Meditation

Die Meditation nimmt im Leben des westlichen Menschen einen immer größeren Stellenwert ein. Ob mit oder ohne religiösen Hintergrund spielt dabei keine Rolle. Seit Menschengedenken werden weltweit Meditationstechniken eingesetzt, um Körper und Geist in Einklang zu bringen.

Es ist früh am Morgen in einem buddhistischen Kloster in der Eifel. 15 Menschen sitzen still im Kreis, in würdevoller, aufrechter Haltung auf dem Boden oder auf einem Hocker. Die Geräusche des Morgens durchdringen die Stille, ja, machen die Stille hörbar. Tiefer Frieden geht von dieser Gruppe aus. Jeder hat für ein Wochenende seinen Alltag verlassen und sich in diesem Kloster für eine Meditations-Klausur zurückgezogen. So unterschiedlich ihre Leben und die Herausforderungen ihres jeweiligen Alltages sind, eines vereint sie: die Praxis der Achtsamkeitsmeditation. Nach einer Dreiviertelstunde erklingt der helle Ton einer Meditationsglocke und die Meditierenden setzen ihre Praxis im Gehen fort.

Was bringt Menschen dazu, sich mit Meditation zu beschäftigen, ja, sogar sich aus dem Alltag zurückzuziehen, Kinder und Arbeit für eine Zeit ruhen zu lassen und sich ganz der Praxis zu widmen? Der Wunsch nach Ruhe, nach Stille und Sammlung in einer immer hektischer werdenden Welt? Meditation ist heute mehr denn je in aller Munde. Bekannte Zeitschriften wie Stern und Fokus berichten regelmäßig über neueste wissenschaftliche Erkenntnisse der Meditationsforschung und zeigen, wie heilsam Meditation auf unseren Organismus wirkt. Die Praxis der Meditation erobert Führungsetagen, Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen. Fast schon scheint es zum neuen Lifestyle-Produkt geworden zu sein zu meditieren. Doch ist es das wirklich? Reicht es aus, sich ein schickes Meditationskissen im Internet zu bestellen und sich im Schneidersitz darauf niederzulassen, die Augen zu schließen und an nichts zu denken? Ist es tatsächlich so einfach oder kann man Meditation nur in einem Ashram in Indien oder in einem Kloster in Thailand wirklich lernen? Wer sich für Meditation zu interessieren beginnt, wird heute konfrontiert mit einer unübersehbaren Fülle an Büchern, Ratgebern, Videos, Internetseiten, Kursangeboten und CDs. Verbirgt sich hinter dem Begriff Meditation immer das Gleiche oder gibt es Unterschiede? Muss ich Buddhist oder Hindu sein, um Meditation praktizieren zu können, oder gibt es auch eine Meditation, die nicht religiös ist? Ist Meditation weltfremd? Diesen Fragen soll auf den Grund gegangen werden, hier soll Licht ins Dunkel gebracht werden.
Meditation – mit diesem Wort verbinden viele Menschen die Vorstellung von Ruhe, Stille, Frieden und Einkehr. Wer aktuell Stress, Schmerz, Leid und Hektik erlebt, von schweren Schicksalsschlägen gebeutelt wird, dem scheinen diese Worte wie aus einer anderen Welt – fern, unerreichbar und doch sehr attraktiv. Die meisten Menschen in der heutigen, schnelllebigen Zeit begeben sich auf den Weg der Meditation, weil sie merken, dass sie mit ihren üblichen Mitteln wie Ablenkung, Essen, Alkohol oder noch mehr Arbeit einfach nicht mehr weiterkommen. Viele sind bereits erkrankt, manche sogar schwer. In meiner Praxis erlebe ich immer wieder Menschen, die sich ohne ihre Erkrankung oder eine Lebenskrise niemals mit Meditation auseinandergesetzt hätten. Für diese Menschen ist es weniger ein Lifestyle-Produkt, vielmehr ist es eine existenzielle Notwendigkeit, um etwas Grundlegendes in ihrem Leben zu verändern und gesund zu werden. Es scheint so, als wäre dies ein Trend der Neuzeit, doch wenn wir uns die Geschichte der Meditation anschauen, gab es immer wieder Zeiten, in denen Menschen nach Alternativen suchten. Wir können davon ausgehen, dass meditative Techniken so alt sind wie die Menschheit selbst, denn es ist ein ganz natürlicher Seinszustand der absoluten entspannten und doch wachen Präsenz im Hier und Jetzt, der zu uns Menschen gehört wie das Atmen. Nur dass wir diesen Zugang zu diesem natürlichen Seinszustand im Laufe unseres geschäftigen Lebens verlieren.

