Spiritualität

Wann und wie der historische Buddha lebte, interessiert viele Buddhisten. Was wir glauben zu wissen und welche Quellen und Interpretationen wir wirklich zur Verfügung haben. Hauptquelle für eine Biografie Buddhas sind die Überlieferungen in unterschiedlichen Sprachen.

Nur durch einen tiefgehenden Vergleich der Texte kann man sich an den historischen Buddha herantasten. Dabei zeigt sich, dass die Überlieferungen oft getreu sind.

Die alten Überlieferungen enthalten keine Erzählung des Lebens Buddhas. Details über sein Leben sind verstreut. Eine zeitliche Einordnung der Ereignisse ist oft nicht möglich. Für Buddhisten steht die Lehre im Mittelpunkt. Diese gilt als zeitlos, ohne Entwicklung.

Der ‚Tod' Buddhas wird traditionell auf 543 v. Chr. gelegt, westliche Forscher legten ihn auf 480 v. Chr., jetzt eher ins 4. Jh. v. Chr.

Kurz vor seinem Lebensende soll Buddha vier Stätten der Hauptereignisse seines Lebens genannt haben, die Orte der Geburt (Lumbinī), der erlösenden Einsicht (Bodh Gayā), der ersten Predigt (Sārnāth) und des endgültigen Erlöschens (Kusināra).

Über die Geburt des Buddha Gautama berichten die kanonischen Texte wenig. Die ausführlichsten Angaben findet man in einem über den früheren Buddha Vipassī. Diese Begebenheiten werden als Gesetzmäßigkeiten für jeden Buddha deklariert. Die Aussagen über die Ereignisse um Empfängnis und Geburt Buddhas sind also unhistorisch.

Gautama wurde als Fürstensohn geboren. Dies nach Ansicht der Buddhisten deswegen, weil Adel damals der angesehenste Stand war und jeder Buddha in den höchsten Status geboren wird. Deswegen ist er auch ein Mann und keine Frau.

 

UW78ST Die Bedeutung Buddhas

 

Nach vergeblichen Versuchen, mithilfe anderer Lehrer und durch strenge asketische Praktiken Erlösung zu verwirklichen, kam Gautama aus eigener Kraft und ohne fremde Anleitung zur erlösenden Einsicht und wurde damit ein Buddha.

Die buddhistischen Überlieferungen behandeln die erlösende Einsicht Buddhas unter verschiedenen Aspekten: als Verwirklichung des Nirvāṇa; als Überwindung des personifizierten Bösen; als Erkenntnis früherer Geburten, der Gesetzmäßigkeiten des Karma, und als vollkommene Heilsgewissheit. Diese Heilsgewissheit hat als Voraussetzung die Einsicht in das Wesen von Leid, seine Entstehung, sein Ende und den Weg zu diesem Ende, d.h. die vier edlen Wahrheiten. Nur auf dem Hintergrund dieser Gesetzmäßigkeiten ist Heilsgewissheit möglich, die mehr ist als ein subjektiver Bewusstseinszustand. Erlösende Einsicht ist auch Erkenntnis der Entstehung in Abhängigkeit.

In Sārnāth verkündete Buddha erstmals seine Lehre. Er nannte seine Lehre mittlerer Pfad zwischen den Extremen, die er selbst praktiziert hatte: Sinnengenuss (als Prinz) und Selbstpeinigung (als Asket).

In seiner zweiten Rede zeigte Buddha die drei Merkmale aller Wirklichkeit, die nicht Nirvāṇa ist: unbeständig, deswegen leidvoll, deswegen nicht ich, nicht mein. Wäre etwas mein, dann wäre es unter ‚meiner' Herrschaft, deswegen nicht leidvoll und beständig, ohne Trennungsschmerz.

