Spiritualität

Nepal, Nordindien, Tibet, Bhutan und Sri Lanka sind Ziele für alle, die dort hinwollen, wo Buddha gewirkt hat – ein Reiseführer.

Schon der Buddha selbst soll seine Anhänger zu Pilgerfahrten an die Stätten seines Wirkens ermuntert haben und wie vor Hunderten von Jahren suchen auch heute viele Menschen die heiligen Orte des Buddhismus auf – vor allem jene in Nordindien, aber auch in Sri Lanka, Tibet oder Bhutan. Ihren touristischen Sightseeing-Modus sollten sie dabei freilich abschalten.

Wenn es wahr ist, dass jeder die Buddha-Natur in sich trägt, dann ist es nicht nötig, sich allzu sehr vom Fleck fortzubewegen: Da müsste es genügen, sie – mithilfe der Praktiken und des Studiums, eines Sanghas und seines Geistes – zu erwecken. Doch so einfach ist es natürlich nicht, wie jeder bestätigen wird, der sich mit dem Buddhismus beschäftigt. Und da wir in einer Welt leben, in der ein annähernd spirituelles Leben weder zu den Prioritäten gehört, noch leicht zu realisieren ist, kann es hilfreich sein, Orte aufzusuchen, die vom Wirken des Buddha gewissermaßen getränkt und aufgeladen sind.

Das erleichtert es, sich mit dessen Angedenken zu verbinden, dem Kern seiner Lehre nachzuspüren und zur Besinnung und Sammlung zu kommen – so war es für die Pilger früherer Zeiten und nicht viel anders ist es auch für die sinnsuchenden Touristen von heute. Man muss nur aufpassen, dass man nicht in den abgelenkten, unaufmerksamen Sightseeing-Modus verfällt, der uns Menschen der sogenannten Ersten Welt eingepflanzt zu sein scheint. Angesichts der Hingabe, mit der die Menschen in Asien ihre Pilgerstätten ehren, zerstreut sich der aber ohnehin recht bald.

Bereits der Buddha selbst soll seinen Anhängern empfohlen haben, Pilgerreisen zu unternehmen, und dabei – durchaus im Bewusstsein seiner historischen Mission – folgende Destinationen genannt haben: den Geburtsort Lumbini, heute auf nepalesischem Boden, Bodhgaya, wo er sein Erweckungserlebnis hatte, und Sarnath bei Benares, wo er seine erste Dharma-Rede hielt. Wie so vieles, was der Buddha von sich gegeben hat, wirkt auch dieser Ratschlag bis auf den heutigen Tag fort: Diese Orte sind zu den wichtigsten Pilgerstätten geworden, ergänzt noch um Kusinagara, wo Buddha den Tod gefunden beziehungsweise in Parinirvana eingegangen ist. Sie befinden sich alle in der nordindischen Ebene zwischen den Ausläufern des Himalaya und den Ufern des Ganges, in denen der Buddha zwischen 528, dem Jahr seiner Erleuchtung, und dem Todesjahr 483 vor Christus mit seiner stetig wachsenden Gefolgschaft hin- und hergezogen ist.

UW108 Sager Reiseführer

Den Geburtsort in Nepal sehen
Lumbini, das heutige Rummindai, liegt nahe der indischen Grenze, aber bereits in Nepal. Hier wurde Siddharta Gautama im Jahr 563 vor Christus als Sohn des Raja von Kapilavastu und von dessen Frau – und Cousine – Maya Devi geboren. Der nach ihr benannte Tempel, ein weißer festungsartiger Bau, beherbergt die historischen Mauern und Überreste früherer heiliger Anlagen sowie eine Steinplatte, die den genauen Ort der Geburt bezeichnen soll. Vor dem Tempel ragt eine Säule in die Höhe, deren Inschrift bezeugt, dass dies der Geburtsort des Buddha ist. Es war der Kaiser Ashoka, ein großer Verbreiter des Buddhismus, der sie bereits 249 vor Christus errichten ließ.