 Mit dem Wort Meditation verbinden viele Menschen die Vorstellung von Ruhe, Stille, Frieden und Einkehr.


In den 5.000 Jahre alten indischen Veden finden sich die ersten konkreten Anweisungen zur Meditation, wie etwa die Nutzung des Atems, die Rezitation heiliger Worte und eine spirituelle Geistes- beziehungsweise Lebensausrichtung (beispielsweise Askese). Aus diesen Schriften entwickelte sich die Tradition des klassischen Yoga, welche Körper-, Reinigungs- sowie Atemübungen und Rezitationen beinhaltet und auf die auch alle heutigen Yoga-Schulen Bezug nehmen (Yoga-Sutra). Auch Siddhartha (später Buddha genannt – der Erleuchtete) studierte und praktizierte die Lehren der Veden. Er ging dann jedoch seinen eigenen meditativen Weg, der ihn schließlich zur vollkommenen Buddhaschaft führte. Seine Lehre beruht auf den ‚Vier Edlen Wahrheiten’, der Achtsamkeits-/Einsichtsmeditation sowie einer heilsamen Lebensgestaltung. Buddha sah sich als Arzt, der das Leiden (1. Wahrheit) und seine Ursache (2. Wahrheit) diagnostiziert hat, weiß, dass es heilbar ist (3. Wahrheit), und der das passende Heilmittel – den Weg der Meditation – und seine Anwendung verordnet (4. Wahrheit). Der Buddhismus verbreitete sich von Indien ausgehend über ganz Asien, China und Tibet und fand schließlich in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts zusammen mit dem klassischen Yoga seinen Weg in den Westen. Die buddhistischen Hauptströmungen, die sich im Laufe der letzten 2.500 Jahre entwickelt haben, sind der Theravada-Buddhismus, der chinesische und japanische Zen sowie der tibetische Buddhismus. Sie werden bis heute praktiziert, auch hier im Westen. Jede Richtung praktiziert eine Form der Achtsamkeits-/Einsichtsmeditation. Da sich der Buddhismus mit den jeweiligen kulturellen Gegebenheiten der einzelnen Länder vermischt hat, haben sich auch noch weitere Rituale/Meditationsanleitungen in den einzelnen Strömungen entwickelt. Das grundlegende Gedankengut der buddhistischen Lehre ist jedoch in allen Traditionen gleich. In kaum einer anderen Tradition wird der Meditation ein derart hoher Stellenwert beigemessen wie im Buddhismus. Sie ist das Herz und die Hauptpraxis.

Meditation führt uns direkt zum Kern unseres Daseins.


