Spiritualität

r viele Buddhisten ist er die Verkörperung von Avalokiteshvara, dem Bodhisattva des Mitgefühls. Andere wiederum halten ihn für einen ‚Gottkönig'.

Gegen Ende der fünfziger Jahre bedeutete dieser Titel, dass er der stellvertretende Vorsitzende des ‚Ständigen Ausschusses der Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes' (PKKdCV) war. Und als er 1959 von Tibet nach Indien ins Exil floh, nannte man ihn in China einen Konterrevolutionär und einen Parasiten. Aber alle diese Bezeichnungen entsprechen nicht seinen eigenen Vorstellungen. Er selbst sieht sich in erster Linie als einen Menschen und dann erst als einen Tibeter, der ein buddhistischer Mönch ist.

Die Rede ist von Seiner Heiligkeit, dem 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso, dem geistigen Oberhaupt Tibets. Geboren wurde er am 6. Juli 1935 in dem kleinen Bauerndorf Taktser, Amdo, im Nordosten von Tibet. Seine Eltern gaben ihm den Namen Lhamo Dhondup. Sie waren eigenständige Kleinbauern, die ein Stück Land besaßen, das es ihnen ermöglichte, sich selbst zu versorgen. Lhamo wurde nicht nur in eine kinderreiche, sondern auch in eine sehr spirituelle Familie hineingeboren. Sein älterer Bruder Thupten Jigme Norbu ist die Reinkarnation eines hohen Lama und ging nach Kumbum, einem berühmten Kloster, das sich ganz in der Nähe seines Geburtsortes befand. Normalerweise werden niemals mehrere hochrangige Tulkus oder Lamas in eine einzige Familie hineingeboren. Deshalb hätte niemand auch nur im Traum daran gedacht, dass es sich bei Lhamo um eine der wichtigsten tibetischen Inkarnationen handelt.UW80SCHW-Seine_Heiligkeit

Verschiedene Hinweise brachten die Regierung von Lhasa dazu, knapp drei Jahre nach Lhamos Geburt einen Suchtrupp in seinen Heimatort zu schicken. Dieser sollte überprüfen, ob es sich bei dem kleinen Jungen tatsächlich um die Reinkarnation des 13. Dalai Lama handelt. Verschiedenste Vorzeichen hatten nämlich darauf hingedeutet, dass sich die Wiedergeburt in dieser entlegenen Region Tibets befinden würde. Eines davon war der verstorbene 13. Dalai Lama selbst, der ihnen tot und einbalsamiert den Weg zu seinem Nachfolger gewiesen hatte. Sein Leichnam war ein letztes Mal auf den Thron gesetzt worden, hatte über Nacht den Kopf gedreht und blickte am nächsten Morgen Richtung Nordosten, dorthin, wo der kleine Lhamo lebte.

Der Suchtrupp war den Zeichen gefolgt. In dem kleinen Ort angekommen, bat man die Eltern des Auserwählten um ein Nachtlager. Mit dem Gefühl, den 14. Dalai Lama gefunden zu haben, reiste die Delegation wieder ab und kam bereits wenige Tage später mit verschiedenen Gegenständen zurück, wovon einige dem 13. Dalai Lama gehört hatten, andere ihnen aber nur ähnelten. Solche Tests werden in der Regel durchgeführt, um sicherzugehen, auch tatsächlich die gesuchte Reinkarnation gefunden zu haben. Lhamo bestand die Tests und wurde als 14. Dalai Lama anerkannt.

Verantwortung als Führungsperson

Wie es wohl nur wenigen Menschen widerfährt, so wurde dem Dalai Lama in seiner Position bereits in jungen Jahren eine sehr große Verantwortung zuteil: Mit nur 15 Jahren wurde er zum weltlichen und geistigen Oberhaupt Tibets ernannt. Die erste große Herausforderung für das junge Oberhaupt ließ nicht lange auf sich warten. Bereits kurz nach seiner Ernennung marschierten 1950 chinesische Truppen in Tibet ein.

Im Jahre 1956 fuhr er anlässlich der 2.500-Jahr-Feier von Buddhas Parinirvana nach Indien. Dort rieten ihm viele Berater, in Indien zu bleiben und nicht mehr in die Heimat zurückzukehren. Bereits hier wurden erste Anzeichen seines Charakters deutlich, der immer darauf abzielte, Lösungen für ein friedliches Miteinander zu suchen: Er kehrte nach Lhasa zurück und versuchte, eine friedliche Koexistenz mit der chinesischen Besatzungsmacht zu finden. Trotz aller Bemühungen wurde der tibetische Volksaufstand am 10. März 1959 von chinesischen Truppen brutal niedergeschlagen. In dieser Zeit wurde ein trauriges Stück tibetischer Geschichte geschrieben, denn rund 90.000 Tibeter ließen in diesem letzten Aufbäumen bis 1960 ihr Leben. Aufgrund dieser fatalen Situation war Seine Heiligkeit dann doch gezwungen, sein Heimatland zu verlassen und nach Dharamsala, im nordindischen Himalaya, ins Exil zu flüchten. Dorthin folgten ihm rund hunderttausend Tibeter.

Von seiner zweiten Heimat aus fordert das tibetische Oberhaupt ohne Unterlass die Unabhängigkeit Tibets von China ein und ruft zum gewaltlosen Widerstand gegen die chinesischen Besatzer auf. Besonders in den ersten Jahren seines Exils appellierte er an die UNO, eine Lösung für die Tibet-Frage zu finden. Diese beschloss daraufhin in den Jahren 1959, 1961 und 1965 Resolutionen, in denen sie China aufforderte, die Menschenrechte der Tibeter und ihr Recht auf Selbstbestimmung zu achten.

