deutschen Krankenkassen als Stresspräventionsmaßnahme anerkannt.

Dann kam Jon Kabat-Zinn und das änderte alles. Der mittlerweile siebzigjährige emeritierte Medizinprofessor begann bereits in seiner Jugend mit buddhistischer Zen-Meditation und Yoga. Er arbeitete damals an der Medizinischen Fakultät der University of Massachusetts und gründete 1979 die mittlerweile renommierte Stress Reduction Clinic, deren Geschäftsführer er bis 1995 war. Hier entwickelte er zusammen mit seinen Kollegen ein medizinisches Programm, das den schwerstkranken Patienten der Klinik helfen sollte, besser mit dem aus ihrer Erkrankung resultierenden Stress umzugehen, um ihr Leiden etwas zu mildern. Bei diesem Programm, das den Namen MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction = Stressbewältigung durch Achtsamkeit) bekam, handelt es sich um einen achtwöchigen Kurs, in welchen Kabat-Zinn Übungen aus der Vipassanã-Praxis und dem Hatha Yoga integrierte. Er hatte die heilsamen Wirkungen dieser Meditations- und Yoga-Praxis nicht nur am eigenen Leib erfahren, sondern ihm war auch klar, dass man diese Übungspraxis nicht namentlich mit dem Buddhismus in Zusammenhang bringen musste, wenn man sie vermitteln wollte. So wurde die systematische Praxis bestimmter Übungen schlicht Achtsamkeitspraxis genannt und auf eine säkularisierte Weise vermittelt. Parallel dazu wurde das MBSR-Programm in umfangreichen Begleitforschungen wissenschaftlich untersucht und seine heilsamen Wirkungen bestätigt. MBSR-Kurse werden weltweit angeboten und sind auch von den deutschen Krankenkassen als Stresspräventionsmaßnahme anerkannt. Obgleich MBSR zunächst nur für die Anwendung Kranker entwickelt wurde, nutzen es mittlerweile immer mehr Menschen auf der ganzen Welt, um mit ihrem Alltagsstress besser umzugehen und als Basis für eine ganzheitliche, gesunde Lebensweise.

Stress wird in den Medien oft als eine arbeitsmäßige Überlastung oder als ein Aufgeriebensein durch die Doppelbelastung in Familie und Beruf dargestellt. In der buddhistischen Psychologie wird der Stressbegriff sehr viel weiter gefasst, nämlich als die Summe aller Herausforderungen, vor die unsere menschliche Existenz uns stellt. Mit der menschlichen Existenz verbunden sind unvermeidbar die Erfahrungen, dass wir Verluste erleiden, dass sich nicht alles so entwickelt, wie wir es gerne hätten, dass wir oft nicht bekommen, was wir begehren, dass wir krank werden, alt werden und letztendlich sterben. Dazwischen machen wir weitere stressende Erfahrungen, die daraus resultieren, dass wir auf etliche elementare Dinge des Lebens nicht oder nicht genügend vorbereitet sind. Die menschliche Existenz als solches beinhaltet also bereits für sich genommen eine Menge Stresspotenzial. Als wäre das nicht genug, gibt es noch weitere stressfördernde Faktoren und die liegen in uns selbst begründet. Sie hängen damit zusammen, wie wir auf das reagieren, was wir erleben. Die buddhistische Psychologie spricht von ersten und von zweiten Pfeilen, die uns treffen. Erste Pfeile sind die oben beschriebenen Ereignisse und Umstände, die die menschliche Existenz unvermeidbar mit sich bringt. Die zweiten Pfeile schießen wir selbst ab – es sind unsere Reaktionen auf die ersten Pfeile. Während wir auf die ersten Pfeile wenig bis gar keinen Einfluss haben, liegt es ganz und gar in unserer Hand, wie wir mit den Herausforderungen umgehen, vor die wir gestellt werden. Ein heilsamer, konstruktiver Umgang mit diesen Herausforderungen erfordert eine unverzerrte Wahrnehmung dessen, was gerade geschieht, und Klarheit über entsprechende Handlungsoptionen.

