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Es war wirklich schwer, in irgendeiner Weise zentriert zu bleiben, wenn frau so verwirrte ‚Seelen‘ als Eltern hatte! Beide hatten die Fähigkeit, in ganz unterschiedlicher Weise in einer Minute „Hüh“ und in der nächsten „Hott“ zu brüllen, und das natürlich nicht synchron.

Ich sage das nicht, um meine Eltern mit Verantwortung zu belasten, die ich mit nahezu 66 Jahren wahrlich selber übernehmen sollte. Ich sage es, weil ich mich – und damit andere: Familienmitglieder, Klientinnen, Gruppenmitglieder ... – immer besser verstehe. „Verstehen ist Liebe“, sagt Thich Nhat Hanh, eine Aussage, die ich ziemlich genial finde. Genau. Es fordert uns so viel ab, uns selber, unsere Beziehungen, unsere Eltern zu verstehen, wenn wir uns die Mühe machen, sie wirklich kennenzulernen, uns ihnen zuzuwenden, uns ohne Vorurteile auf sie einzustellen. Jahre kann es dauern, bis wir einen Zugang zu einem Menschen gefunden haben, der sich kohärent und friedvoll anfühlt.

Meine Mutter ist 89 Jahre alt, lebte bis Montag alleine, bis sie, nach langem Ringen und Aufbäumen, in eine Einrichtung ging, in der mit ihr zusammen über ihren weiteren Weg entschieden wird. Hätte sie doch gelernt, geübt, sich in Ungewissheit und Angst hinein zu entspannen. Hätte sie doch Gefallen gefunden an Lehren und Übungen, die helfen, dem Alterungsprozess gesammelter entgegenzugehen, und dies seit Jahrtausenden. Ach! Meine arme, tapfere, von nicht wenigen dramatischen Lebensstürmen hin- und hergeworfene Mutter! 

Ich hoffe, ihr und der innerlich mitgehenden Familie weiterhin eine einigermaßen stabile Haltung heiterer Zuversicht anbieten zu können. Denn: Warum sollten wir nicht heiter sein wie die Frühlingssonne an einem blassblauen Himmel?

Wenn wir doch auf den kostbaren Dharma-Weg geführt wurden!

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