Meditation

So wie sich manche Menschen täglich an einen Gott wenden, kann man sich auch in kurzen täglichen Übungen selbst zuwenden. Bereits wenige bewusste Atemzüge können helfen, mit schwierigen Situationen besser umzugehen.

Mit Kurzmeditationen, Übungen der Körperwahrnehmung und der Gefühlsbetrachtung können auch tief eingeschliffene negative Gewohnheiten durchbrochen werden.

Wenngleich die anschließend geschilderten Lebenssituationen den Eindruck erwecken mögen, dass ausschließlich die Lösung psychologischer Probleme gefragt sei, geht es in der buddhistischen Übung nicht nur um diese, sondern weit darüber hinaus. Es geht nicht um die Analyse der eigenen Probleme, sondern darum, sie wertfrei zu erkennen: „So bin ich.“ „Das ist gerade mein Problem.“ „Und schon wieder ist mir dieses oder jenes passiert.“
In der Meditation kann man lernen, das Problem, die Angst, den Ärger zu erkennen, ohne etwas ändern zu wollen, die Dinge zu betrachten, ohne einzugreifen, ohne sie zu bewerten. Wenn man ganz tief in die Meditation eingedrungen ist, kann man die Dinge sehen, ohne über sie nachzudenken. Jenseits des Denkens eröffnen sich völlig neue Dimensionen.
Wenn man täglich nur ein paar Minuten lang meditiert, wird man zwar nicht zu diesen tiefen Erfahrungen kommen, aber es ist ein Anfang, und mit der gelernten Konzentration und Stabilität des Geistes kann man Dinge in sich erkennen, die einem bisher verborgen geblieben sind.
Die folgenden, aus dem Leben gegriffenen Beispiele mit Ratschlägen und Übungen können möglicherweise hilfreich sein.

Belästigung
„Neben mir in der U-Bahn sitzt ein Fahrgast, der Kebab isst und dabei laut schmatzt. Ich könnte aus der Haut fahren.“
Haben Sie dabei auf Ihr Gefühl geachtet? Es ist unangenehm, aber Sie haben es nicht gemerkt. Sie reagieren nicht auf den Sitznachbarn und sein Essen, sondern auf Ihr Gefühl, das Sie nicht haben wollen. Es wäre günstig, sich dieses unangenehmen Gefühls bewusst zu sein und unabhängig davon zu handeln. Nun können Sie aufstehen und den Ort verlassen oder sitzen bleiben. Sich ärgern und aus der Haut fahren müssen und werden Sie nicht mehr.

Übung: Den Körper spüren
Versuchen Sie, in den Körper hineinzuspüren und festzustellen, wo Ihnen die Situation unangenehm ist. In welchem Körperteil sitzt das unangenehme Gefühl? Ändert es sich? Wann, wo und wie?


Ärger
„Unser Baby weint bitterlich und schon wieder bleibt die Verantwortung an mir hängen. Mein Partner tut so, als würde er unser Baby gar nicht hören.”
Das Baby ist natürlich Ihrer beider Baby. Die Verantwortung tragen Sie und Ihr Partner zwar gemeinsam, aber je nach Alter gibt es unterschiedliche Bereiche der Verantwortung. Es gibt immer Regeln, auch in einer Ehe. Diese müssen Sie mit Ihrem Partner klären und dann auch selbst einhalten. So wie Sie sich immer wieder bewusst für Ihr Kind entscheiden sollen, müssen Sie das auch für Ihren Partner tun. Beim Kind ist die Entscheidung meist recht klar und einfach, beim Partner ist das wesentlich schwieriger. Die Antwort liegt in der bewussten Auseinandersetzung.

Übung: Meditation
Versuchen Sie, eine Zeit lang, vielleicht ein bis drei Monate lang, täglich zu meditieren, 15-25 Minuten. Es gibt viele Meditationsmethoden und viele Anleitungen im Internet. Klicken Sie hier.


Suchtverhalten
„Ich esse häufig zu viel. Einem Erdbeertörtchen kann ich nicht widerstehen. Manchmal esse ich sogar ein zweites, obwohl ich mir fest vorgenommen habe, das nicht zu tun.“
Sie können sich nicht auf sich selbst verlassen. Das ist wie eine Form der negativen Sucht. Versuchen Sie, das zu ändern, damit Sie wieder Vertrauen in sich selbst fassen können.

