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Zeit meines Lebens habe ich mich als einigermaßen konstanten Menschen empfunden. Doch je mehr ich auf meinen Körper achten muss, umso mehr zweifle ich daran – und tue mich schwer, die Veränderung zu akzeptieren.


Unter einigen meiner Freundinnen gibt es eine Redewendung, wenn es um mich und meine Verlässlichkeit geht: „Sie kommt, ausgenommen Tod oder Meteoriteneinschlag.“ Ich fand und finde es eben wichtig, dass es Menschen gibt, auf die man zählen kann. So jemand wollte ich immer sein – gibt eh zu wenig Stabilität in dieser Welt. Und auch wenn ich wiederholt die Erfahrung gemacht habe, dass Veränderung stets eine zum Besseren ist, bin ich selbst in diesem Punkt für Entschleunigung – muss sich ja nicht alles gleichzeitig ändern, oder?
Doch meistens wird in Phasen wie diesen darauf wenig Rücksicht genommen. Schon seit Monaten denke und spreche ich über den Wandel, konnte ihn nie greifen und war gespannt, wann er sich denn offenbaren würde. Und vor allem wie, damit ich ihn auch tatsächlich erkenne. Sollten Sie ähnliche Gedanken haben – glauben Sie mir, Sie werden ihn erkennen, denn er legt sich lang und breit auf Ihren Fußabstreifer, an dem Sie einfach nicht vorbeikommen.
Wie so häufig spricht derzeit mein Körper ein ernstes Wort mit mir. Und während ich versuche, eine Salzlösung zwischen meinen Nasenlöchern hin und her zu schicken, mein Halschakra mit 741 Hertz-Musik beschalle und mir eine verkühlungsvertreibende Diät verordnet habe, kommen unweigerlich Gedanken darüber zutage, was denn jetzt wieder falsch gelaufen sein könnte. Ich war doch so zufrieden, ja fast glücklich. Wobei mir Zufriedenheit inzwischen lieber ist, aber das ist eine andere Geschichte.
Ich habe meinen Terminkalender so blockiert, dass ich an drei Abenden in der Woche zu Hause bin. Darauf war ich ziemlich stolz, denn für jemanden, der glaubt, dass alles in sein Leben gehört, was das Leben schickt, ist das ein Riesending. Allerdings hat das dazu geführt, dass ich die Abendtermine jetzt untertags unterbringen möchte, soweit das möglich ist. Denn vollumfänglich „NEIN“ zu sagen, ist angesichts meiner wunderbaren Freundesschar unendlich schwer. Doch wozu führt das? Dass zwar meine Abende ruhiger werden, dafür die Tage aus allen Nähten platzen. Und wenn da jetzt ein, zwei neue Menschen dazukommen, die auch Zeit beanspruchen, dann wird es wirklich eng. Jetzt könnten Sie zu Recht sagen: „Dann lass die halt erst gar nicht rein.“ Stimmt. Und glauben Sie mir, ich habe mir das alles wahrlich nicht ausgesucht. Wie gesagt: Ich hatte das Gefühl, vollkommen in meiner Mitte zu sein.

Wandel der Zeit
Jetzt stehe ich vor der Frage, was mir lieb und teuer ist. Aktuell selbstverständlich das Bestreben nach einer freien Nase und einem schmerzlosen Hals. Und dass die Katze nicht jedes Mal zusammenzuckt, wenn ich huste. Dazu brauche ich Zeit für mich selbst, was mir zugegebenermaßen schwerfällt, weil ich darin keine Vorbilder habe. Das Einzige, was mir dazu einfällt, ist meine Großmutter, die sich jeden Tag nach dem Frühstück ihre Füße mit einer Creme eingerieben hat. Das wars in Sachen Selfcaring-Vorbild. Gesundheitliche Malaisen wurden mit schulmedizinischen Mitteln niedergeprügelt, damit man schnell wieder funktionieren konnte. Und das mag in vielen Fällen durchaus seine Richtigkeit gehabt haben. Doch jetzt denke ich mir: Es muss doch etwas dahinterstecken. Mir fällt eine Freundin ein, die einmal sagte: „Ich habe genug von der Selbsterforschung.“ Ja, man kann es übertreiben und in die Egozentrik rutschen – geschenkt. Doch in Zeiten des Wandels will ich trotzdem für mich den richtigen Weg finden.
Lieb und teuer ist mir allerdings auch meine Verlässlichkeit – mir selbst und anderen gegenüber. Ich suche seit Monaten nach einer Routine für meinen Alltag, die ich selbst immer wieder sabotiere. Dass ich jetzt krank bin, werte ich als Resultat daraus. Warum ich das sabotiere? Gute Frage. Wahrscheinlich deshalb, weil ich der Meinung bin, dass man dem Leben nicht mehr Tage hinzufügen sollte, sondern den Tagen mehr Leben. Und meißelt man diese Tage in Stein, hat das Leben eben wenig Platz. Die Kunst bestünde nun darin, Lücken zum Durchatmen zu lassen. Eine andere Freundin von mir fürchtet sich gerade ein bisschen vor den künftigen Lücken, die eine zu Ende gehende Beziehung hinterlässt. Als ich ihr sagte, dass sie gar nicht so schnell schauen könnte, wie die sich füllen würden, bedankte sie sich. Das gab ihr Hoffnung. Mich erinnerte es daran, dass mir genau nach dieser Erfahrung die eine oder andere Lücke guttäte. Doch nach diesem Gesetz würde sich die Katze in den Schwanz beißen: Lücke → Lücke geschlossen, Lücke neu eröffnet → Lücke geschlossen! Das kann also nicht die Wahrheit sein, geschweige denn ein Instrument für meinen Umgang mit dem Wandel.
Ich stelle fest, dass ich (noch) zu wenige Instrumente für diese Veränderungen habe, dass ich mich schwer tue, von bekannten Verhaltensweisen abzurücken, Glaubenssätze loszulassen. Dass ich es aber andererseits auch nicht schaffen werde, neue Gegebenheiten mit den rostigen Werkzeugen der Vergangenheit zu meistern. Also werde ich wohl noch ein bisschen Zeit mit mir selbst verbringen müssen, um die Dinge um mich herum sortieren zu können. Um herauszufinden, wie ich mit den Themen umgehe, die von außen an mich herangetragen werden und die in meinem Inneren aufploppen. Klarheit zwischen Nasendusche, feuchten Taschentüchern und verschwollenen Augen zu finden, ist eine Herausforderung. Aber keine unannehmbare. Drücken Sie mir die Daumen und bleiben Sie dem Wandel gewogen.

Kommentare  
# Ludwig 2019-10-18 12:42
Wie hat sich dieser Wandel denn bis jetzt entwickelt? :)
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