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Ein Geburtstag ist vielleicht nur bedingt der richtige Zeitpunkt dafür, ein Ding nach dem anderen zu machen. Denn gerade wenn sich auf verschiedenen Kanälen die Gratulanten einstellen, ist es hart, die Wünsche eben nicht in Empfang zu nehmen.


Es ist mir einfach passiert. Begonnen hatte es dadurch, dass mein Ex über Nacht geblieben war und mir schon in aller Früh und aller Sorgfalt ein Frühstück hergerichtet hatte. Zu meinen drei Morgenseiten kam ich noch, danach war Interaktion angesagt. Brief lesen, Geschenke auspacken, sich freuen. Dazwischen – also zu einem günstigen Zeitpunkt – riefen meine Eltern an, die älteste Freundin meiner Mutter schaffte auch noch eine Pause, obwohl da schon meine Nachbarin mit gegenüber saß. Insofern war dieses Telefonat relativ kurz, aber nicht minder herzlich. Die Uhr tickte, weil die Aufbruch zum Geburtstagsessen anstand. Schnell ins am Vorabend vorbereitete G'wand geschlüpft und ins Auto. Davor hatte ein Bote einen Strauß langstieliger Rosen abgegeben, der Rätsel aufgab, weil kein Name auf der mitgelieferten Karte stand. Ich also am Steuer meines Autos, wo ich meistens auf die Straße konzentriert bin und in Ermangelung einer High-Tech-Freisprechanlage selten telefoniere. Insofern waren alle Telefone lautlos geschalten, was sich schon alleine deshalb anbot, weil mein Ex ja neben mir saß und versuchte, mich im Rahmen seiner Möglichkeiten zu unterhalten. Angekommen, erwarteten mich meine Eltern, und ihnen galt meine weitere Aufmerksamkeit, natürlich auch dem Essen und der Freude, die sie beim Überreichen der Überraschungen hatten. Da blieb das Elektronische ebenfalls in der Tasche, das immer noch nicht bimmelte, weil lautlos.

Geburtstag
Nach drei Stunden startete die Rückfahrt, same procedure as before. Kurzer Zwischenstopp zum Einkaufen von Lebensmitteln und Absetzen des Ex, dann nach Hause. Inzwischen waren Nachrichten im hohen zweistelligen Bereich auf den diversen Kommunikationskanälen aufgelaufen, und fast hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich so gleichmütig durch den Tag geschwebt war. Und doch war da eine Ruhe in mir, die ich mir gerade an einem Tag wie diesem gewünscht hatte. Ein Ding nach dem anderen tun können, ganz im Augenblick sein dürfen und alles so nehmen, wie es gerade kommt.
Zwei Stunden beantwortete ich die Glückwünsche, dann machte ich mich auf in die Stadt zum Treffen mit einer Freundin, das auch wieder offline stattfand. Und nach meiner Rückkehr freute ich mich über die restlichen Wünsche, die mein Herz wärmten. Früher hätte ich bestimmt ein schlechtes Gewissen gehabt, wenn ich nicht Gewehr bei Fuß gestanden wäre bei den Anrufen und Nachrichten. Schließlich ist man dankbar, dass Menschen an einen denken. Und das sollen sie doch bitte auch wissen. Heuer wurde mir bewusst, dass daraus keine unmittelbare Verpflichtung erwächst. Sondern dass ich mich darüber freuen darf, wenn ich mich auch ganz dem widmen kann. Nicht zwischen Salzburg und Kufstein, nicht zwischen Suppe und Dessert, nicht zwischen zwei Sätzen. Sondern dann, wenn ich diesen lieben Menschen all meine Aufmerksamkeit schenken kann, die sie verdienen. Weil sie sie mir geschenkt haben.
Stellen Sie sich vor: Keine(r) war beleidigt, jeder hat sich gefreut, wenn ich geantwortet oder zurückgerufen habe. Es waren schöne Gespräche und Chats, die nur deshalb entstehen konnten, weil ich mich im Simple Tasking geübt hatte. Gerade an Tagen wie diesen, wahlweise Weihnachten, kann ich das nur empfehlen – probieren Sie es aus!

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