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Letzte Woche habe ich die Einladung zu einer Fernseh-Talkshow bekommen. Weil ich das hier schreibe, also Woche für Woche. Seitdem horche ich – auf die Meinung anderer, aber auch in mich hinein.


Es ist schon faszinierend, wie unmittelbar Reaktionen sein können. Passieren sie mir, dann finde ich das unendlich erleichternd. Bei anderen im Grunde auch, doch wenn es um so etwas wie eine Talkshow-Einladung geht, brauche ich mehr davon. Mehr Faszination über unmittelbare Reaktionen. Ich werde dann zur Stricherllisten-Führerin, was nur auf eines hindeutet: Ich kann mich nicht entscheiden. Der „Kurs in Wundern“ sagt ja, dass immer das Ego im Spiel ist, wenn das so läuft. Und dass man das Entscheiden lassen soll, bis sich eine eindeutige Regung einstellt.
Jetzt haben wir Journalisten – egal, für welches Medium wir werken – meist eine Deadline. Der Artikel muss in die Druckerei, der Radiobeitrag durch den Äther und die Show auf den Bildschirm. Was mich ein wenig unter Stress setzt, denn all zu langes Warten ist keine Option. Deshalb frage ich mich durch meinen Verwandten-, Kollegen-, Bekannten- und Freundeskreis. Geht irgendwie schneller, stelle ich fest, weil mein Bauch einfach nicht und nicht senden will. Ich weiß nur, dass das Pendel in meinem Kopf zwischen zwei Polen hin und her schwingt, die ähnlich weit voneinander entfernt sind wie Nord und Süd.

Woche
Der eine Pol wird umschwärmt vom Gedanken, dass ein größerer Sympathisantenkreis dieser Plattform und meinen Büchern (der zweite Teil von „Voll Fünfzig“ ist übrigens im Entstehen und wird „Foll Vünfzig und noch immer fehlerfrei“ heißen) bestimmt gut tun würde. Bewusstseinserweiterung hat schließlich noch keinem geschadet. Selbst mir nicht, denke ich, denn auch wenn ich vor einigen Monaten einem Regionalfernsehsender ein Interview gegeben habe – eine Talkshow ist doch noch mal ein anderes Kaliber. Und wenn man sich die Unmengen an Menschen anschaut, die sich darum reißen, im TV sein zu können, muss da ja was dran sein. Doch mein Bauch sendet immer noch nicht.
Mein soziales Umfeld ist altersmäßig ziemlich gemischt. Von 80jährigen bis 30jährigen ist da alles dabei, und interessanterweise tendieren die jüngeren eher zur Talkshow-Teilnahme als die älteren. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Aber das ist wahrscheinlich der Tatsache geschuldet, dass die Nachfolge-Generationen einen ganz anderen Zugang zu Medien haben. Ich würde mich jetzt zwar aufgrund meiner Profession auch als medienaffin bezeichnen, aber die Jungen haben das noch einen Tick mehr intus als ich.
Was mich zu meinem zweiten Pol bringt. Wenn ich mich in eine solche Situation bringe, muss ich in meiner vollen Kraft stehen. Also mindestens 100 Prozent fit sein, auch wenn eine Freundin meinte, meine 70 Prozent würden reichen. Äh, nein, Du Liebe! In einer Arena – siehe Gladiator – muss man präsent sein, sonst gibt’s Tote. Und ich würde gerne noch etwas länger auf diesem Planeten sein, denn das Maß ist noch nicht voll. Auch wenn ich mich inzwischen frage, was noch in mein Leben passen soll. Und trotzdem: Irgendwas fehlt. Und das will ich finden oder zumindest anwesend sein, wenn es mich findet. Bis dahin sammle ich meine Kräfte, versuche, wieder in meine Mitte zu kommen und starte dann durch. Wenn sie mich dann noch wollen – fein! Falls nicht, hat es nicht sein sollen.

Kommentare  
# Brigitte Mayer 2018-09-21 10:46
Um welche Talk show geht es denn?
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# magclaudiadabringer 2018-09-21 20:44
eine nachmittagssendung im oesterreichischen fernsehen
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