Mit der Verbreitung des Buddhismus und des Yoga im Westen entstanden in den USA sowie in Europa zahlreiche Ashrams, Klöster, Studien- und Retreat-Zentren. Die Praxis, die aus einem fremden Land in unsere westliche Kultur kam, war für die einen attraktiv-exotisch und für andere eher befremdlich und schwer zu verstehen beziehungsweise im Alltag zu praktizieren. Ein Anpassungsprozess an unsere westliche Kultur begann. In den 80er Jahren kombinierte der Mediziner und Molekularbiologe Jon Kabat-Zinn die Achtsamkeitsmeditation mit Yoga und brachte sie in Form eines wissenschaftlich fundierten und nicht religiösen 8-Wochen-Programms (genannt MBSR) in Kliniken und Gesundheitszentren, um Menschen einen Übungsweg zu eröffnen, mit Krankheit, Schmerz und Stress gelassener umgehen zu lernen. Das damit wachsende Interesse der Forschung hob die Meditation endgültig aus ihrem Räucherstäbchen-Ambiente. Was lange Zeit als Esoterik verschrien war, ist nun nicht nur gesellschaftlich anerkannt, sondern hat auch nachgewiesene heilsame Auswirkungen auf das Immun- und Herz-Kreislauf-System sowie unsere Psyche. Doch nicht nur in Ashrams und buddhistischen Klöstern wird meditiert. Auch im Schamanismus und in den mystischen Schulen der jüdischen/christlichen Tradition sowie in dem dem Islam zugehörigen Sufismus findet sich ebenfalls die Praxis der Versenkung, die jedoch – bis auf das Sitzen in Stille – zum großen Teil eher der Praxis des Gebets, der Kontemplation oder gar der Trance (Drehtanz der Sufis) zugeordnet werden kann. Manche christliche und jüdische Schulen kombinieren heutzutage ihre spirituelle Praxis von Gebet und Kontemplation mit der schlichten und nicht an einen religiösen Kontext gebundenen Zen-Meditation, wie beispielsweise der Zen-Meister und Benediktinerpater Willigis Jäger.

Doch was verbirgt sich grundsätzlich hinter dem Wort Meditation?
Der Begriff Meditation wird sehr inflationär benutzt, was durchaus zu Verwirrung führen kann. Das buddhistische Verständnis von Meditation ist, den Geist über die Ausrichtung auf ein Meditationsobjekt (etwa die Atemwahrnehmung oder ein Mantra) zu sammeln und in sich zur Ruhe kommen zu lassen, Achtsamkeit und Präsenz zu kultivieren und intuitive Einsicht in die eigenen geistigen (Leid-)Prozesse zu gewinnen, die Natur der Erscheinungen zu erkennen und aus den Täuschungen zu erwachen (Erleuchtung). Hier geht es in keinem Fall um ‚Nachdenken’, sondern vielmehr um das direkte Erfahren oder das, was das tibetische Wort ‚Gom’ für Meditation ausdrückt, welches es sich zur Gewohnheit machen oder auch vertraut machen bedeutet. Wir machen uns vertraut damit, wie unser Geist und die Welt funktionieren, und lernen, den traumgleichen Erscheinungen nicht mehr auf den Leim zu gehen. Was Meditation in diesem Zusammenhang NICHT ist, landläufig jedoch häufig als Meditation bezeichnet wird, ist Folgendes: jegliche Art von Hypnose oder Trance, etwa Trance-Tanz (Drehtanz der Sufis, schamanischer Trance-Tanz), schamanische Trance-/Trommel-Reisen in die Anderswelt, Traumreisen, Entspannungsübungen wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung genauso wenig Schlaf, Beten, Selbstsuggestion durch Affirmationen, (Tag-)Träumen, Nachdenken, Joggen, Autofahren, Lesen oder Fernsehen (auch wenn manche berichten, das sei sooo meditativ gewesen).

Der religiöse Kontext ist in den meisten Meditationsformen zweitrangig.