Im weitläufigen Umkreis des Tempels sind vom frühen Morgen an Vajra-Gesänge zu hören und meditierende Mönche zu sehen, es gibt einen ‚heiligen‘ Teich, in dem Maya Devi gebadet haben soll, sowie einen ‚heiligen‘ Bodhi-Baum, Ruinen früherer Klosterbauten sowie etliche Klöster, Tempel und Stupas der Theravada-, Mahayana- und Vajrayana-Traditionen. Weltliche Gebäude, wie etwa Hotels oder Restaurants, sind hier nicht gestattet. Lumbini ist seit 1997 eine Stätte des UNESCO-Weltkulturerbes.
„Ich richtete meinen Geist auf die Erkenntnis der Vernichtung der Einflüsse und erkannte wirklichkeitsgetreu: Dies ist das Leiden; dies seine Ursache; dies seine Aufhebung; dies der Weg zu seiner Aufhebung“, heißt es im Majjhima-Nikaya. In der denkwürdigen ersten Vollmondnacht im Monat Vesakha (Mai) des Jahres 528 vor Christus erlangte Siddharta Gautama im Verlauf einer Meditation die Erleuchtung und wurde dadurch zum Buddha, zum ‚Erwachten‘. In der buddhistischen Welt gilt der Vesakha-Vollmond seither als der höchste Feiertag und die Pappelfeige, unter der er saß, als heiliger Baum.

In Bodhgaya, dem einstigen Uruvela, steht an der Westseite des Tempels des Mahabodhi ein solcher, der Überlieferung nach ist es ein Ableger des ursprünglichen Baumes. Die als ‚Diamantthron‘ bezeichnete Plattform aus rotem Sandstein markiert die Stelle, an der sich Siddharta zur Meditation niedergelassen hat. Der Mahabodhi-Tempel, der im Jahr 2002 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen wurde, ist ein 55 Meter hoher, pyramidenförmiger Stupa aus Ziegeln und Sandstein, der vom ersten bis zum dritten Jahrhundert nach Christus errichtet wurde.

Wo Buddha in Indien sprach
Nur zehn Kilometer trennen die wimmelnde Hindu-Stadt Benares (Varanasi), die heiligste Stadt der Hindus, vom Wildpark Isipatana, dem heutigen Sarnath. Aber hier ist alles ruhig und geordnet, mächtige Tamarinden- und Mangobäume säumen die Anfahrtsstraße und das Ruinenareal ist tadellos gepflegt. Hier hielt der Buddha seine Rede vor fünf früheren asketischen Weggefährten, die umgehend seine ersten Jünger werden sollten. Erstmals sprach er hier vom ‚Andrehen des Dharma-Rads‘, von den ‚Vier Edlen Wahrheiten‘ und dem ‚Achtfachen Pfad‘, „der da heißt: rechte Anschauung, rechte Gesinnung, rechtes Wort, rechte Tat, rechtes Leben, rechtes Streben, rechtes Überdenken und rechtes Sichversenken“.

Heute befinden sich auf dem Gelände ein Gazellenpark, mehrere Tempel und Ruinen, Stupas und eine weitere Säule des Ashoka, die ebenfalls um 250 vor Christus hier aufgestellt wurde. Das originale Kapitell der Säule mit den vier Löwenskulpturen ist im Sarnath-Museum zu bewundern, zusammen mit einer Vielzahl an lokalen Ausgrabungsfunden. Die vier Löwen sind heute übrigens das Wappen Indiens. In der Nähe der Ashoka-Säule steht der massive Dhamek-Stupa, der um 500 nach Christus anstelle eines noch von Ashoka errichteten gesetzt wurde. Er soll den exakten Punkt markieren, an dem die Dharma-Rede gehalten worden ist.

Die Stätte seines Todes
Am Stadtrand von Kusinara (heute Kushinagar in Uttar Pradesh) ließ sich der 80-jährige, von einer Lebensmittelvergiftung und der Ruhr geschwächte Buddha ein Lager unter Salbäumen zurechtmachen und richtete diese letzten Worte an die anwesenden Mönche: „Wohlan, ich verkündige euch: Der Vernichtung unterworfen sind alle Gestaltungen, unermüdlich sollt ihr kämpfen.“ Nach dem Zeugnis des Jüngers Ananda, der beim Parinirvana, dem endgültigen Verlöschen des Buddha, anwesend war, soll Kusinara damals nichts weiter als ein ‚hinterwäldlerisches und provinzlerisches Lehmhüttenstädtchen‘ gewesen sein.