 

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Vor einiger Zeit verabredeten sich zwei Freundinnen in einem Café. Als die eine Freundin nicht kam, spürte die andere, wie Ärger in ihr aufstieg, und sie bemerkte unheilsame Gedanken: „Sie hätte ja wenigstens anrufen können"; „Ich wünschte mir, dass meine Freundin mit meiner Zeit so wertschätzend umgehen würde wie mit ihrer eigenen" und so weiter. Doch dann wurde ihr klar, dass ihre innere Haltung alles noch schlimmer machte. Also beschloss sie, sich im Moment keine weiteren Gedanken zu machen, ihren Tee alleine zu genießen und sie später anzurufen, um zu erfahren, was der Grund ihres Fernbleibens war. Sie hatte die Wahl, völlig in ihrem Ärger zu versinken und sich davon den Nachmittag versauen zu lassen – oder aber weise und intelligent mit der Situation umzugehen.

Der folgende Text, wie hilfreich Achtsamkeit für einen flexiblen Umgang mit Stress sein kann, bezieht sich auf ihre Anwendung innerhalb von MBSR, denn in diesem von Kabat-Zinn entwickelten Programm wurden die Wirkungen der Achtsamkeitsmeditation wissenschaftlich erforscht und belegt. Natürlich ist dieses Programm nicht der einzige Weg, um die heilsamen Wirkungen von Achtsamkeit auf das eigene Stressgeschehen zu erfahren. Es gibt auch andere Möglichkeiten, zum Beispiel, sich einer buddhistischen Gemeinschaft anzuschließen, unter Anleitung eines Meisters zu praktizieren, regelmäßig an Retreats teilzunehmen und die Lehren zu studieren. Das ist ein langer Weg, der nicht jeden anspricht und auch nicht für jeden geeignet ist.

Die menschliche Existenz als solches beinhaltet also bereits für sich genommen eine Menge Stresspotenzial.

Einen MBSR-Kurs könnte man als ‚systematische, komprimierte Initialzündung' bezeichnen. Seine Auswirkungen sind durch die wissenschaftliche Erforschung vorhersagbar – vorausgesetzt, das Programm wird durchgeführt, wie von einem speziell dafür ausgebildeten MBSR-Lehrer angeleitet. Innerhalb der relativ kurzen Zeit von acht Wochen lernen die Teilnehmer, die Einsichtsmeditation und die Körperübungen eigenständig durchzuführen, und es ist eine innere Motivation entstanden, die Achtsamkeitspraxis nach dem Kurs fortzuführen.
Im Rahmen des achtwöchigen MBSR-Kurses lernen die Teilnehmer, Achtsamkeit zu entwickeln und zu praktizieren. Achtsamkeit ist eine Qualität des menschlichen Bewusstseins, eine besondere Form von Aufmerksamkeit. Es handelt sich dabei um einen klaren Bewusstseinszustand, der es erlaubt, jede innere und äußere Erfahrung im gegenwärtigen Moment vorurteilsfrei zu registrieren und zuzulassen. Normalerweise ist unser Geist enorm umtriebig. In jeder Sekunde produziert er unzählige Gedanken – aber das nicht etwa in logisch geordneter Reihenfolge, sondern in einem völligen Durcheinander. Dieses Chaos macht es nahezu unmöglich, sich einem bestimmten Thema zuzuwenden, es in Ruhe zu durchdenken und zu einem abschließenden Ergebnis zu kommen. Wer Achtsamkeit praktiziert, lernt zunächst einmal, den wilden Affengeist, wie er im Buddhismus genannt wird, zu beruhigen. Mit Hilfe von Übungen wie dem Bodyscan (das gedankliche Abtasten des Körpers in liegender Ruhestellung), sitzender Meditation und Achtsamkeits-Yoga untersucht er, wie sein Geist funktioniert. Durch Beobachtung lernt er zu verstehen, wie er funktioniert, wie Gedanken, Körpergefühle, Stimmungen und Emotionen zusammenhängen. Eine gute Wahrnehmung dafür, was in einem und um einen herum vor sich geht, ist eine Grundvoraussetzung dafür, mit Stress besser umzugehen, denn Stress hat viel mit Unbewusstheit und automatischen Reaktionen zu tun. Ein beruhigter, klarer Geist ermöglicht es dem Praktizierenden, sein Stressverhalten zu analysieren und aufflackernde Reaktionen rechtzeitig zu stoppen. Nur wer gelernt hat, erste Anzeichen von Stress direkt bei ihrem Entstehen wahrzunehmen, ist nicht mehr der automatischen Reaktion von Körper und Geist unterworfen. Mit zunehmender Achtsamkeit reduzieren sich auf diese Weise gewohnheitsmäßige unbewusste Reaktionen auf das gegenwärtige Erleben, was zu einem hohen Maß an situationsadäquatem, authentischem und selbstbewusstem Handeln führt. Stress hat viel mit Geschwindigkeit zu tun. Mit Hilfe eines achtsamen Gewahrseins können wir die Dinge entschleunigen und erhöhen so unsere Selbstwirksamkeit. In wissenschaftlichen Untersuchungen wurde festgestellt, dass die Stressanfälligkeit mit steigendem Selbstwirksamkeitsgefühl sinkt.

