Leben

Wir können religiös sein, ohne spirituell zu sein. Wir können spirituell sein, ohne religiös zu sein. Und können wir auch beides zugleich sein? Religion oder spiritueller Weg.

Wenn die materielle Welt uns an unsere Grenzen bringt, bieten Spiritualität und Religion uns geistige Räume, die wir aufsuchen können, wenn wir nicht mehr weiterwissen. Religionen und spirituelle Traditionen verwalten den Schatz uralter Weisheit und mystischen Bewusstseins. Anweisungen für einen geistigen Weg haben sich in Jahrtausenden in verschiedenen Religionen und spirituellen Traditionen komprimiert und dieses Wissen wird von den heutzutage lebenden Vertretern dieser Traditionen ständig erneuert.
Ob wir uns einer Religion oder einer spirituellen Praxis zuwenden, hängt ganz von unseren individuellen Bedürfnissen ab. Letztlich enthalten Religion und spirituelle Praxis die gleichen vier Kernelemente: Glauben, ethisches Bewusstsein, Ritual und Hingabe. Zur Religion gehört die Gemeinde, während die Spiritualität mehr vom Individuum bestimmt wird. Die einen praktizieren gemeinsames Singen und Beten. Den anderen entspricht es, für sich allein vor dem Hausaltar eine Kerze anzuzünden und still zu meditieren. Religion ist straffer organisiert, während Spiritualität von der freien Wahl lebt. Bei genauerem Hinschauen unterscheiden sich spirituelle und religiöse Wege hauptsächlich in der Betonung von Abgrenzung und Anpassung, Form und Hingabe, denn auf beiden Wegen glauben die Suchenden an etwas, das nicht bewiesen werden kann, wie etwa, dass wir alle erleuchtete Weisheit in uns tragen und vom Kern her gut sind oder dass es immer mehr Dimensionen gibt als die, die wir gerade erkennen können.

Religion oder spiritueller WegSpirituelle Wege setzen sich im Laufe des Lebens oft aus ganz unterschiedlichen Phasen zusammen. Da beginnt jemand als begeisterter Messdiener oder christlicher Pfadfinder, erhält mit zwanzig Jahren ein Mantra, um ein Jahrzehnt in der Tradition von Maharishi Mahesh Yogi zu meditieren, und wendet sich danach einer buddhistischen Achtsamkeitspraxis zu. Heutzutage stehen uns alle Wege offen! Und auf allen Wegen steht ethisches und mitfühlendes Handeln im Mittelpunkt.
Durch die Art, wie wir leben, vermitteln wir unsere religiöse Zugehörigkeit ebenso wie unser spirituelles Verständnis. Mit wachsender Reife kommt ein Sinn für die Kostbarkeit des Erdenlebens. Mehr und mehr erkennen wir, wie alles Lebendige miteinander in Verbindung steht. Man begreift, dass das Universelle und das Persönliche einander durchdringen, dass die universellen spirituellen Gesetze ihre Realisierung erfahren in den persönlichen Umständen. Unsere Arbeit, unser Liebesleben, unsere Familie, unsere Kreativität – alles wird davon durchdrungen. Ganz gleich, ob wir einen spirituellen Weg wählen oder einer Religion angehören – unsere innere Haltung kommt in unseren Worten und Taten zum Ausdruck, die nicht ausgrenzen und verurteilen, sondern integrieren und würdigen und einen Beitrag leisten, um das Leid in der Welt zu mindern.

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