Meditation

Meditationen aus dem Buddhismus und der buddhistischen Psychologie wirken sich positiv auf das Wohlbefinden aus und sorgen dafür, dass wir das Leben gelassener nehmen.


Buddhistische Mönche wie Matthieu Ricard und Ärzte wie Jon Kabat-Zinn konnten durch zahlreiche Forschungen beweisen, dass die Praxis der Achtsamkeit, des Mitgefühls oder der Freude zu mehr Gelassenheit führt. All die einfachen Übungen, kurzen Praktiken und langen Meditationen, die es hierzu gibt, sind wirksame Hilfsmittel, um einen Weg aus unserem Leid herauszufinden. Sie helfen uns dabei, mit schwierigen Problemen unseres täglichen Lebens besser umzugehen, ohne uns von Hoffnungslosigkeit, Entmutigung oder Angst überwältigen zu lassen. Dies ist deshalb möglich, weil diese Übungen und Meditationen eine hervorragende Möglichkeit darstellen, unseren Geist in eine positive Richtung zu lenken und in Wechselwirkung damit unser Gehirn zu verändern. 

Laut Buddha, aber auch laut zeitgenössischen Lehrern wie Jack Kornfield oder dem Neuropsychologen Rick Hanson, kann es jedem Menschen gelingen, den eigenen Geist zu schulen und dadurch Verhaltensweisen tiefgehend zu verändern. Das hängt damit zusammen, dass unser Geist nicht nur durch das Gehirn aktiv ist, wie viele Forscher in der Vergangenheit fälschlicherweise angenommen hatten. Heute weiß man vielmehr, dass die Verbindung zwischen dem Gehirn und dem Geist auch aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet werden kann und wir unseren Geist viel mehr nutzen können, als uns bislang bewusst war.

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Heilende Impulse fürs Gehirn
Alles, was wir erleben, denken und fühlen, basiert auf neuronalen Aktivitäten. Das trifft sowohl auf sämtliche bewusste wie auch unbewusste Prozesse zu, wie etwa die Kontrolle der Atmung oder das Verdrängen negativer Erinnerungen. Zuständig dafür ist die direkte Verbindung zwischen mentalen und neuralen Aktivitäten, was bedeutet, dass sich Geist und Gehirn gegenseitig beeinflussen. Alles, was wir bewusst oder unbewusst denken, fühlen, vermeiden oder wollen, genauso wie unsere Reaktionen auf Ereignisse, Menschen und Situationen, beeinflusst unser Gehirn.

Forschungen haben ergeben, dass sich nicht nur Stress auf unser Gehirn auswirkt, sondern ebenfalls Entspannung, Achtsamkeit und Gelassenheit. So verbessert die Achtsamkeit zum Beispiel die Isolierung der Fortsätze der Nervenzellen, sodass Signale schneller weitergeleitet werden können. Dadurch sind wir wacher und reagieren schneller. Das hängt damit zusammen, dass wir durch die Praxis der bewussten Atmung in stressigen Situationen nicht mehr so schnell in eine flache Atmung im oberen Brustbereich verfallen, was etwa Angstpatienten hilft, durch bewusste Atmung ihre Attacken deutlich besser in den Griff zu bekommen. Andere Studien belegen, dass die Praxis der Achtsamkeit, der bewussten Reflexion und infolgedessen ein distanzierterer und gelassenerer Umgang mit unseren Gedanken und Gefühlen die Aktivität des linken präfrontalen Cortex steigert und die Stimmung anhebt, weil dieser Teil des Gehirns negative Stimmungen bremst. Achtsamkeit, Meditation und ein distanzierterer Umgang mit Gedanken und Gefühlen wiederum reduzieren die Aktivität der Amygdala, jenem Teil im Gehirn, der acht auf uns gibt und den Horizont permanent nach Gefahren absucht.

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Es tun, statt nur darüber zu lesen
Damit die Übungen und Meditationen aus dem Buddhismus und der buddhistischen Psychologie auch wirksam werden können, bedarf es einer Entscheidung für eine regelmäßige Praxis. Sie müssen sich nicht anstrengen, um es besonders gut zu machen. Sie brauchen auch keine besonderen Voraussetzungen. Sie müssen auf nichts in Ihrem bisherigen Leben verzichten. Sie müssen es lediglich tun! Schon beginnt die Kehrtwende weg vom Stress, hin zu mehr Gelassenheit. Damit unser Gehirn und unser Geist in der Tiefe verändert werden können, braucht es eine regelmäßige Praxis. Buddhistische Lehrer empfehlen uns, die Praxis der Achtsamkeit und Meditation so in den Alltag zu integrieren wie das Putzen der Zähne. Und das tun wir ja auch nicht nur ab und zu. Alles, was es braucht, ist eine Prise Geduld und eine Portion Selbstdisziplin.

Doris Iding, Ethnologin, Yoga-, Meditations- und Achtsamkeitslehrerin sowie Autorin und Journalistin. 15 ihrer Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt. www.vomglueckderkleinendinge.blogspot.de

 

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Fotos © pixabay

Kommentare  
# Herbert Fuchs 2018-06-15 12:38
Die angeführten Übungen klingen so einfach, aber erweisen sich dann doch als recht schwierig. Danke für den Gedankenanstoß.
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