Gesellschaft

Über Achtsamkeit im Alltag reden: Die Denkwerkstatt. Globart lud zum Mindfulness-Forum ins Kloster Melk, Richard Davidson war Stargast auf der Veranstaltung – ein Stimmungsbericht. Gegen die Sorgen.

Ein prachtvoller Saal: Goldstuck an den Wänden, Licht fällt durch die Fenster. Klöster sind schöne Orte. Hier in Melk sitzen Menschen mit geschlossenen Augen in der Stille. Alle sind versunken, nur ab und zu knarrt ein Stuhl. Auf einem Podest mitten unter den Zuhörern sitzt ein Mann mit grau melierten Haaren, auch er hat die Augen geschlossen. Es ist der amerikanische Neurowissenschaftler Richard Davidson. Alle im Raum wollten mit ihm eine Meditation erleben.
‚Leading Mindfully In Education For A Kinder World‘ ist der Titel der Veranstaltung in Melk, zu der Davidson angereist war. Es kamen Schüler und deren Eltern, es kamen Lehrer, Menschen, die an Achtsamkeit und Bildung interessiert waren. Wer sich Zeit für die GLOBART nahm, konnte spannende Diskussionen erleben.
„Wo befindet sich der Geist?“, war eine Frage, die Richard Davidson in den Raum stellte. Er lud das Publikum zum Dialog ein. Und viele meldeten sich. „Der Geist ist die Fülle meiner Emotionen und diese befinden sich in meinem Bauch“, sagte einer. „Ich kann die Auswirkungen meines Geistes spüren, aber wo dieser ist, weiß ich nicht“, ein anderer. Davidson ließ sich auf einen regen Austausch ein. Schnell hatte sich eine rege Diskussion entwickelt. Man diskutierte, gestikulierte, nahm aufeinander Bezug.

Gegen die SorgenDoch Richard Davidson ging es auch darum, zu erklären, was im Gehirn von Menschen passiert. „Was ist der Unterschied zwischen Mensch und Tier?“, fragte er und beantwortete die Frage nach einigem Input aus dem Publikum dann auch gleich selbst. Der Mensch, sagte er, könne als einziges Lebewesen seine Gedanken in die Zukunft und die Vergangenheit richten, während Tiere nahezu ausschließlich im Hier und Jetzt leben. Der Vorteil eines stark ausgebildeten präfrontalen Kortex, so wie ihn nur der Mensch hat, birgt aber auch Nachteile, so Davidson. Dieser Nachteil heißt: Angst. In einer milden Form nennt man es Sorge. Viele Menschen tendieren dazu, sich Sorgen zu machen. Morgen könnte schließlich alles Mögliche passieren.
Meditation holt den Menschen ins Hier und Jetzt. Davidson demonstrierte, wie gut das tun kann. Etwa am Beispiel der Mitgefühlsmeditation. „Kinder kommen auf die Welt und sind gut, voll Mitgefühl und Wohlwollen. Doch dieser Zustand muss genährt werden, sonst verlieren viele im Laufe der Zeit den Kontakt dazu. In der Meditation können wir zu diesem Zustand zurückfinden.“ Diese Worte taten dem Publikum gut. Davidson rief die Zuhörer dazu auf, sich aufrecht auf ihre Stühle zu setzen und die Augen zu schließen: „Alle Menschen auf dieser Welt sind gleich, alle teilen den Wunsch, glücklich und frei von Leid zu sein. Nehmen Sie einen Menschen in Ihr Herz oder in Ihre Gedanken, einen Freund, die Eltern, Kinder oder einen Bekannten – visualisieren Sie diese Person. Denken Sie daran, dass diese Person glücklich sein will. Verwenden Sie dazu eine simple Phrase: Mögest du glücklich sein, mögest du frei sein von Leiden und den Ursachen des Leidens.“
Nach einigen Minuten Stille sprach Davidson dann weiter: „Niemand kennt jeden hier, aber denken Sie an alle Personen, holen Sie sie in Ihre Gedanken und in Ihr Herz und wiederholen Sie die Phrase für alle, die hier im Saal sitzen.“ Stille im Raum, nur ein paar Stühle knarren.

Gegen die Sorgen

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Foto © Chris Zvitkovits

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