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Vergebung, Verzeihung, um Entschuldigung bitten und annehmen: Die Bitten um Vergebung, Verzeihung, Entschuldung - zusammen ein grosses Thema, finden Sie nicht auch?

Nicht alle Buddhisten scheren sich darum, Buddha hat diese Begriffe nicht gebraucht. Man hatte sich lediglich um den achtfachen Pfad zu bemühen, eventuell noch die vier grossen Gelübde dazu zu nehmen, und damit war alles Notwendige, um auch das Leiden in und an Beziehungen zu beenden, getan.
Ein bekannter Buddhist, noch dazu einer, der schreibt und Vorträge hält, hat sich um diesen Begriff gekümmert, der dem christlichen Kontext entstammt und und viele von uns beschäftigt, heimsucht oder befreit. Ich meine Jack Kornfield. Von ihm kenne ich auf einer CD „Das Innere Licht Entdecken“ auch eine Meditation der Vergebung, die mich berührt hat und mit der ich gearbeitet habe. Ich halte sein Wissen über und seine Erfahrung zum Thema für umfassend und konnte mich daher seiner Anleitung gut anvertrauen. Vergebung ist ein Prozess, den wir zwar anstossen und auch in gewisser Weise trainieren können. Aber sie braucht ihre Zeit und kommt und geht in Zyklen.
Das ist auch meine Erfahrung.

Steven und Ondrea Levine sind ebenfalls - in meinen Augen - Spezialisten des Herzens und damit der Vergebung. Der präzisen Anleitung zur Meditation der Vergebung bin ich immer wieder und für Jahre gefolgt. Es handelt sich um eine sehr präzise Anleitung zur Körperwahrnehmung, welche den Gedanken vorausgeht. Wo genau und wie spüre ich meine Verklammerungen? Steven Levine gelingt das seltene Kunststück, den Dualismus zwischen Selbst und Ego zu überwinden, damit den inneren Kampf, der aus meiner Sicht zu nichts Gutem führen kann und uns damit zu groesserer Liebe, allumfassender Liebe letztendlich befreit.
In meinem Land habe ich, die ich mich intensiv mit diesen Begriffen befasst habe, auf individueller und kollektiver Eebene, das Wort „vergeben“ mit „freigeben“ übersetzt. Ein freigebiger Mensch ist einer, der auch an Ressentiments und Wunden nicht ewig festhält. Der rasch und ohne eine Riesensache daraus werden zu lassen, um Verzeihung bittet, diese aber auch gewährt, wo um sie gefühlvoll gebeten wird. Damit, wenn wir einem anderen Menschen verzeihen, der uns aufrichtig darum gebeten hat, was ich persönlich sehr schätze - denn es ist gar nicht so einfach, und manche können es einfach nicht - streichen wir dieses Vergehen auf der inneren Liste und sagen: Es ist gut so. Du „schuldest“ mir nichts mehr. Du bist frei, und ich bin auch frei. Wie wunderbar. Vielleicht ist man einander nie näher gewesen als jetzt, da beides Akte der Liebe sind, das Bitten und das Verzeihen.
Wenn eines von beiden fehlt, wird die Sache schwieriger, schaler und kann in Bitterkeit enden. Entfremdung hat sich eingestellt, man kann sich nicht mehr in die Augen schauen. Hier wird der vergebungsbereite „Partner“ die „Arbeit“ von Zweien machen müssen und nur schwer bittersüsse Nähe erleben. Die Süsse entsteht aus dem beidseitigen Aufeinanderzugehen und seine Haut riskieren.
In einer solchen Lage ist jedeR schon einmal gewesen: Entweder wird ein Kontakt ganz abgebrochen, so dass man weder um Verzeihung bitten noch sie annehmen könnte. Doch innerlich, und manchmal sogar auch äusserlich, ist viel zu machen. Unser Herz können wir immer ausmisten, reinigen, polieren. Und wer sich daran erblickt, im Spiegel eines solchen Herzens, ist vielleicht zu Allem bereit.
Sogar zur Vergebung des Unerträglichen.

Den letzten Blog von Monika Winkelmann finden Sie hier.

Kommentare  
# Milla Wünsch 2018-11-26 08:10
Meditation der vergebung - gibt es dazu ein buch od cd?
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# Monika Winkelman n 2018-11-26 08:11
Jack Kornfield’s CD habe ich genannt. Das Buch von Levine suche ich heraus: Ein ganzes Buch voller Verschiedener Meditationsthemen. Grossartig!
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