Achtsamkeit ist eine Qualität des menschlichen Bewusstseins, eine besondere Form von Aufmerksamkeit.

Im Grunde ist die ganze Übung der Achtsamkeitspraxis ein einziger Erforschungsprozess. Es handelt sich dabei jedoch nicht um einen gedanklich-analytischen Prozess, sondern darum, das innere und äußere Geschehen von Moment zu Moment zu beobachten, ohne sich in Bewertungen über das Erlebte und in den dadurch hervorgerufenen Gedanken und Emotionen zu verlieren. Häufig beruhen solche Bewertungen nämlich auf Erfahrungen, die wir bereits in früher Kindheit gemacht und seitdem so oft wiederholt haben, dass sich eingefahrene unbewusste Denkmuster und Verhaltensweisen daraus entwickelt haben. Gabi zum Beispiel hat als Kind die Erfahrung gemacht, dass sie immer dann Aufmerksamkeit und Zuneigung bekommen hat, wenn sie sich besonders ‚lieb' und angepasst verhalten hat. Diese Erfahrung hat sie so oft wiederholt, dass im Laufe ihres Lebens ein Verhaltensmechanismus daraus geworden ist. In ihrer Beziehung und in ihrem Job führt dieses innere Muster regelmäßig dazu, dass sie gegen ihre eigentlichen Bedürfnisse und Gefühle handelt, um die Zuneigung und Anerkennung ihres Partners und ihrer Kollegen nicht zu gefährden. Über die Zeit entsteht aus diesem Verhalten jedoch ein inneres Unbehagen, für das sie ihren Partner und ihre Kollegen verantwortlich macht, was ihre Beziehungen zunehmend schwieriger gestaltet.
Indem sie aufmerksam ihr Verhalten und die damit zusammenhängenden Körperempfindungen, Gedanken und Gefühle beobachtet, fällt ihr dieses Muster auf. Sie stellt fest, dass es Auslöser dafür gibt, immer auf die gleiche Weise zu reagieren, und dass das Ganze immer auf eine unbefriedigende Weise für sie endet. Als sie das nächste Mal von einer Kollegin gebeten wird einzuspringen, obwohl sie selbst etwas vor hat, spürt sie als Erstes diesen schon bekannten Kloß im Hals, der ihr signalisiert: Der vertraute Automatismus ist im Begriff anzuspringen. Durch die Achtsamkeitspraxis hat sie gelernt, sich nicht in das Geschehen hineinziehen zu lassen, indem sie es interessiert und offen beobachtet. Sie hat auch gelernt, sich in kritischen Situationen mit ihrem Atem zu verbinden und damit Körper und Geist zu beruhigen, um stresshafte Überreaktionen zu vermeiden.
Aus dem Zustand dieser inneren Ruhe und Klarheit heraus entschließt sie sich für ein neues Verhalten, indem sie ihrer Kollegin freundlich, aber bestimmt sagt, dass sie heute nicht für sie einspringen kann.
Unbewusste Bewertungsmuster formen unsere Vorlieben, Abneigungen, Ansichten und Meinungen – und vor allem unsere Einstellung zu uns selbst, zu anderen und zum Leben schlechthin. Wenn uns solche Automatismen nicht bewusst sind, übernehmen sie in kritischen Situationen die Regie und wir finden uns regelmäßig in Situationen wieder, die wir gar nicht haben wollten. Oft merken wir erst hinterher, dass wir wie in einer Trance auf eine Weise gehandelt haben, die nicht wirklich im Einklang mit unseren wahren Werten, Bedürfnissen und Zielen stand.