Übung: Meditation
Wie wäre es, eine Zeit lang täglich zu meditieren? Nehmen Sie sich eine gewisse Zeit vor und halten Sie diese auch bei Widerständen und Schmerzen ein. Nehmen Sie sich nicht zu viel vor. Aber das, was Sie sich vorgenommen haben, sollen Sie auch tatsächlich einhalten. Meditieren Sie anfangs nur zehn Minuten, aber halten Sie durch! Und das über eine gewisse Zeit. Das schafft Selbstvertrauen und bringt Ordnung in Ihr Leben – in all seine Bereiche.


Immer wiederkehrende negative Situationen
„Ich fühle mich allein und im Stich gelassen. Mein Partner interessiert sich nicht für meine Probleme. Alles, was ihn interessiert, sind seine eigenen Anliegen, einzig darum kreisen unsere gemeinsamen Gespräche. Ich bin sehr verärgert und kepple nur noch, um überhaupt gehört zu werden. Dann heißt es, ich bin ein ‚Keppelarsch’. Wie kann ich mit dieser Ungerechtigkeit umgehen?“
Versuchen Sie, den Handlungsablauf zu erkennen und nicht unmittelbar zu reagieren. Verlassen Sie den Raum, wenn Sie den Drang verspüren, etwas zu sagen. Kehren Sie erst zurück, wenn der Ärger verschwunden ist. Auch wenn es einen Tag dauern sollte: Reden Sie nicht. Erst wenn sich der Ärger wirklich gelegt hat, bitten Sie um ein Gespräch. Nehmen Sie sich fest vor, dabei nicht in alte Muster zu verfallen. Bleiben Sie ganz bei sich. Es ist besser, nichts zu sagen, als ständig in alte Verhaltensmuster zu verfallen.

Übung: Dynamische Meditation
Nehmen Sie sich 30 bis 60 Minuten Zeit. Ziehen Sie sich bequem an, schalten Sie eine rhythmische und anregende Musik ein. Bleiben Sie ganz ruhig stehen. Beginnen Sie dann, sich langsam mit der Musik zu bewegen, versuchen Sie nicht, bewusst zu tanzen, sondern sich von der Musik tragen zu lassen. Die Bewegung sollte im Becken beginnen und sich von dort auf Arme, Oberkörper und Beine ausbreiten. Beziehen Sie den Kopf in Ihre Bewegungen mit ein. Stehen Sie locker und aufrecht, den Kopf erhoben, die Arme über dem Kopf.
Spüren Sie, wie Sie am Boden stehen, registrieren Sie Ablenkungen wie Gedanken, Widerstände und Gefühle und kehren Sie zurück zur Übung. Wenn Ihnen diese Übung guttut, sollten Sie sie über vier bis acht Wochen etwa zwei- bis dreimal pro Woche durchführen. Auch danach kann man sie gelegentlich machen. Sie bringt Energie, Körperbewusstsein und Klarheit. Spaß bereiten kann sie auch.


Zu kurz kommen
„Ich habe das Gefühl, bei der Diensteinteilung an meiner Arbeitsstelle prinzipiell zu kurz zu kommen und immer auf der Strecke zu bleiben.“
Sie haben recht: Es ist Ihr unangenehmes Gefühl, das Sie beim Lesen der Diensteinteilung reagieren lässt.
Jeder Betrieb hat Regeln. Halte ich sie ein, werde ich Erfolg haben. Halte ich sie nicht ein, ist Misserfolg vorprogrammiert.
Halte ich die Regeln ein, gibt es zwei Möglichkeiten: Sie sagen mir zu oder sie sagen mir nicht zu. Im zweiten Fall braucht es den bewussten Entschluss, sie dennoch zu akzeptieren.
Halte ich sie nicht ein, kann ich das ebenfalls bewusst oder unbewusst tun. In beiden Fällen führt das zu Misserfolg, aber zusätzlich werde ich mich als Opfer fühlen, wenn ich glaube, eine gute Mitarbeiterin zu sein, in Wirklichkeit aber voller Widerstand bin und ständig kaschiere. Das kann zusätzlich krank machen. Die Lösung liegt nicht im Problem, sondern in meiner Bewusstheit.

Übung: Gefühlsbetrachtung
Halten Sie beim Lesen der Diensteinteilung kurz inne, achten Sie auf das Gefühl in Ihrem Körper und Ihrem Geist und beschreiben Sie es. Ist es unangenehm, angenehm oder neutral?
Versuchen Sie zu erkennen, ob Sie auf die Diensteinteilung reagieren oder auf das entstandene Gefühl.


