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Die größte Quelle von Stress ist, dass wir glauben, anders sein zu müssen, als wir sind. Beschließen wir, diesem Gefühl zu folgen, zeigen wir uns nicht und fühlen uns innerlich allein.

Wie geht das, sich so anzunehmen, wie man ist? Und sich dann auch zu erlauben, in der Gegenwart anderer so zu sein? Davon handelt der heutige Beitrag.

Im inneren Konflikt

Als ich vor einigen Monaten einen Workshop geleitet habe, ging es an einem Tag um das Thema „Sein mit dem, was ist“ – in einer annehmenden Haltung, ohne Urteil und Wertung.

Ich hatte an dem Tag einen sehr belastenden Konflikt in meiner Paarbeziehung. Am Abend, als ich zum Workshop gefahren bin, habe ich mich einfach nur traurig und leer gefühlt. Ich wusste nicht, wie ich in diesem Zustand den Workshop leiten sollte, wie ich präsent sein sollte, wie ich mich auf die Inhalte konzentrieren sollte und wie ich den Teilnehmern begegnen und ihre Bedürfnisse wahrnehmen sollte.

Ich hatte das Gefühl, dass ich für meine Teilnehmer ein anderer sein musste, als ich gerade war.

Schließlich haben meine Teilnehmer ja ein Anrecht auf einen Achtsamkeitslehrer, der bei sich und präsent ist, gerade beim Thema Achtsamkeit. Was bin ich für ein Achtsamkeitslehrer, wenn ich nicht bei mir sein kann? Meine Teilnehmer haben einen Anspruch darauf, gesehen zu werden. Als Achtsamkeitslehrer vermittle ich im besten Fall nicht nur die Inhalte, sondern bin auch noch unterhaltsam und kann den Abend in Beziehung gut gestalten.

Ich

Diese Gedanken waren natürlich meine inneren Ansprüche. Und mein Gefühl von Traurigkeit und Leere standen diesem Anspruch im Weg. Weil ich das Bild hatte, dass mir diese Gefühle im Weg standen, wollte ich sie loswerden – wollte etwas anderes fühlen.

Also habe ich versucht, mich in Gedanken abzulenken, an etwas Schönes zu denken, mich dadurch aufzubauen, dass ich ja weiß, was ich tue und wovon ich spreche. Mich daran zu erinnern, dass die Seminare immer menschlich gut gelaufen sind. Mich auf meinen Atem zu fokussieren, nur um dann noch unruhiger zu werden, weil ich den Fokus nicht halten konnte.

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