Stress hat viel mit Geschwindigkeit zu tun.

Wo liegt jedoch der Unterschied zwischen Entspannungsmethoden und der Achtsamkeitspraxis? Entspannungsmethoden können sehr hilfreich bei Stress sein. Sie haben jedoch häufig die Funktion von Werkzeugen, die benutzt und anschließend wieder weggelegt werden. Die Übungen und das Leben sind weitgehend getrennt – es erfolgt keine Auseinandersetzung mit dem eigenen Stressverhalten. Die Achtsamkeitspraxis hingegen ist weit davon entfernt, eine ‚Methode' zu sein. Sie ist vielmehr eine innere Haltung, die alle Aspekte des Lebens einbezieht. Das umfasst sowohl die Erforschung des eigenen Verhaltens, wie etwa die körperliche und geistige Präsenz beim Kartoffelschälen oder Zähneputzen. Informelle Praxis wird das im MBSR-Kurs genannt. Es ist die Ergänzung der formalen Übungen wie Bodyscan, sitzende Achtsamkeitsmeditation und Achtsamkeits-Yoga. Die Teilnehmer üben während der achtwöchigen Kurszeit, auch im Alltag achtsam zu sein. Das bedeutet zum Beispiel, während der Zubereitung des Morgenkaffees mit allen Sinnen präsent zu sein: Das Strecken des Armes zum Schrank, die Empfindung der kühlen, runden Kaffeedose in der Hand, das übermütige Plätschern des Wassers aus dem Wasserhahn und der Strom des aromatischen Kaffeeduftes in der Nase. Natürlich kommen dabei auch Gedanken auf – vielleicht an die anstehenden Aufgaben des Tages. Wer Achtsamkeit praktiziert, bemerkt das ‚Aufpoppen' dieser Gedanken und kehrt mit seiner Wahrnehmung zu seinem Atem und den sinnlichen Erfahrungen der Kaffeezubereitung zurück. Der Geist bleibt ruhig und klar und der Körper ist erfüllt von der Freude am Tun im gegenwärtigen Moment.

Einen MBSR-Kurs zu absolvieren ist natürlich nicht die einzige Möglichkeit, um Achtsamkeit zu erlernen. Theoretisch könnte man sich ein Buch kaufen und es selbst erlernen. Die Erfahrungen zeigen jedoch, dass der Gruppenprozess den eigenen Entwicklungsprozess enorm unterstützt. Die Teilnehmer fördern einander durch ihre Erfahrungen, die zum einen zwar ihrer persönlichen Situation entspringen, zum anderen jedoch Teil einer universellen menschlichen Erfahrung sind. Damit ist das, was ein jeder sagt, immer auch wichtig für alle anderen, um deren Verständnis für die Praxis zu vertiefen. Es gibt noch einen anderen Aspekt und der heißt Motivation. Es braucht gerade in den ersten Wochen der Übungszeit einige Überwindung, sich jeden Tag hinzusetzen, seine Übungen zu machen und sie kurz schriftlich zu reflektieren, wie das MBSR-Programm es erfordert. (Das stringente Üben ist notwendig, damit sich im Gehirn Verknüpfungen eines neuen Denkens bilden können.) Sich wöchentlich zu treffen, um gemeinsam die Erfahrungen der vergangenen Tage zu teilen, ist ein großer Ansporn für alle, auch wirklich regelmäßig die Übungen zu machen.