Das augenfälligste Monument vor Ort ist heute der etwa 20 Meter hohe Parinirvana-Stupa aus dem 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, der 1867 von den Briten ausgegraben und 1927 in seiner jetzigen Form einer hochgesetzten Halbkugel restauriert wurde. Daneben steht der 1956 rekonstruierte Parinirvana-Tempel mit der sechs Meter langen vergoldeten Skulptur des auf der Seite liegenden, sterbenden Buddha. Das Areal birgt weiters die Überreste mehrerer Klöster sowie den Einäscherungsplatz des Buddha und ihm zur Seite den Ramabhar-Stupa, einen Hügel aus Ziegelstein.

Seine Reliquien in Nepal verehren
Sri Lanka, dessen Staatsreligion der Theravada-Buddhismus ist, soll bereits im 3. Jahrhundert vor Christus mit dem Buddhismus in Berührung gekommen sein, und zwar durch Mahinda, den erstgeborenen Sohn des erwähnten Herrschers Ashoka, der selbst Mönch war. Sri Lanka ist nicht zuletzt durch den hier zusammengestellten Pali-Kanon, die älteste überlieferte Sammlung des Dharma und Grundlage des Theravada, von herausragender Bedeutung für den Buddhismus, aber auch durch seine Pilgerplätze wie Sri Dalada Maligawa, den Zahntempel in der Stadt Kandy, in dem ein angeblicher Eckzahn des Buddha als Reliquie aufbewahrt wird. Kandy ist ebenfalls zum UNESCO-Welterbe erklärt worden.

In Tibet wiederum waren die Hauptstadt Lhasa und der Berg Kailash immer schon die ersten Pilgerziele der Buddhisten, die zusätzlich zu den großen Distanzen häufig auch die Beschwernis auf sich nahmen, sich bei jedem dritten Schritt auf den Boden zu werfen. Der im 7. Jahrhundert errichtete Jokhang-Tempel in Lhasa gilt als das größte Heiligtum des Landes, der wuchtige Potala-Palast, der ebenfalls im Kern auf das 7. Jahrhundert zurückgeht und großteils im 17. Jahrhundert errichtet worden ist, war der Sitz der Dalai Lamas, die ja sowohl die weltlichen als auch die religiösen Führer ihres Landes waren. Der Berg Kailash schließlich, der ‚König der Berge‘ oder auch das ‚Große Schneejuwel‘, wird nicht nur im tibetischen Buddhismus, sondern auch in anderen Religionen als der heiligste Berg verehrt, den es so oft wie nur möglich zu umrunden – die Strecke, das ‚Kora‘, ist etwa 53 Kilometer lang –, jedoch keinesfalls zu besteigen gilt.


Beste Reisezeit: 

Nepal: Oktober/November sowie Februar bis Mitte April
Nordindien: Oktober bis März
Kandy in Sri Lanka: Jänner bis März
Tibet: April bis Oktober


Impfungen:
Neben einer allgemeinen Überprüfung des Impfstatus werden folgende Impfungen empfohlen:
Nepal/Nordindien/Sri Lanka: Hepatitis A/B, Typhus, Tollwut, Japan B Encephalitis, Cholera
Tibet: Hepatitis A/B, Meningokokkenmeningitis


Visum:
Nepal: Touristenvisum wird am Flughafen Kathmandu ausgestellt.
Indien: Visum wird an der Botschaft ausgestellt.
Sri Lanka: Visum ist online zu beantragen.
China: Visum über das Chinese Visa Application Service Center in Wien.


Reiseveranstalter:
www.expenova.com und www.neuewege.com haben buddhistische Pilgerreisen nach Indien, Sri Lanka und Bhutan im Programm.
www.kailash-reisen.com bietet buddhistische Reisen nach Tibet, Nordindien, Nepal und Bhutan sowie eine Seminarreise nach Dharamsala in Nordindien an.
www.bhutan-discover.de: Individual- und Gruppenreisen in Sachen buddhistisches Bhutan.
www.tibetreiseexperte.de: Trekking-, Einzel- und Gruppenreisen nach Lhasa, zum Berg Kailash, an den Everest und zu zahlreichen Klöstern und Tempeln.

 

Mag. Harald Sager studierte an der Universität Wien und schreibt seit gut zwanzig Jahren vornehmlich im Lifestyle-Bereich. Aktuelle Schwerpunkte sind Reiseberichte für nationale und internationale Blätter sowie Design und spirituelle/yogische Themen.
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Foto © Istock
Kommentare  
# Heinz G. 2019-06-11 09:29
Es zahlt sich wirklich aus sich auf Buddhas spuren zu begeben. War vor einem Jahr in Lumbini und der Aufenthalt dort war sehr inspirierend für mich.
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