Missgunst
„Meine Freundin hat schon wieder die schöneren Klamotten an und obendrein den besseren Mann.“
Wie schön, dass es der Freundin gut geht! Sollten Sie nicht versuchen, es ihr gleichzutun?

Übung: Innehalten
Wenn Sie Ihrer Freundin begegnen und diese ein schönes Kleid trägt, versuchen Sie, bei sich zu bleiben. Nehmen Sie vier bewusste Atemzüge und betrachten Sie noch einmal das Kleid. Fragen Sie sich, ob es Ihnen etwas ausmacht, dass Ihre Freundin Ihre Übung bemerkt, oder ob Sie diese lieber heimlich machen sollen. Auch das ist möglich. Und beides hat Bedeutung für Sie.


Eifersucht
„Schon wieder musste ich meinen/meine Partner/in beim Flirten mit einer/m anderen beobachten. Und wieder habe ich mich furchtbar geärgert und bin sauer!“
Woher rührt Ihr Mangel an Selbstbewusstsein?

Übung: Sich im Spiegel betrachten
Stellen Sie sich gelegentlich vor einen Spiegel, am besten allein und nackt. Mustern Sie Ihren Körper – Ihre Stirn, Ihre Ohren, Ihre Augen, Ihr Gesicht, den ganzen Körper bis hinunter zu den Füßen. Wie finden Sie sich? Was gefällt Ihnen und was nicht? Was sollte anders sein und warum? Versuchen Sie, sich lediglich wahrzunehmen, ohne sich dabei zu bewerten, also weder zu erhöhen noch herabzumindern.


Angst
„Meine 14-jährige Tochter ist am Wochenende abends weggegangen und nicht nach Hause gekommen. Ich habe große Mühe, nicht die Beherrschung zu verlieren.“
Angst zu haben und die Beherrschung zu verlieren ist nie gut. Aber natürlich handelt es sich um einen Ausnahmefall. Wäre die Tochter 18 Jahre alt, ginge Sie das überhaupt nichts mehr an, denn Erwachsene sind für sich selbst verantwortlich. Doch mit 14 ist das noch anders. Trotzdem müssen Sie die Angst überwinden. Erkennen Sie, was dahintersteckt. Auch die Tatsache, dass Sie nun beide sehr bald in eine neue Lebensphase eintreten werden, in jene, in der die Tochter selbst die Verantwortung für ihr Leben übernehmen muss, auch wenn es schiefgeht. Halten Sie inne. Betrachten Sie Ihre Angst und Ihr Unbehagen, bis sie vergangen sind, und sprechen Sie erst dann mit Ihrer Tochter. Fragen Sie Ihre Tochter nach ihren Bedürfnissen und Erwartungen. Versuchen Sie, sie zu verstehen und in einem neuen Licht zu sehen. Sie wird bald erwachsen sein.

Übung: Die Angst betrachten
Wenn Sie Angst verspüren, legen Sie sich auf das Bett, schließen Sie die Augen und spüren Sie die Unterlage, auf der Sie liegen.
Können Sie sich entspannen? Spüren Sie sich liegen? Wollen Sie aufstehen und der Situation entfliehen?
Sagen Sie sich folgende Sätze vor:
„Die Angst kommt nur aus mir.“
„Die Angst kommt nicht von außen.“
„Ich akzeptiere meine Angst.“
Wenn es Ihnen gelingt, das Positive an der Angst zu erkennen, können Sie auch sagen: „Ich liebe meine Angst.“


Nervosität
„Ich habe einen Abgabetermin für eine Präsentation und finde keine Ruhe, um mich zu konzentrieren. Ich darf bloß nicht die Nerven verlieren.“
Die meisten Menschen sind Wiederholungstäter – Sie offensichtlich auch. Haben Sie früh genug mit den Vorbereitungen begonnen? Haben Sie sich gut genug vorbereitet? Wenn ja, besteht kein Grund zur Aufregung. Wenn Sie doch aufgeregt sind, könnte es nicht schaden, etwas tiefer zu blicken. Woher kommt das Gefühl der Überforderung? Wiederholen Sie ein Muster aus Ihrer Jugendzeit? Ist dessen Anwendung noch immer angebracht? Halten Sie inne und schauen Sie wertfrei auf die Situation. Atmen Sie tief durch. Wenn Sie gut vorbereitet sind, steigen Sie aus der Situation aus und wenden Sie sich anderen Dingen zu. Sind Sie nicht gut genug vorbereitet, gehen Sie mehr in die Tiefe des Themas. Bleibt Ihnen dazu keine Zeit, sollten Sie nächstes Mal früher beginnen und emsiger arbeiten. Erfolg hat immer auch mit Fleiß und Einsatz zu tun.