 

Folgend haben wir die wichtigsten heute noch praktizierten Meditationsformen im Überblick zusammengestellt, so dass Sie leichter herausfinden können, was für Sie von Interesse ist. Auch der religiöse Kontext ist in den meisten Meditationsformen zweitrangig. In den meisten Fällen brauchen Sie weder Buddhist noch Hindu zu sein, um Meditation praktizieren zu können. Lehrer wie Goenka mit seinen mehrtägigen Vipassana-Retreats, der rigoros jeglichen religiösen Bezug ablehnt, oder Jon Kabat-Zinn mit seinem rein psychologischen Meditationsprogramm MBSR zeigen, wie die Meditation auch ohne religiösen Überbau ihre heilsame Wirkung entfalten kann. Auch der Alltagsbezug wird gewahrt. Buddha betonte vor 2.500 Jahren, wie wichtig der Alltagsbezug in der Praxis ist, auch wenn er zwischendurch immer wieder Zeiten des Rückzugs empfiehlt. Statt weltfremd zu sein, wie es Meditierenden oft vorgeworfen wird, führt Meditation uns direkt zum Kern unseres Daseins und lässt uns seine Fülle schmecken, ohne uns den Magen daran zu verderben. Gerade die Achtsamkeitsmeditation betont das Sein im Hier und Jetzt und kann als Training angesehen werden, mehr mit dem Leben in Kontakt zu kommen (statt vor ihm wegzulaufen). Sie beinhaltet nicht nur Übungen auf dem Meditationskissen, sondern bezieht den gesamten Alltag mit ein und ermöglicht dem Praktizierenden mit der Zeit einen gelasseneren, klareren und angemesseneren Umgang mit den Herausforderungen seines Lebens. Auch wenn die Praxis von der technischen Seite her einfach erscheint, erfordert sie vom Übenden Geduld, Disziplin und tägliches Üben.

 

Was ist das Ziel der Meditation?

Während in der christlichen, jüdischen und der islamischen Meditation die Einheit oder das Nahesein mit Gott angestrebt wird, besteht in der klassischen Yoga-Praxis das Ziel, einen Zustand zu erlangen, der als Samadhi bezeichnet wird. Damit ist ein Bewusstseinszustand gemeint, der sehr ruhig ist und als das völlige Aufgehen in der Einheit, jenseits jeglichen Getrenntseins, beschrieben wird. Ziel der klassischen buddhistischen Meditation ist im Gegensatz dazu, den Geist zu sammeln, Qualitäten wie Achtsamkeit, Liebe und Mitgefühl zu kultivieren, Einsicht in die Natur der Erscheinungen zu erlangen, vollständig frei zu werden von Anhaftung und Ablehnung und dem daraus erwachsenden Leid und schließlich vollkommene Erleuchtung zu erlangen.


Brauche ich einen Lehrer und muss ich dafür nach Indien oder Thailand fahren?

Glücklicherweise brauchen wir heute keine langen Wege mehr in ferne Länder anzutreten, um Belehrungen zu erhalten, und sie sind auch nicht nur Mönchen und Nonnen vorbehalten. Sie können heute authentische Lehrer in Ihrem eigenen Land treffen, Anweisungen erhalten und dies meist sogar in Ihrer Muttersprache, was das Verständnis der teilweise schwierigen und leicht missverständlichen Anweisungen wesentlich erleichtert. Mittlerweile gibt es gut ausgebildete westliche Meditationslehrer der unterschiedlichen Traditionen, die bereits den kostbaren Transfer der traditionellen Lehren in unseren westlichen aktuellen Alltag gemeistert haben. Sie können uns zielgerichtete und leicht verständliche Erklärungen für eine fruchtbare und moderne Alltagspraxis geben. Wir haben eine Liste von Meditationszentren und Klöstern vorbereitet, wo Sie entsprechende Kurse und gut ausgebildete authentische Lehrer finden werden. Schauen Sie sich ruhig ein paar Zentren und Lehrer an, gehen Sie zu Vorträgen oder nehmen Sie an Einführungsveranstaltungen teil. So werden Sie mit der Zeit ein Gespür dafür bekommen, ob Ihnen der Stil und die Person des Lehrers/der Lehrerin zusagen und Sie mit ihm oder ihr arbeiten möchten.

 

Brauche ich überhaupt einen Lehrer oder kann ich das auch selbst mit einem Buch oder einer CD erlernen?

