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Selbstvertrauen = dem Selbst vertrauen. Durch Achtsamkeit habe ich zum Thema Selbstvertrauen einen neuen Zugang gefunden. Was bedeutet es, mir selbst zu vertrauen, und was passiert, wenn ich das mache?

Mit dem Kopf identifiziert
In der Regel identifizieren wir uns in unserer Kultur sehr mit dem Kopf. Mit dem, was wir denken. Immer dann, wenn wir gestresst sind, stehen wir mit unseren Gefühlen in Konflikt und spüren unseren Körper nicht mehr und ignorieren, wie es ihm geht.

Oft läuft der Kopf dann heiß und gerät in ewige Grübelschleifen. Denn er versucht, Probleme allein mit dem Verstand zu lösen. Versuchtder Kopf, sich allein in komplexe Probleme zu vertiefen, entsteht schnell Überforderung.

Körper, Gefühle und Gedanken sind unsere wichtigen Wahrnehmungssysteme. Jedes dieser Systeme kann etwas, was das andere nicht kann.

Für ein stabiles inneres Gleichgewicht sind wir darauf angewiesen, dass wir allen drei Wahrnehmungssystemen gegenüber die gleiche Achtung haben. Achtung heißt nichts anderes, als dass ich jedes Gefühl und jedes Körpergefühl genauso ernst nehme wie meine Gedanken. Egal, welches Gefühl es ist, und egal, was der Körper sagt. Sie gehören zu mir, und was sie zu sagen haben, ist wichtig.

Kommen wir in dieses Gleichgewicht, spüren wir uns wieder und sind mit unserem ganzen Selbst verbunden. Körper, Gefühle und Verstand – alle drei sehen einen anderen Ausschnitt des Geschehens.

Diese Ganzheit nenne ich das Selbst.

Dem Selbst vertrauen
Wenn ich durch Übung in der Achtsamkeit in die Balance zwischen Körper, Gefühlen und Verstand komme, komme ich in Kontakt mit meiner Intuition.

Intuition ist für mich die Stimme des Selbst. Intuition ist das, was entsteht, wenn sich die drei Wahrnehmungssysteme untereinander abgleichen können und ein gemeinsames Ergebnis auswerfen.

Das Selbst ist in meiner Erfahrung komplett selbst ordnend und selbst heilend. Das Einzige, was es braucht, um seine Arbeit zu machen, ist, dass wir ihm vertrauen. Das heißt, den bewussten Entschluss, dem Selbst die Lösung zu überlassen.

Mit der Frage bleiben
In der Achtsamkeit nennt man diese Haltung auch „mit der Frage bleiben“. Im Wissen, dass man mit dem Verstand allein nur begrenzt auf Lösungen kommt, bleibt man mit der Frage, statt aktiv nach einer Antwort zu suchen.

Dieser Unterschied scheint subtil zu sein. Doch in der Wirkung ist er sehr groß. Ich bleibe mit der Frage in dem Vertrauen, dass mein Selbst die richtige Antwort finden wird. Dieses Vertrauen ist für mich heute Selbstvertrauen.

Wenn ich lange genug mit der Frage geblieben bin, überlasse ich eine Zeit lang dem Selbst die Arbeit des Ordnens und Verbindens. Das heißt, ich beteilige mich nicht mehr daran.

Anders gesagt, ich mache Pause, lege mich unter einen Baum und schaue in den Himmel, oder ich gehe wandern, meditiere, mache Yoga, gehe schwimmen und höre auf, mich bewusst mit der Frage zu beschäftigen.

Pause …

In der Pause entsteht die Antwort.

In der Stille passiert die Arbeit
Während äußerlich nichts passiert, arbeitet es in mir auf Hochtouren. Gefühl, Verstand und Körper können sehr komplexe Zusammenhänge in Abgleich damit bringen, was für mich persönlich möglich und das Beste ist.

Wenn ich den Mut habe, diese Pause zu machen, tauchen wie aus dem Nichts auf einmal Antworten auf. Es wird mir etwas klar. Etwas, was vor Kurzem noch unlösbar schien, scheint auf einmal ganz einfach zu sein und auf der Hand zu liegen. Die Lösung taucht in mir auf.

Wenn ich den Mut habe, meinem Selbst zu vertrauen, und die Geduld habe, zu warten, welche Antwort in mir auftaucht.

Es gibt ein Lieblingszitat von mir von Albert Einstein, das ich schon öfter auf dieser Homepage zitiert habe:

 

Ich denke 99-mal über etwas nach
und finde nichts.
Ich höre auf zu denken,
schwimme in Stille,
und die Wahrheit kommt zu mir.

 

Die Stille
Wenn wir während der Meditation in die Stille gehen, dann sind wir aktiv. Aber nicht aktiv, darin etwas zu tun. Sondern aktiv darin, nichts zu tun.

Wenn unsere Gedanken, Gefühle und unser Körper zur Ruhe kommen, können wir in die Stille hinein hören und uns ohne Erwartung dem aussetzen, was kommt.

Nehmen wir uns die Zeit, der Stille zu lauschen, dann finden wir in der Stille Antworten, die tiefer gehen als das, was unsere Gedanken uns präsentieren. In der Intuition vereint sich die Weisheit des gesamten Selbst aus Körper, Verstand und Gefühlen.

Ein schönes Zitat des persischen Sufi-Mystikers Rumi in diesem Zusammenhang: „Je stiller du wirst, desto mehr kannst du hören.“

Intuition
Intuition kann man nicht erzeugen. Man kann sie nicht willentlich herbeiholen. Man kann nur den Boden bereiten, indem man dem Selbst vertraut, dass es Antworten findet, die mit mir und der Situation in Einklang sind. Das Selbst braucht seine Zeit, um sich zu ordnen.

Findet man in dieses „Selbst-Vertrauen“, stirbt viel angstvolles und oft verkrampftes Bemühen um eine gute Lösung. Das Vertrauen, dass die Lösung in mir ist und ich sie hören werde, wenn ich still sitze und zuhöre, statt zu tun, schafft ein anderes Lebensgefühl.

Selbstvertrauen
Übung:
Ich möchte mit diesem Beitrag Mut dazu machen, gerade gegenüber dem Ungelösten Geduld zu entwickeln und Vertrauen darin, dass sich die Lösung zeigen wird, wenn ich mein bewusstes Bemühen um eine Lösung für eine Zeit aussetze.

Denn genau dann erlaube ich meinem Selbst, die Lösung zu finden. Im Kleinen kennt das jeder, dass Probleme am Abend unüberwindlich scheinen. Und morgens in der Dusche ist auf einmal eine einfache Lösung da.

Wo gibt es derzeit in deinem Leben Ungelöstes, was dich Tag und Nacht beschäftigt? Wie kannst du dir von dieser Beschäftigung mit dem Ungelösten eine Pause verschaffen, in der du den Mut hast, deinem Selbst zu vertrauen? Es sein zu lassen, loszulassen. Dich selbst sein zu lassen. Und darauf zu vertrauen, dass die Antworten dann ganz von alleine in dir auftauchen.

Die Übung besteht also darin, mir bewusst Pausen im Sein zu geben, damit mein Selbst seine Arbeit machen kann. Ob die Pause darin besteht, zu meditieren, ein heißes Bad zu nehmen, bouldern zu gehen oder mit dem Hund zu spazieren, das kann ganz individuell unterschiedlich sein.

Selbstvertrauen vertieft sich, wenn ich wiederholt die Erfahrung mache, dass aus meinem Selbst die Antworten kommen, die im Einklang mit mir und der Situation sind.

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