Um Buddha sammelten sich ‚Jünger', die er zu Mönchen ordinierte. Für die Mönche erließ Buddha im Laufe der Zeit aus gegebenem Anlass juristisch formulierte Ordensregeln. Dabei zeigte Buddha ein ausgeprägtes Rechtsempfinden. Die Organisationsstruktur des Mönchsordens war dezentral und gewährte den einzelnen Mönchen weitgehende Gleichberechtigung. Die Mönchsregeln legen großen Wert darauf, dass die Mönche den Laien nicht unnötig zur Last fallen, sich anständig und würdig benehmen und keine Landplage werden. Einen Nonnenorden gründete Buddha nur zögernd und mit frauendiskriminierenden ordensrechtlichen Vorbehalten.

Auch Laien bekannten sich als Anhänger Buddhas, indem sie die dreifache Zuflucht nahmen. Die Laienanhänger blieben unorganisiert. Wohlhabende Laien stifteten dem Orden Haine und Klöster und legten so den Grundstein dafür, dass der Orden später oft Großgrundbesitzer war.

Buddhistische Mönche sahen in Frauen eine Bedrohung ihres Zölibats. Trotzdem waren viele Frauen als Wohltäterinnen wesentlich für den Unterhalt des Ordens. Buddha sah in Frauen Wesen, die zur Erlösung fähig sind. Es wird von zahlreichen Anhängerinnen Buddhas berichtet, dass sie die Erlösung verwirklicht haben.

Buddha pflegte Umgang mit allen Schichten der Bevölkerung. Regierende suchten Buddhas Rat und erhielten ihn auch. Als Ratgeber war der Asket Buddha ein politisches Wesen.

Im Mönchsorden genossen manche Jünger hervorragendes Ansehen wegen bestimmter Kenntnisse und Fähigkeiten. Dennoch weigerte sich Buddha, jemanden mit der Leitung des Ordens für seine Nachfolge zu betrauen.

Am Körper des alten Buddha zeigten sich Zeichen des Verfalls. Er erkrankte ernsthaft und war dem Tode nahe. Nach seiner Genesung schilderte ihm Ānanda, sein Sekretär, die schrecklichen Sorgen, die er sich um Buddha während seiner Krankheit gemacht habe. Der einzige Trost sei ihm die Gewissheit gewesen, dass Buddha nicht ins endgültige Erlöschen eingehen werde, ohne zum Orden seinen letzten Willen zu äußern. Darauf erklärte ihm Buddha, dass er keine besonderen esoterischen Lehren habe, die er in der ‚Faust des Lehrers' zurückhalte. Auch sei er nicht der Meinung, dass der Orden von ihm abhängig sei oder dass er den Orden leiten müsse. Deshalb gebe es auch keine letzten Anordnungen, kein ‚Testament' Buddhas. Auch gebe es keinen Grund zur Trauer, denn auch bezüglich eines Buddha gelte, dass man von allem Liebgewordenen einmal Abschied nehmen müsse. Nach dem ‚Tode' Buddhas solle man zu sich selbst und zur Lehre Buddhas Zuflucht nehmen.

Nach einem letzten Mahl erkrankte Buddha wieder. Buddha fragte seine Mönche nach noch eventuell vorhandenen Zweifeln oder Unklarheiten über seine Lehre, doch es gab keine Unklarheiten mehr. Dann zeigte Buddha den Anwesenden seinen Körper, um ihnen die Vergänglichkeit alles Irdischen vor Augen zu führen, und sprach: „Alles bedingt Entstandene muss vergehen." Seine letzten Worte waren: „Bemüht euch ohne Unterlass!" Dann ging er nach Ablegung von Körper und Mentalem in das endgültige Erlöschen ein, in die Erlösung.

Buddhisten sprechen nicht vom ‚Tode' Buddhas, sondern von seinem ‚endgültigen Erlöschen' (Parinirvāṇa): Buddha hat ja schon zu Lebzeiten das Nirvāṇa, das Leidfreie und deshalb Todlose, verwirklicht.

 

ALOYS PAYER, geboren 1944, studierte und lehrte an verschiedenen Hochschulen Indologie, Buddhologie und Religionswissenschaften.
 
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