In manchen Traditionen ist ein Lehrer unbedingt notwendig, und zwar von Anfang an. In anderen Schulen können Sie einen ersten Einstieg über Literatur und CDs finden. Wir empfehlen Ihnen jedoch grundsätzlich, sich von Anfang an einen Lehrer/eine Lehrerin zu suchen. Der Start wird damit leichter, da Sie ganz konkrete Anweisungen erhalten, wie Sie eine für Sie passende Meditationshaltung einnehmen und die Meditation korrekt und sicher im Alltag durchführen und alle Fragen klären können. Manchmal ist es vielleicht nicht immer möglich, einen Lehrer aufzusuchen. Bücher und CDs mit geführten Meditationen können dann eine erste Hilfe oder Inspiration sein, jedoch sollten Sie sich mit der Zeit auf die Suche nach einem Lehrer machen, um Ihre Übungspraxis zu überprüfen, denn es können leicht Missverständnisse in der Interpretation der Anweisungen entstehen und so durch Verständnisprobleme Schwierigkeiten in der Praxis auftreten, die vom Praktizierenden selbst nicht erkannt werden können.

 

Polytheistische Schulen

Schamanische Meditation

Ursprung: Wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst. 15.000 Jahre alte Höhlenzeichnungen lassen vermuten, dass schon die ersten Menschen meditative Praktiken angewandt haben. Der Schamanismus mit seinen sich sehr ähnelnden Techniken hat sich auf allen Kontinenten der Welt und in jeder Kultur entwickelt und erfährt aktuell eine Wiederbelebung. Ein Großteil der Praxis lässt sich der Trance zuordnen. Dennoch finden sich auch Praktiken der stillen Versenkung mit Hilfe des Atems oder der Übung des reinen Seins. DIE schamanische Meditation gibt es jedoch nicht.
Stellenwert der Meditation: Mittel bis hoch
Was wird praktiziert: Atemübung, Atemmeditation, Naturmeditation, stilles Sitzen, Verbindung mit den Elementen aufnehmen, Trance-Tanz, Trance-Reisen in die Anderswelt, Gebet/Anrufung
Ziel: Einheitserfahrung mit der Natur, Heilung, Kontakt zur Anderswelt, zu Gott/Göttin und Geistwesen
Ausrüstung: Meditationskissen, -hocker, -bänkchen, Trommel/Rassel, Ritualgegenstände
Literatur: Alberto Villoldo: Das erleuchtete Gehirn, München (Goldmann) 2011; Vicky Gabriel: Seelenpfade, Uhlstädt-Kirchhasel (Arun) 2012 (Buch) + separat erhältliches CD-Praxis-Set
Brauche ich einen Lehrer: Unbedingt notwendig!

 

Monotheistische Schulen

Christliche Meditation

Ursprung: Christliche Mystik. Geprägt durch die Wüstenväter des 3. Jahrhunderts sowie durch die Mystiker des Mittelalters wie Meister Eckhart und Teresa von Ávila.
Stellenwert der Meditation: Gering bis mittel
Was wird praktiziert: Kontemplation und Rezitation der Heiligen Schrift, Zwiesprache mit Gott, stilles Sitzen, Gebete, beispielsweise das Rosenkranz-Gebet
Ziel: Einswerdung mit Gott (Unio mystica), Erfahrung des Urgrundes
Ausrüstung: Gebetsbänkchen, Rosenkranz, Bibel
Literatur: Willigis Jäger: Kontemplation. Ein spiritueller Weg, Freiburg (Kreuz) 2010
Brauche ich einen Lehrer: Empfehlenswert

