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Dass die wirtschaftliche, ökologische, demokratische und soziale Krise eine umfassende Systemkrise zur Basis hat, ist klar. Dieser Systemkrise liegt ein überholtes Menschen- und Weltbild zugrunde.

Denn: In einer globalisierten Welt können wir deren Probleme nicht mit Grenzziehungen lösen – weder mit Grenzen auf der Landkarte noch mit Grenzen im Denken. Ein globales System braucht ein wirklich globales Denken, also ein Denken in Zusammenhängen und im Wissen um unsere wechselseitige Abhängigkeit, ein Denken in Verbundenheit.


Wechselseitige Abhängigkeit
Wir hängen in unserem Überleben von anderen Menschen, von Tieren und Pflanzen ab. So banal es klingt, aber manchmal scheinen wir es zu vergessen: Die Natur ist unsere Lebensgrundlage. Ohne sie haben wir nichts zu essen, nichts zu trinken, nichts anzuziehen, kein Dach über dem Kopf und keinen Ort, an dem wir leben und uns verwirklichen können. Wir sind also zutiefst abhängige Wesen – auch wenn uns unser technologischer Fortschritt manchmal vorgaukelt, wir wären über die Natur hinausgewachsen.

Verbundenheit
Thích Nhất Hạnh, ein vietnamesischer Buddhist, der sich auch politisch engagiert, nennt diese wechselseitige Abhängigkeit, das Denken in Verbundenheit, „Intersein“. „Intersein“ heißt, sich des wechselseitigen Eingebundenseins aller Dinge in ein komplexes Netzwerk an Beziehungen bewusst zu sein. Alles ist voneinander abhängig oder, wie es im Buddhismus heißt, unterliegt vielfachen Bedingtheiten. Ich nenne diese Weltsicht Denken in Verbundenheit.


Der Neoliberalismus funktioniert nur für wenige.
Wenn wir Verbundenheit und wechselseitige Abhängigkeit ins Zentrum unseres gesellschaftlichen Denkens und Handelns stellen, wird klar, dass der globale Neoliberalismus nicht funktioniert, weil er nur für wenige funktioniert. Frage einmal, ob die indigene Bevölkerung Brasiliens, die vom Landraub transnationaler Konzerne betroffen ist, findet, dass der Neoliberalismus funktioniert. Oder frag die Arbeiterinnen der Sweatshops in Südostasien und Lateinamerika, die für einen Hungerlohn fast all unsere Konsumgüter herstellen und unter miserablen Bedingungen arbeiten. Oder frag Menschen, die aus Krieg, Not, Elend und Hoffnungslosigkeit nach Europa oder in die USA flüchten mussten. Oder frag Tiere in Schlachthöfen, die unseren Fleischkonsum decken sollen, was sie vom Wirtschaftswachstum als obersten Prinzip einer globalisierten Weltgesellschaft halten.

Kommentare  
# Plester 2019-11-04 19:38
Wir müssen entdlich lernen, dass Liebe wichtiger ist als Geld!
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