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Begehren ist weder weiblich noch männlich. Es ist. Mal begehrst Du mehr, mal weniger. Mal wirst Du mehr, mal weniger, mal gar nicht begehrt. Das Mehr erfährt sich immer mehr durch das Weniger, das Minimum erfährt sich permanent durch das Maximum. Es pendelt ständig hin und her – so wie sich die Lust immer wieder auch durch Lustlosigkeit erfährt.

Schau, wo Du Dich zwingst etwas zu sein statt wahrhaft lustlos oder lustvoll, verlangend oder frei zu sein. Leidenschaft will sich mal heiß, mal lauwarm und auch mal kalt oder erkältet erfahren. Erkenne, dass Du sowohl der Rausch als auch die Ernüchterung bist. Manchmal sind Gefühle rasend schnell. Mal sind sie beständig, mal unbeständig. Mal von Dauer, mal schnell vorbei. Mal sind wir voller Leidenschaft, mal eher zurückhaltend, mal draufgängerisch, mal scheu, mal mutig, mal ängstlich. Nichts davon ist falsch. Mal machen wir alles richtig, mal machen wir alles falsch. Doch welches Gefühl ist falsch statt wahr?

Wenn wir alles falsch machen, dann erfahren wir uns nur darin, dass wir glauben, alles richtig machen zu können. Wer ständig richtig sein will, der fürchtet sich davor, falsch zu sein. Es heißt nicht zufällig Perfektionswahn/Perfektionssucht.

Stürmische Gefühle wollen sich erfahren – so wie der sanfte Wind. Gehe achtsam mit Deiner Zartheit, mit Deiner Verletzlichkeit um. Sanftheit ist ein Schlüssel für die LIEBE. Achtsamkeit ist ein Schlüssel – mit dem, was ist, weil Liebe ist. Dann ist Achtsamkeit Liebe und Liebe Achtsamkeit.

Seelische Verbundenheit zu entdecken folgt der Erkenntnis aller Verborgenheit. Tiefe Verbundenheit ist seelische Leidenschaft, die keine Leiden mehr schafft. Vorher hast Du Dich auch zutiefst verlassen und einsam, ungeborgen und ausgesetzt, unverstanden und missverstanden erfahren. Du wirst Dich auch in solchen Gefühlen erfahren, die keine Erwiderung (mehr) finden. Sie haben alle ihren Sinn.

Kein Zufall

Halte es aus, wenn Dein Verlangen einseitig ist und zunächst keine partnerschaftliche Erfüllung erfährt oder auch später gar keine Erfüllung findet. Halte einseitige Gefühle aus. Halte auch Nichterfüllung (Enttäuschung) aus. Und genieße dann die Gnade der Zweiseitigkeit, und Gegenseitigkeit, wenn sich Dein Gegenüber empfänglich offenbart.

Vorher wirst Du Dich auch zutiefst unempfangen, unberührbar und unwillkommen erfahren. Empfängnis ist dann Gnade. Alles kann in göttlicher Gnade zu Dir kommen, wenn Du die Ungnade in Dir selbst eingelöst hast.

Schau, wie streng (kritisch) und ungnädig Du oftmals mit Dir selber bist. Wo Du noch voller Ablehnung im Außen bist, da kannst Du nicht innerlich gütig und im Frieden sein. Erwarte keine Güte im Außen, sondern sei die Güte, sei die Gnade selbst. Der Gütige ist auch der Liebhaber der Strenge. Er ist eins. Strenge und Güte, Zartheit und Wildheit, Sanftmut und Zorn sind dann Gnade, wenn alles in Dir sein darf.

Auch Schmetterlinge im Bauch wollen Bewusstsein. Genieße Dein Verliebtsein, koste es zutiefst aus, wenn es da ist, wenn es wächst, weil Du immer wieder auch den Verlust dieses Gefühls ausgehalten hast. Verliebtsein kann so schön sein, dass es schmerzhaft vor Schönheit ist. Halte die Schönheit aus. Halte die Freude aus.

Weitere Beiträge von Klaus Eibach finden Sie hier.

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