Im Stressgeschehen verengt sich der Fokus zunehmend auf alles Belastende, Schwierige und Unangenehme.

Im Stressgeschehen verengt sich der Fokus zunehmend auf alles Belastende, Schwierige und Unangenehme. Die Achtsamkeitspraxis stellt hier eine natürliche Ressource dar, denn sie ermöglicht es, die Aufmerksamkeit auf die angenehmen, schönen und positiven Dinge zu richten, die parallel zur Belastung auch vorhanden sind. Wer Achtsamkeit praktiziert, macht die Erfahrung, dass das eigene Empfinden von Glück und Lebensfreude nicht von äußeren Bedingungen abhängig ist. Er entwickelt einen klaren, stabilen Geist, der es ihm erlaubt, auch in schwierigen Lebenszeiten und Situationen mit der Kraft seiner inneren Ressourcen verbunden zu bleiben. Der ruhige und klare Geist eines Achtsamkeit Praktizierenden ermöglicht es ihm, die Lebensfreude auch angesichts schwieriger Lebensumstände zu bewahren.

Doris Kirch praktiziert seit 1985 Zen- und seit 2010 Vipassanã-Meditation. Die MBSR-Lehrerin (CfM/USA) und MBSR-Ausbilderin ist Autorin mehrerer Sachbücher, Leiterin des DFME in Oldenburg und lehrt seit zwanzig Jahren Meditation und Achtsamkeit.

 

 

Kommentare   

# Julia Grösch 2016-02-15 17:20
vielen Dank für den Artikel, überhaupt die ganze Ausgabe habe ich sehr gerne gelesen. Mich bewegt in dieser Sache schon länger eine Frage die Doris Kirch hier auch anspricht: "sofern sie mit ihren buddhistischen Wurzeln verbunden bleibt".... Aus meiner Sicht gibt das MBSR-Programm diese Verbindung nicht automatisch her bzw. das hat sehr mit der Reife des Lehrers zu tun. Wenn jetzt - was in USA berreits passiert - Firmen und Schulen flächendeckend mit Achtsamkeitprogrammen überzogen werden frage ich mich oft, mit welchem Ziel dies passiert. Menschen dazu zu bringen, noch produktiver zu werden?
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# Doris Kirch 2016-11-18 10:35
Liebe Julia,
damit die Verbindung zu den buddhistischen Wurzeln nicht verwässert und/oder verzerrt wird, kommt der verantwortungsvollen Ausbildung von MBSR-Lehrern eine besondere Bedeutung zu. Das europäische MBSR-Netzwerk EAMBA erarbeitet derzeit Kriterien, die MBSR-Lehrer-Ausbildungen anspruchsvoller machen (stufenweise Ausbildung), um damit den besonderen Wert von MBSR zu erhalten.