Jüdische Meditation

Ursprung:Ursprung: in der jüdische Mystik; Die Wurzeln finden sich in der Bibel (Prophetenschulen) und in der mystischen Tradition der Kabbala. Auch die chassidische Bewegung des 18. und 19. Jahrhunderts hat zur Erneuerung der jüdischen Meditationspraxis beigetragen.
Stellenwert der Meditation: Gering bis mittel
Was wird praktiziert: das direkte und intensive Gespräch mit Gott, Bibel- und Gottesverse, Kontemplation jüdischer Buchstaben, Hören und Singen von chassidischen Melodien;
Ziel: das unmittelbare Erfahren des Göttlichen bis zur Vertiefung der Gebetserfahrung
Ausrüstung: Tora
Brauche ich einen Lehrer: Empfehlenswert

Sufi-Meditation

Ursprung: Die Sufi-Tradition ist im Islam eingebettet. Sufis gehen davon aus, dass ihre Wurzeln bis weit über Mohammed und Buddha zurückreichen, und zwar bis hin zu den ersten erleuchteten Menschen.
Stellenwert der Meditation: Unterschiedlich
Was wird praktiziert: Atemübungen, Rezitation von Koranversen und der 99 Namen Allahs, Drehtanz der Derwische.
Ziel: Direkte Erfahrung göttlicher Präsenz
Ausrüstung: Koran
Literatur: Die Sufis: Botschaft der Derwische, Weisheit der Magier (Dietrichs Gelbe Reihe) 2006
Brauche ich einen Lehrer: Unbedingt

 

Fernöstliche Schulen

Samatha-Vipassana-Meditation

Ursprung: Dies ist die klassische buddhistische Achtsamkeitsmeditation, welche sich in allen Schulen des Buddhismus findet, jedoch auch jenseits eines religiösen Kontextes praktiziert werden kann. Sie findet sich unter anderem auch im MBSR-Programm. Ursprünglich gehört sie zur Theravada-Schule, die heute noch in Burma, Thailand und Sri Lanka verbreitet ist.
Stellenwert der Meditation: Sehr hoch
Was wird geübt: Sitzmeditation mit Fokus auf Atembeobachtung. Durch Samatha wird der Geist beruhigt. Aus diesem beruhigten Geist entstehen intuitive Einsichten (Vipassana) in die Natur der Phänomene. Der Übende erkennt, dass sich alles nur im Geist abspielt, und löst sich mit der Zeit aus leiderzeugenden Gedankenmustern und Handlungen.
Ziel: Erleuchtung, das heißt Befreiung aus dem Leid-Kreislauf
Ausrüstung: Meditationskissen, -hocker oder -bänkchen
Einstiegsliteratur: Joseph Goldstein: Vipassana Meditation. Die Praxis der Freiheit, Freiburg (Arbor) 2006; Mahathera Henepola Gunaratana: Die Praxis der Achtsamkeit. Eine Einführung in die Vipassana-Meditation, Heidelberg (Kristkeiz) 2000
Brauche ich einen Lehrer: Sehr empfehlenswert, insbesondere zu Beginn und immer wieder in Abständen zwischendurch in Erkenntnis-Prozessen

Metta-Meditation

Ursprung: Sie gehört ebenfalls zur Theravada-Tradition und hat sich im Westen durch ihren leichten und schlichten Zugang zum Thema etabliert. Auch diese Meditation lässt sich ohne religiösen Bezug ausüben.
Stellenwert der Meditation: Sehr hoch
Was wird geübt: Sitzmeditation mit Fokus auf der Kultivierung von Herzensgüte. Der Übende wird angehalten, sich leidhafte Zustände bewusstzumachen und in Form von heilsamen Wünschen Mitgefühl und liebende Güte sich selbst und anderen gegenüber zu üben.
Ziel: Kultivierung der Erleuchtungsqualitäten von liebender Güte und Mitgefühl
Ausrüstung: Meditationskissen, -hocker oder -bänkchen
Einstiegsliteratur: Sharon Salzberg: Metta-Meditation. Buddhas revolutionärer Weg zum Glück. Geborgen im Sein, Freiburg (Arbor) 2003; Marie Mannschatz.....
Brauche ich einen Lehrer: Ist empfehlenswert