Übung: Zur Ruhe kommen und achtsam sein
Wo immer Sie stehen oder gehen, halten Sie kurz inne und nehmen Sie einige bewusste Atemzüge. Machen Sie sich dabei bewusst, ob Sie stehen, gehen, sitzen oder liegen. Benennen Sie das eigene Gefühl. Ist es angenehm, unangenehm oder neutral?
Widmen Sie sich wieder dem normalen Arbeitsablauf und wiederholen Sie die Übung zwei- bis dreimal täglich.


Missachtung
„Er ist schon wieder zu spät! Jedes Mal muss ich auf ihn warten und kann meinerseits Verabredungen nicht pünktlich einhalten, weil er nicht rechtzeitig fertig wird. Ich finde sein Verhalten extrem respektlos und stehe dem Phänomen ohnmächtig und wütend gegenüber.“
Hier handelt es sich um zwei getrennte Faktoren: um sein Fehlverhalten und Ihren Ärger. Was haben die beiden miteinander zu tun? Was bedingt den Ärger? In der richtigen Fragestellung liegt die Antwort.

Übung: Untersuchung
Setzen Sie sich hin und überlegen Sie kurz, wann und wo Sie sich ärgern. Verspüren Sie häufig Ärger? Wie sehr leiden Sie unter Ihrem Ärger? Wie lange und oft ärgern Sie sich? Wer hat sich früher immer geärgert? Ihr Vater, Ihre Mutter oder beide? Können Sie sich ein Leben ohne Ärger vorstellen? Woher kommt Ihr Ärger? Aus dem respektlosen Verhalten Ihres Partners oder aus Ihnen selbst?


Nicht ernst genommen werden
„Ich habe meine Frau schon Hunderte Male gebeten, nicht so viel Geld auszugeben. Immer wieder ärgert mich ihre Verschwendungssucht.“
In diesem Fall sollten Sie sich die Frage stellen, ob Ihre Worte tatsächlich nicht ernst genommen werden, ob Sie Macht über Ihre Frau ausüben wollen oder ob Sie einfach nur geizig oder kleinlich sind. Schließlich tragen Sie die Verantwortung für das, was Sie getan haben. Sie haben diese Frau geheiratet und nun ist sie Ihre Frau. Hat sie sich im Laufe der Ehe verändert und wenn ja, warum? Oder ist sie schon immer so gewesen? Hat ihr Verhalten mit Ihnen selbst zu tun? Kommt sie bei Ihnen zu kurz – in welcher Art auch immer? Eine Beziehung besteht aus Geben und Nehmen. Wenn man sich die richtigen Fragen stellt, findet man oft die Antwort zur Lösung des Problems.

Übung: Großzügigkeit
Versuchen Sie, zum Beispiel eine Woche lang, jedem Bettler, dem Sie begegnen, Geld zu geben. Wie viel Geld geben Sie? Was denken Sie dabei? Wie fühlen Sie sich? Geben Sie gern oder ungern? All das sagt etwas über Sie aus. Und: Was denken Sie ganz allgemein über Bettler?


Belogen werden
„Meine Freundin erzählt schon wieder eine Geschichte, die nicht wahr sein kann. Ich fühle mich belogen und betrogen.“
Jede Lüge ist ein Selbstbetrug. Lügt nur Ihre Freundin oder lügen auch Sie? Warum hat Ihre Freundin es nötig, Sie zu belügen? Wie würden Sie auf die Wahrheit reagieren? Es ist der bewusste Umgang mit den anstehenden Themen, der eine Beziehung lebendig und interessant macht. Was bedeutet diese Beziehung daher für Sie? Treffen sich hier zwei reife Menschen oder lediglich zwei, die sich ständig gegenseitig etwas vormachen? Woher kommt der Machtanspruch, dass Ihre Freundin nicht sagen darf, was sie sagen möchte? Sprechen Sie diese darauf an? Was antwortet sie? Haben Sie auch schon daran gedacht, die Freundschaft zu beenden?

Übung: Dankbarkeit entwickeln
Versuchen Sie zu erkennen, wie schön es ist, in lebendigen Beziehungen zu leben, und wie einsam Menschen sind, die keine oder nur wenige Beziehungen haben.


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