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Autopilot ist ein ganz zentraler Begriff in der Achtsamkeit. Wir kennen den Begriff aus dem Verkehr, wo das Auto sich ganz von alleine steuern kann, ohne daß der Mensch bewusst eingreifen muss. Teil 2

Unsere Gefühle sind schneller als wir denken können
Daß unsere Gefühle schneller sind als wir denken können ist der wesentliche Grund dafür, daß sie für unser Handeln so dominant sind. Einfach gesagt bedeutet das, daß wir schon emotional reagieren, bevor wir noch die Chance haben zu denken.

Das führt auch dazu, daß unsere Gedanken immer schon emotional eingefärbt sind, wenn wir sie haben. Wir denken sozusagen durch unsere Gefühle. In dieser Weise wird unser Denken durch unsere Gefühle bestimmt.

In welche Gefühle wir kommen, hängt ganz wesentlich von unseren emotionalen Vorerfahrungen ab. Haben wir mit einer Situation in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht, erkennt das unser emotionales Gehirn assoziativ und bringt uns sofort in die Gefühle, die uns in der Vergangenheit geholfen haben die Situation zu meistern.

Das ist einerseits großartig - doch andererseits reagieren wir so in den immer gleichen gewohnten Mustern, ohne erkennen zu können, ob die emotionale Reaktion in der jetzigen Situation auch angemessen ist.

So werden wir in gewisser Weise zu Opfern unserer emotionalen Vorerfahrungen und merken immer wieder, daß sich eingefahrene Beziehungsmuster wiederholen, auch wenn sie nicht mehr erfolgreich sind. Egal wie wir versuchen bewusst gegenzusteuern - wir merken, daß es nicht funktioniert.

Denn die emotionale Steuerung unserer Psyche ist uns nicht bewusst.

Autopilot

95% Autopilot
Wie eingangs beschrieben, bestimmt diese Autopilot Steuerung 95% unserer
Verhaltensweisen und Reaktionsmuster - und zwar ganz individuell bei jedem verschieden. Je nachdem welche emotionalen Vorerfahrungen wir gemacht haben.

So "kann" also unser denkendes Gehirn unser emotionales Gehirn offensichtlich nicht steuern. Wir können Gefühle nicht durch unser bewusstes denkendes Gehirn kontrollieren.

Ganz im Gegenteil - wenn sich unser emotionales Gehirn subjektiv in große Gefahr befindet, kann es unser Denkendes Gehirn sogar komplett ausschalten. Es kann entscheiden, daß Denken in diesem Moment keine überlebensnotwendige Fähigkeit ist.

Jeder kennt diese Situation von Prüfungen und angstbesetzten Terminen, in denen das Hirn stillzustehen scheint. Doch es scheint in diesen Situationen nicht nur so. Es steht tatsächlich still. Ausgeschalten von unserem emotionalen Gehirn.

Das Denkende Gehirn

AutopilotDas Denkende Gehirn ist ein Hirnteil, den nur Menschen haben. Es hat viele einzigartige Fähigkeiten, die die beiden anderen Hirnteile nicht haben.

Das Denkende Gehirn ist der jüngste und somit langsamste Hirnteil. Er braucht einfach länger, um zu einer Bewertung der Situation zu kommen.

Alles was hier passiert ist uns bewusst. Unser denkendes Gehirn kann auf ganz eigene Art und Weise logische und rationale Bezüge schaffen, zukünftige Prozesse strukturieren und planen und vergangene Prozesse reflektieren. Es kann sich auch fiktive Dinge und Situationen vorstellen und visualisieren, die in der Zukunft passieren sollen, was eine einzigartige kreative Leistung ist.

Dieser Teil unseres Gehirns ist ein wichtiger Teil unserer Wahrnehmung, der ganz wesentlich dazu beiträgt, daß wir angemessen reagieren und handeln können.

Wir brauchen alle Fähigkeiten um angemessen handeln zu können
Wenn wir rein auf der Basis unserer Emotionen entscheiden und handeln, entscheiden wir oft rein auf der Basis von emotionalen Erfahrungen aus der Vergangenheit. Oft sind diese alten Entscheidungen aber in der Situation nicht angemessen. Doch unsere Gefühle allein haben dafür kein Empfinden.

Innehalten
Wenn wir aber lernen innezuhalten - unser Gefühl wahrzunehmen, zuzulassen und anzunehmen - und "nicht gleich zu handeln", lassen wir uns sozusagen von unseren Gefühlen und ihrer Geschwindigkeit nicht überrumpeln. Wir können die Gefühle als wichtig annehmen, können aber in unserer Reaktion warten, bis wir die Möglichkeit hatten auch zu denken.

Die emotionale Ebene und die Denkebene zusammen kommen in der Regel zu einer viel angemesseneren Reaktion auf die jetzige Situation, als die reine Gefühlsebene.

Gleichgewicht zwischen Denken und Fühlen
Jeder Teil unseres Gehirns erledigt eine besondere Aufgabe besonders gut. Als alleinige Quelle für Entscheidungen ist es aber weder gut nur rational zu entscheiden, noch ist es gut alles einfach nur durchzudenken und die Gefühle aus dem Spiel zu lassen.

Nur wenn es möglich ist alle Wahrnehmungssysteme wahrzunehmen, kommen wir zu einer angemessenen Reaktion, in der wir gut in Beziehung mit uns sind und mit anderen sein können.

So ist das Innehalten, damit die Gedanken auch an Entscheidungsprozessen teilnehmen können, eine ganz wesentliche Fähigkeit, um in vielen sozialen Situationen nicht zum Opfer des eigenen Autopiloten, beziehungsweise seiner eigenen Vergangenheit zu werden.

Achtsames Handeln wird möglich, wenn das Bewusstsein Instinkte, Gefühle und Gedanken gleich achten kann. Wo das gelingt, sind wir in unserer Wahrnehmung im Gleichgewicht.

Achtsame Wahrnehmung kann sich aus diesem Wissen bewusst dazu entscheiden innezuhalten - und den Raum zwischen Reiz und Reaktion so weit werden zu lassen, daß alle Wahrnehmungssysteme Teil der Reaktion werden können.

Den 1. Teil der Serie finden Sie hier.

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