Zen-Meditation

Ursprung: Durch die Vermischung des Buddhismus mit dem Taoismus in China und die Weiterverbreitung nach Japan entstand der Zen-Buddhismus. Er betont insbesondere die unmittelbare Einsicht in die Natur des Geistes, die Praxis wirkt auf Außenstehende häufig sehr streng. Wobei der Zen-Meister und Achtsamkeitslehrer Thich Nhat Hanh eine Form des koreanischen Zen entwickelt hat, die sehr liebevoll, achtsam und freundlich anmutet und für viele im Westen einen alltagstauglichen, leichteren Zugang bietet.
Stellenwert der Meditation: Sehr hoch
Was wird geübt: Sitzmeditation (Zazen), Gehmeditation (Kinhin) sowie Koan-Arbeit (vom Verstand unlösbare Rätsel, die sich lediglich durch die Praxis der Meditation und durch sie erlangte intuitive Einsicht lösen lassen)
Ziel: Satori – spontane Erleuchtung
Ausrüstung: Meditationskissen, -hocker oder -bänkchen
Einstiegsliteratur: Shunryu Suzuki Roshi: Zen-Geist, Anfänger-Geist, Freiburg (Herder) 2009; Thich Nhat Hanh: Der Geruch von frisch geschnittenem Gras. Anleitung zur Gehmeditation, Berlin (Theseus) 2007
Brauche ich einen Lehrer: Notwendig

Tibetischer Buddhismus

Ursprung: Als der Buddhismus über den Himalaya nach Tibet kam, vermischte er sich dort mit der schamanischen Bön-Tradition, übernahm einen Großteil der Rituale und nutzte sie als sogenannte ‚geschickte Mittel’ im Umgang mit Energien wie Zorn, Angst, Leidenschaft und Trägheit. Ohne Erklärungen der Rituale und Ikonografie wirken die Praktiken des tibetischen Buddhismus oft sehr folkloristisch, magisch, geheimnisvoll oder schlichtweg befremdlich. Um den Sinn der hochwirksamen Meditationspraktiken zu verstehen, braucht es unbedingt die Zusammenarbeit mit einem Lehrer. In dieser Tradition ist es im Gegensatz zu anderen buddhistischen Traditionen üblich, dass der Lehrerkontakt sehr eng ist. Das liegt an der Vielfalt der Erscheinungen und der Gefahr, Erklärungen und Erfahrungen in der Meditation misszuverstehen.
Stellenwert der Meditation: Sehr hoch
Was wird geübt: Sitzmeditation (Shine-Lhaktong, Mahamudra/Dzogchen), aber auch Mantra-Rezitationen, Durchführung von Ritualen mit gesungenen Rezitationen (Pujas) und teilweise komplizierte Visualisierungen von einzelnen Buddha-Aspekten, Niederwerfungen
Ziel: Realisierung der Buddha-Natur, vollkommene Erleuchtung zum Wohle aller Wesen
Ausrüstung: Meditationskissen, -hocker oder -bänkchen, spezielle Ritualgegenstände, Gebetskette (Mala)
Einstiegsliteratur: Karin Brucker, Christian Sohns: Tibetischer Buddhismus. Handbuch für Praktizierende im Westen, München (O.W. Barth) 2003
Brauche ich einen Lehrer: Unbedingt notwendig

Tonglen-Meditation

Ursprung: Tibetischer Buddhismus
Stellenwert der Meditation: Sehr hoch
Was wird geübt: Sitzende Meditation in Verbindung mit Visualisierungen, indem der Praktizierende sich darin übt, Ungewolltes/Unangenehmes mit dem Atemstrom anzunehmen und Freudvolles mit dem Ausatmen auszusenden und zu verschenken.
Ziel: Die Illusionshaftigkeit der Phänomene durchschauen, Anhaftung an das eigene Glück und die Abwehr von Leid auflösen, Mitgefühl und liebende Güte kultivieren
Ausrüstung: Meditationskissen, -hocker oder -bänkchen
Einstiegsliteratur: Pema Chödrön: Tonglen. Der tibetische Weg, mit sich selbst und anderen Freundschaft zu schließen, Freiburg (Arbor) 2001; Pema Chödrön: Beginne, wo du bist. Eine Anleitung zum mitfühlenden Leben, Braunschweig (Aurum) 2003
Brauche ich einen Lehrer: Sehr empfehlenswert

