Gesellschaft

Gleichberechtigung als Ziel: Wie das Karriere-Netzwerk Sorority Frauen fördert.

Wir sind eine Gruppe von Frauen, die sich zusammengetan haben, um eine Lobby zu gründen. Männer sind in Österreich gut vernetzt. Es gibt viele Männerbünde, in denen die Mitglieder sich bei ihren Karrieren gegenseitig unterstützen, sich Jobs vermitteln. Frauen hingegen kämpfen nicht nur um Gleichstellung, sondern sie sind oft auch weniger gut vernetzt. Deshalb wurde die ‚Sorority‘ gegründet. Sorority kommt aus dem Englischen und bedeutet Schwesternschaft, aber auch Solidarität. Wir sind eine feministische Plattform, auf der sich Frauen in beruflichen Angelegenheiten vernetzen können.
Denn – und das war eigentlich der Beginn – wir hatten alle mehr oder weniger schlechte Erfahrungen gemacht. Komplette Gleichstellung zwischen Frauen und Männern? Das gibt es leider nicht. Darüber diskutierten wir, tauschten unsere Erfahrungen aus. Aus diesem Netzwerk hat sich dann ein professionell geführter Verein entwickelt, der immer weiterwächst.
Unser Ziel: Frauen die Möglichkeit zum Austausch zu geben und sich gegenseitig zu helfen. Alleine ist man manchmal etwas verloren, egal, ob im beruflichen oder im privaten Bereich. Gemeinsam sind wir einfach stärker. Wir wollen eine Kultur des Zusammenhalts unter Frauen etablieren und damit unsere Position in der Gesellschaft stärken. Wir haben schnell festgestellt, dass dieses Zusammenhalten zu einem selbstbestimmteren, mutigeren Auftreten und Handeln führt.

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Die meisten unserer rund 520 Mitglieder sind zwischen 25 und 45 Jahren. Jede von uns hat ihre eigene Definition von Feminismus. Für manche ist es die Möglichkeit, Karriere zu machen und viel Geld verdienen zu können, anderen geht es vielleicht um ihre künstlerische Freiheit. Wir sind für alle Auffassungen offen, denn es geht uns grundsätzlich um Selbstbestimmung.
Wir treffen uns einmal im Monat im dritten Bezirk in Wien zur Mitgliederversammlung. Dabei können auch Frauen, die nicht Mitglied sind, teilnehmen. Frausein, das zählt. Wie so ein Abend abläuft: Wir stellen uns vor, reden über konkrete berufliche Fragen, schauen, wie wir einander helfen können. Dabei wurden auch schon oft Jobs vermittelt, Mitarbeiterinnen gefunden und Aufträge lukriert. Zusätzlich sind wir auf Social Media vernetzt, organisieren Veranstaltungen und Workshops zu Themen wie Gehaltsverhandlungen, Auftreten oder Leadership.
Die aktuelle #MeToo-Debatte hat viele Diskussionen ausgelöst, privat und öffentlich – das finden wir gut und wichtig. Wir hatten schon davor begonnen, unsere Veranstaltungsreihe ‚No more Bullshit‘ zu entwickeln. Es geht uns dabei darum, mit Vorurteilen und Klischees aufzuräumen, etwa, ‚dass es schlecht ist, wenn Mütter arbeiten‘, oder dass ‚Frauen nicht in Führungspositionen gehören‘. Zu diesen Veranstaltungen sind auch Männer herzlich eingeladen – letztendlich schaden solche sexistischen Vorurteile nämlich uns allen, denn auch viele Männer haben genug davon, altmodischen Rollenerwartungen entsprechen zu müssen. Dass bei Sorority nur Frauen Mitglied werden können, war eine bewusste Entscheidung, denn wir wollen einen sicheren Ort zum Austausch bieten. Schön wäre es, wenn wir Frauen eines Tages einfach nicht mehr so viel Energie aufbringen müssten, um als Frau bestimmte Positionen erreichen zu können.

Maria Schreiber, Sorority 

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