Arbeit für den Frieden

Im Jahre 1987 bemühte sich der Dalai Lama mit der Vorlage eines Fünf-Punkte-Friedensplans um die Klärung des zukünftigen Status von Tibet. Diesen erläuterte er im Juni des folgenden Jahres vor dem Europaparlament in Straßburg. Durch solche Initiativen forderte er eine echte Autonomie für Tibet im Rahmen der Volksrepublik China. Darüber hinaus setzte er sich dafür ein, Tibet zu einer Friedenszone zu erklären, die massive Umsiedlung von Chinesen nach Tibet zu stoppen, die Menschenrechte wiederherzustellen sowie das Verbot zu erlassen, in Tibet Atomwaffen oder Atommüll zu lagern.

Als eine Frucht seiner umfassenden und nie enden wollenden Bemühungen für den friedlichen und gewaltlosen Widerstand gegen China sowie für die Menschlichkeit erhielt er im Jahr 1989 in Oslo den Friedensnobelpreis. Das Komitee begründete die Vergabe des Preises an das tibetische Oberhaupt mit folgenden Worten: „Der Dalai Lama hat seine Friedensphilosophie auf der Grundlage von großer Ehrfurcht vor allen Lebewesen und der Vorstellung einer universellen Verantwortung, die sowohl die gesamte Menschheit als auch die Natur umfasst, entwickelt." Sie würdigten nicht nur sein Engagement für die Menschen, sondern auch seinen Einsatz für die Natur. Damit war er der erste Nobelpreisträger, der für sein Engagement für globale Umweltprobleme Anerkennung erhielt.

Ein offenes Ohr und ein weites Herz für alle Wesen

Was den Dalai Lama besonders auszeichnet und ihn – bis auf China – weltweit zu einer geschätzten und geachteten Persönlichkeit macht, sind seine Bemühungen, sich nicht nur für seine Landsleute einzusetzen, sondern für das Wohl aller Wesen auf dieser Welt. Neben seinem Einsatz für das persönliche Glück ist ein weiteres großes Anliegen des Dalai Lama die Förderung von Harmonie und Verständnis unter den großen Weltreligionen. Es gibt zwar Unterschiede die philosophischen Grundlagen betreffend, aber seiner Ansicht nach haben alle Religionen das Potenzial, das Gute im Menschen zu fördern. Aus diesem Grund sollten sich die religiösen Traditionen untereinander mit Respekt und Wertschätzung begegnen und den Wert der jeweils anderen Überlieferung anerkennen.

Durch sein unentwegtes Engagement für ein friedvolles Miteinander wurde er zu einer übergreifenden Integrationsfigur nicht nur für die Buddhisten, sondern auch für Christen, Hindus und Nicht-Gläubige. Er wurde für sie zum Symbol der Menschlichkeit und interreligiösen Verständigung auf der Grundlage der buddhistischen Weisheit. Auf seinen zahlreichen Reisen in über 62 Länder und bei unzähligen Begegnungen mit religiösen Führern und Politikern verkündete der buddhistische Religionsführer im Sinne Buddhas die Botschaft von Liebe, Frieden und Toleranz. In diesem wohlwollenden Geist traf er zahlreiche Präsidenten, verschiedenste Premierminister und königliche Oberhäupter wichtiger Nationen, um sich für eine gemeinsame Friedenspolitik starkzumachen. Dabei trat er fortwährend für eine Politik der Gewaltlosigkeit ein, sogar im Angesicht extremer Aggression. „Alle Menschen sind gleich. Wir alle wünschen uns Glück und kein Leiden." Das sind bekannte Aussagen des Dalai Lama.

Neugierde und Offenheit

Sein Interesse an Weiterentwicklung und an der Wissenschaft führte dazu, dass er in Dialog mit vielen anerkannten Wissenschaftern trat und unter anderem mit dafür sorgte, dass Meditation wissenschaftlich verifiziert wurde, um diese Erkenntnisse wieder für das Wohl aller Wesen anzuwenden. Auch hier brachte ihm sein unermüdlicher Einsatz für den Fortschritt, für eine globale Ethik und eine nutzbringende Ökologie zum Wohle aller seit 1959 über 84 Auszeichnungen, Ehrendoktortitel und Preise.

Über sich selbst sagt er immer wieder: „Ich bin nur ein einfacher buddhistischer Mönch – nicht mehr, nicht weniger." Fragt man ihn nach dem Ursprung seiner Inspiration, wird die tiefe Quelle seines buddhistischen Glaubens und seines Bodhisattva-Gelübdes deutlich, denn dann zitiert er einen Vers des bekannten buddhistischen Meisters Shantideva aus dem 18. Jahrhundert: „Solange das Weltall besteht, solange Lebendiges lebt, solange möchte auch ich bestehen, um das Elend der Welt zu vertreiben." Danach lacht er sein unverkennbares jugendliches Lachen und schließt diejenigen, die ihn dabei erleben, in sein großes, grenzenloses Herz mit ein.

Doris Iding, geb. 1962, lebt in München und studierte Ethnologie, Psychologie und Religionswissenschaft. Sie ist Yoga-Lehrerin und hat bereits zahlreiche Artikel und Bücher zu spirituellen Themen veröffentlicht.
 
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Kommentare  
# Johann Stelzl 2017-11-30 13:31
Wow, Dalai Lama!
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# kevin 2018-03-07 12:08
alles frei erfunden
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# kevin 2018-03-07 12:09
laaaaaaaaaannnnnnnnggggggwwwwweeeeeeeeeiiiiliiiiig ggggggg
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# kevin 2018-03-07 12:10
zitiere kevin:
laaaaaaaaaannnnnnnnggggggwwwwweeeeeeeeeiiiiliiiiigggggggg

recht hast du
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# kevin 2018-03-07 12:11
alles erfunden
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