Buch

Almut-Barbara Renger ist Religionswissenschaftlerin und hat 15 andere Religionswissenschaftler eingeladen, dem Begriff ‚Erleuchtung‘ nachzugehen. Basis für dieses Unterfangen war die Veranstaltungsreihe ‚Erleuchtung – Konzepte – Rollen – Modelle‘ am Institut für Religionswissenschaften der Freien Universität Berlin.

Herausgekommen ist ein Buch, das den von Esoterik und anderen Strömungen teilweise bis zur Unkenntlichkeit zerfledderten Begriff der ‚Erleuchtung‘ in ein seriös-wissenschaftliches Korsett presst. Es wird ein Bogen von Platon bis zur europäischen Aufklärung gespannt und obwohl Erleuchtung gegenwärtig eher als ein aus den östlichen Weisheitslehren stammender Begriff gesehen wird, sind die abrahamitischen Religionen gleichwertig vertreten. Den großen Vorteil des Buches, nämlich streng wissenschaftlich und seriös zu sein, werden vor allem Religionswissenschaftler und an wissenschaftlichen Themen Interessierte zu schätzen wissen.
Erleuchtung hat aber auch mit Erfahrung zu tun, Religionswissenschaftler sind jedoch Menschen, die für ihre Tätigkeit grundsätzlich keine religiösen Erfahrungen haben müssen. Einzelne AutorInnen praktizieren zwar selber, der größere Teil dürfte das jedoch nicht tun.
Zu welch unterschiedlichen Ergebnissen man ohne zu praktizieren kommen kann, zeigt sich schön im Schlusskapitel ‚Erleuchtung und das Bild des Asiatischen Buddhismus‘, in dem frühe europäische Buddhologen den Buddhismus einerseits als sehr positiv beschreiben, andererseits aber auch zum Schluss kommen, „Buddhismus sei ein von Narrenheit und Absurdität geprägtes Heidentum“. So bleibt dem Schlusssatz des Buches, ‚der Begriff der Erleuchtung ... sei offen genug, um eine fruchtbare Diskussion zu gewährleisten‘, nichts hinzuzufügen. Wer an einer solchen interessiert ist, wird bei der Lektüre voll auf seine Kosten kommen.

Erleuchtung
Kultur- und Religionsgeschichte eines Begriffs
Herder 2016
400 Seiten
 

 

 

 

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