Yoga

Ursprung: Patanjali stellte im 2. Jahrhundert nach Christus die Praktiken des klassischen Yoga und seiner acht verschiedenen Versenkungsstufen im sogenannten Yoga-Sutra zusammen, auf die auch heute noch alle Yoga-Lehrer Bezug nehmen. Es entwickelten sich bis heute verschiedene Schulen und Ausprägungen der Yoga-Praxis.
Stellenwert der Meditation: Je nach Lehrer gering bis mittel
Was wird geübt: Der Praktizierende nimmt verschiedene Körperstellungen, sogenannte Asanas, ein. Darüber hinaus übt er sich in verschiedenen Reinigungstechniken und Atemübungen (Pranayama) sowie in der Rezitation von Mantras.
Ziel: Die Erlangung des friedvollen Zustandes von Samadhi und des Austritts aus dem Kreislauf der Wiedergeburt
Ausrüstung: Yoga-Matte, Meditationskissen und möglicherweise Hilfsmittel wie Gurte und Yoga-Blöcke, Mala (Gebetskette)
Einstiegsliteratur: Ralph Skuban: Patanjalis Yogasutra, München (Arkana) 2011
Brauche ich einen Lehrer: Sehr empfehlenswert

Weltliche Schulen

MBSR (Mindfullness-Based-Stress-Reduction)

Ursprung: Jon Kabat-Zinn entwickelte in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts auf Basis seiner eigenen positiven Erfahrungen mit Achtsamkeitsmeditation und Yoga im klinischen Kontext ein wissenschaftlich fundiertes 8-Wochen-Übungsprogramm, welches zur Stressreduktion eingesetzt wird und den Umgang mit Schmerz und schweren Erkrankungen erleichtern soll. Er verzichtet dabei explizit auf jeglichen religiösen Inhalt.
Stellenwert der Meditation: Sehr hoch
Was wird geübt: Der Praktizierende nimmt über acht Wochen an einem feststehenden Übungsprogramm teil, in dem er neben den einmal wöchentlich stattfindenden reflektierenden Gruppentreffen täglich 60 Minuten im Alltag übt. Die formalen Übungen bestehen in einer Kombination aus Atemmeditation im Sitzen, einer Körpermeditation, genannt Body-Scan, sowie achtsamen Yoga-Übungen. Ergänzt wird dieses durch informelle Übungen wie Selbstbeobachtung oder Verrichtung der Hausarbeit in einer achtsamen aufmerksamen inneren Haltung.
Ziel: Stressreduktion, Erkennen und Reduktion von stresserzeugenden oder belastungsverschärfenden Mustern (beispielsweise Grübeln und Bewerten), Wiedererlangung des psychischen und körperlichen Wohlbefindens
Ausrüstung: Yoga-Matte, Meditationskissen, -hocker oder -bänkchen
Einstiegsliteratur: Jon Kabat-Zinn: Gesund durch Meditation. Das große Buch der Selbstheilung, Frankfurt am Main (Fischer) 2006; Maren Schneider: Stressfrei durch Meditation. Das MBSR-Kursbuch nach der Methode von Jon Kabat-Zinn, München (O.W. Barth) 2012
Brauche ich einen Lehrer: Sehr empfehlenswert

 

Maren Schneider, 43, praktiziert seit 1997 Achtsamkeitsmeditation und tibetischen Buddhismus. Als Heilpraktikerin für Psychotherapie, MBSR-/MBCT-Lehrerin und Buchautorin lebt und arbeitet sie in Düsseldorf.
 
 
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