So lange es weltweit verlässliche Bezugspunkte für die Achtsamkeitspraxis gibt, mache ich mir um die Intentionen der Unternehmen und Einrichtungen keine Sorgen:
Achtsamkeit verändert alles, was sie berührt.
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# Sylvia Václav 2016-02-15 17:21
Ist nicht einfach. Aber es geht. Und ist sehr erfreulich
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# Sigrid Hofmaier 2016-02-15 17:21
Ich kann mit dem englischen Begriff mehr anfangen: mindfulness.
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# Martin Leitner 2016-02-18 12:04
herzlichen dank für diesen wundebaren artikel! die komplexität von achtsamkeit und mbsr, macht es (mir) manchmal nicht einfach, es leicht verständlich zu beschreiben. euch ist das hiermit in aller klarheit gelungen!
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# Peter Polzhuber 2016-02-18 12:06
Achtsamkeit ist "kinderleicht";-)(ironie) Ich übe(!) schon seit Jahren. Für einige Sekunden klappt es immer wieder. Aber diese Sekunden haben Qualität. Wenn es einen heiligen Gral gibt, dann in der Achtsamkeit.
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# Julia Grösch 2016-04-26 11:32
Aus meiner Erfahrung als Mutter kann ich berichten, dass auch meine Kinder schon mit einer ‚achtsamen‘ Lehrerin beglückt wurden, der es ganz klar darum ging, Kinder zum Stillsitzen zu bringen. „Sei doch mal achtsam“, war die Parole … Nach einem halben Jahr ist den Kindern das Wort Achtsamkeit zu den Ohren rausgekommen, weil es einfach wie ein Programm übergestülpt wurde und nicht mit einem tiefen Interesse an ihrer Person verbunden war. Diese Hinwendung zum anderen aber ist, glaube ich, entscheidend.
Julia Grösch
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# Doris Kirch 2016-04-26 11:32
was die Lehrerin da gemacht hat, ist wirklich schlimm und ich habe großes Mitgefühl mit den Kindern. Ich bin immer tief betroffen, wenn ich so etwas mitbekomme. Das Problem liegt darin, dass hier eine wunderbare Sache offenbar auf völlig verdrehte Weise rübergebracht wurde – was der Sache ‚Achtsamkeit‘ einen echten Bärendienst erweist. Das Halb- bis Unwissen auf diesem Gebiet ist mittlerweile unglaublich. Die Kinder konnten sich nicht wehren, aber Erwachsene sollten wirklich genau hinschauen, ob die Person, die sich Achtsamkeit ‚um den Hals hängt‘, in irgendeiner Weise dafür
qualifiziert ist.
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# WilliamCauts 2018-01-17 19:50
Wie Wahr!
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# envefobe 2018-01-25 07:38
wie wahr!!!
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# Uwe Meisenbacher 2018-02-17 18:40
Wenn Achtsamkeit für die Perfektionierung eingesetzt wird,
führt das schneller als man denkt in unheilsamere Bereiche
des Menschlichen Daseins.
Achtsamkeit und Meditation müssen immer im Kontext mit Ethik, Moral und Gemeinwohl praktiziert werden, sonst können sie nicht heilsam sein.
Auch hier kann ich aus eigener Erfahrung sagen, der mittlere Weg
zwischen den Extremen, (auch wenn manche Menschen den zu
profan und zu langweilig finden) der vernünftigere und heilsamere Weg ist.
Es gibt zwischen destruktiven und sehr Guten perfektionierten
Denk- und Handlungsmuster, die Mitte, die heißt ganz einfach „gut“ und ist
heilsamer und stressfreier für ein selbst und andere.

Mit freundlichen, aberglaubensfreien, heilsamen, buddhistischen Grüßen
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# AlfredCew 2018-03-09 18:12
Danke für diesen Bericht :)
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# AntonioERUFF 2018-03-10 04:33
Schön <3
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# AnnaFeduta 2018-03-10 13:12
schoen
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# Otellurgy 2018-03-11 22:52
Meine Yogalehrerin "schimpft" immer mit mir, weil ich nicht genug entspanne, eines Tages schaffe ich es aber!!
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# AaronWed 2018-03-12 15:27
Ich versuche es jeden Tag!
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# AaronWed 2018-03-12 16:28
Heilen nicht, aber den Heilprozess unterstützen!
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# Kevinkak 2018-05-18 22:24
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