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Auf die Frage „Wie geht's euch denn?" antworten fast alle TeilnehmerInnen unserer Ayurveda-Tage und Panchakarmas mit einem tiefen Seufzer: „Stress!"

Bei näherer Betrachtung fühlen sich die einen gestresst, weil sie zu viel zu tun haben, die anderen, weil sie zu wenig zu tun haben, die einen, weil sie Kinder, Männer, Katzen und Hunde haben, die anderen, weil sie nichts von all dem haben. Wieder andere fürchten sich vor Arbeitslosigkeit, der Pension oder der Wirtschaftskrise. Die Jungen haben Stress mit dem Jungsein und es ruft sogar Stress hervor, an das scheußliche Alter von 30 zu denken. Die Älteren sind nun endlich in der stressfreien Zone, sollte man meinen, aber siehe da, auch da hört der Stress nicht auf, nein, im Gegenteil, er geht munter weiter.

Die Wurzeln von Ayurveda, der Wissenschaft vom guten, langen Leben, liegen wohl in einer stressfreieren Zeit und Lebensweise. Im Ayurveda wird von Balance gesprochen, davon, dass sich der Mensch zwar in ständiger Dynamik befindet und ununterbrochen darum bemüht sein muss, sein persönliches Gleichgewicht zu finden, zu halten oder wiederherzustellen, aber gleichzeitig ist auch die Rede davon, dass es dafür Unterstützung und Regeln gibt. Vielleicht hilft uns die Vorstellung, dass wir wie auf einem Hochseil über den Marktplatz unseres Lebens balancieren, denn unser Körper und unser Geist sind ununterbrochen mit Balance beschäftigt. Normalerweise schaffen wir das, denn unser Selbstregulationssystem arbeitet so kompliziert und perfekt. Wenn wir aber unaufmerksam werden und das Ungleichgewicht zu groß wird, kippen wir – unsere Selbstregulation kommt nicht mehr mit. Das ist Stress. Wenn es nicht mehr gelingt, unsere Entspannung und unseren Ausgleich zum Ausgangspunkt der Anspannung zurückzubringen, steigt die Stresskurve stetig an und unser System wird krank. Das heißt, wir können uns anstrengen, wie wir wollen, solange wir danach in der Weise entspannen, dass wir wieder bei null landen, ist alles in Ordnung.

Ayurveda hat schon einige Jahrtausende auf dem Buckel. Man sagt, er sei so alt wie die Menschheit selbst. Ayurveda kennt sich also aus mit dem guten Altwerden, er ist die Anti-Stresslehre par excellence. Warum sollten wir also nicht die überlieferten, bewährten Regeln nutzen? Regel-mäßig-keit lautet die Devise. Das Maß ist die Regel: das richtige Maß in der Ernährung (eine! Handvoll feste Nahrung, die zweite Hand zur Hälfte Flüssigkeit, das letzte Viertel bleibt leer!), die richtigen Lebensmittel, die richtige Entgiftung (Panchakarmas, Entgiftungstage), die richtige Entspannung, eine erfüllende, sinnvolle Arbeit. Wir wissen, wie viel Stress Babys empfinden, die nicht berührt werden. Das kann so weit gehen, dass sie sterben. Wie viel Un-Berührung muten wir unserem Körpergeistwesen zu? Wie viel Stress? Gute Berührungen, gute Massagen sind Lebens-Mittel!

Warum glauben wir eigentlich, dass wir ein erfülltes Leben führen, nur weil unser Kalender voller Termine ist, weil unsere Tage und Nächte bestückt sind mit allem Möglichen und unser Körper zu viel von zu Schlechtem erhält? Nein, das ist nicht erfüllt, sondern lediglich krank machender Stress. Stille im Geist und Leere im Körper schaffen dagegen Platz für die Entwicklung des eigenen Seins.

Ayurveda zeigt uns zu diesem Zweck viele gut begehbare Wege.

 

 

Kommentare   

# Michaela Ayur 2016-03-21 13:38
Lesenswerter‬ Artikel über den Ansatz des Ayurveda
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