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Die 9 Aspekte der Achtsamkeit sind so etwas wie eine Sammlung der Grundwerte der Achtsamkeit. Zusammen genommen bilden sie eine Haltung dem Leben gegenüber. Der heutige Begriff: "Nicht Urteilen".

Niemand wird gern beurteilt
Niemand wird gern für das was er macht oder ist beurteilt oder verurteilt. Und doch passiert es ständig. Es macht etwas mit unserem Selbstwertgefühl, wenn jemand über uns urteilt. Wir schämen uns als Kinder. Wir schämen uns wir selbst zu sein. Und so macht das Urteil etwas damit, ob wir uns selber gern haben können - oder ob wir uns so wie wir sind nicht liebenswert und falsch fühlen. Dieses Gefühl nehmen wir dann oft mit in unser Erwachsenenleben.
Wir nehmen das Urteil unserer Eltern und enger Bezugspersonen als Kinder als Wahrheit über uns an und gewöhnen uns daher leider oft an über uns selber zu urteilen und mit uns selber nicht gut, herzlich und freundlich umzugehen.
So wie wir sind, sind wir offensichtlich nicht richtig.
Und leider - wenn über uns geurteilt wurde, gewöhnen wir uns auch an über andere zu urteilen. 

Jedes Urteil trennt
Jedes Urteil, das wir gegen uns selbst haben, trennt uns von einem Teil von uns, der ja eigentlich dazu gehört. Jedes Urteil uns selbst gegenüber kostet uns einen Teil unserer Ganzheit. Und mit jedem Anspruch an uns, daß wir anders sein müßten, als wir sind, machen wir uns kleiner als wir sind.
Wir verlieren Empathie uns selbst gegenüber. Und Herzlichkeit im Umgang mit uns selbst.
Das wie über uns geurteilt wurde, wird die Art wie wir mit uns selber reden und umgehen.


"Nicht urteilen"
Aus Urteilen entstehen innere Glaubenssätze
Wir sollten vielleicht auf keinen Fall auffallen oder auf jeden Fall auffallen. Oder wir sollten keine Angst spüren. Oder aggressiv werden ging gar nicht. Urteile von Eltern und wichtigen Bezugspersonen formen innere Glaubenssätze. Wenn wir uns nach ihnen richten folgen, sind wir in der Familie sicher. Denn unsere Eltern, von der wir abhängig sind, zeigen uns dadurch wie wir sein müssen, damit wir zugehörig sind. So prägen Urteile unsere Persönlichkeit, unsere Identität aus. Wir fühlen uns also sicher zugehörig, wenn wir Teile von uns verstecken, die wir ab da nur noch mit Scham, schlechtem Gewissen oder Schuld wahrnehmen können. Aber als Menschen werden wir unsicher.
Urteile verlangen von uns, daß wir anders sind, als wir sind.
Wo immer ich über Teile von mir urteile, verliere ich Verständnis mir gegenüber und Beziehung zu mir. Ich werde hart zu mir selber. Ich lerne meine Bedürfnisse zu ignorieren.
So beginne ich Teile von mir abzuspalten - sie als nicht mehr zugehörig zu erkennen. Das Urteil von außen wird in der eigenen Psyche übernommen. Ich höre auf, mich mit diesen Eigenschaften oder Gefühlen in mir zu identifizieren. Ich höre auf in Beziehung zu gehen. Ich erlaube mir nicht mehr nachzufragen was diese Gefühle in mir bedeuten und was sie mir sagen wollen.
Statt mit den Gefühlen in Beziehung zu sein, empfinde ich sie als unangenehm und feindlich. Doch wo immer ich anfange gegen meine Gefühle zu kämpfen, kämpfen sie gegen mich.

Wir verurteilen andere für die Gefühle, die wir in uns selbst nicht spüren wollen
Jemand, der sich viel um die Bedürfnisse anderer kümmert, empfindet jemanden schnell als Egoist, der sich um seine eigenen Bedürfnisse kümmert. Er wird schnell ein Urteil über diese Person haben. Daß man so ja nicht sein kann, wie unmoralisch das ist - wie unverschämt.... Dadurch wird der andere abgewertet. Man verliert die Achtung ihm gegenüber und damit auch Verständnis und Empathie.
Und das nur, weil man selber davon abgespalten ist gut auf seine Bedürfnisse zu schauen. Dann hält man es nicht aus, dieses Gefühl in der Begegnung mit dem anderen zu fühlen. Indem man durch das Urteil aus dem Kontakt mit dem anderen geht, kann man sich abgrenzen, und gleichzeitig die innere Abwehr gegen dieses Gefühl in sich aufrechterhalten.
So sind die Urteile, die wir in uns haben die Quelle der Urteile, die wir über andere haben. Oder einfach gesagt. Wir sind in der Tiefe nie mit anderen Leuten in Konflikt. Sondern andere Leute sind immer ein Spiegel der Konflikte, die wir mit uns selbst haben. Und dafür bekämpfen wir sie.

Die Lösung liegt in uns selber
Wo immer ich in Konflikt mit mir selber bin - wo immer ich Urteile gegen mich selber habe, komme ich in Konflikt mit anderen. Das ist unvermeidbar.
Je mehr ich mich selber annehmen kann wie ich bin - mit allem was zu mir gehört - in meiner Ganzheit, desto besser und herzlicher bin ich mit mir in Beziehung. Desto milder kann ich mit mir umgehen, wenn ich mal einen Fehler mache. Desto mehr Verständnis werde ich mir gegenüber zeigen. Je weniger Urteil über mich selber ich habe, desto lieber werde ich mit mir selber leben, desto herzlicher wird meine Beziehung mit mir.
Wie gut mir die Beziehung mit mir selber gelingt, ist das Maß dafür, wie gut mir Beziehungen mit anderen gelingen können.
Wer sich auf den Weg macht, das Urteil gegenüber eigenen Anteilen und Gefühlen auszusetzen, der kann erkennen, daß jedes Gefühl in uns konstruktiv und gut ist. Nur wenn wir Gefühle nicht annehmen und haben wollen, werden sie destruktiv - uns selbst und anderen gegenüber.

Nicht urteilen
Jedes Urteil trennt, jeder Vorwurf und jeder Anspruch trennt. Jedes Urteil kostet uns ein Stück unserer Ganzheit und Beziehung zu anderen.
Nicht urteilen erhält Beziehung aufrecht und macht Begegnung möglich.
Wenn ich nicht urteile, bleibt die Achtung vor dem Gegenüber erhalten. Achtung in dem Sinn, daß ich interessiert bleibe die Perspektive des anderen hören und verstehen zu wollen. Unabhängig davon, ob ich mit dieser Perspektive übereinstimme.
Nicht urteilen ist also in gewisser Weise gleichzusetzen mit Zuhören und verstehen wollen.
Nicht urteilen gegenüber mir selber bringt mich wieder in Beziehung mit den Anteilen in mir, über die in meiner Kindheit geurteilt wurde.
Nicht urteilen schafft Beziehung.



Alles was in Beziehung tritt, darf heilen. Beziehung findet dort statt, wo deine
Wirklichkeit in mir stattfinden darf.
Thomas Hübl.

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