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Grippe, nein danke! Wir wollen sie alle nicht, sie kommt immer ungelegen, wirbelt unser Leben durcheinander. Ungeduldig warten wir darauf, dass sie uns wieder verlässt, oder lassen uns ergeben in die Kissen sinken und hängen unseren Gedanken nach.

Vergnügt kichernd pustete der kleine Kobold mit den leuchtend grünen Haaren eine Seifenblase nach der anderen in meine Richtung. Wunderschön schillernd kamen sie auf mich zugeschwebt, vibrierend in unterschiedlichen Größen, um dann mit der größten Selbstverständlichkeit in Gesichtsnähe feucht zu zerplatzen. Ich wusste nicht, wie viele es schon gewesen waren. Es schien eine nicht enden wollende Zahl zu sein. Da, wieder war eine direkt auf meiner Nase zerplatzt! Nun hatte ich aber genug. Der kleine Kerl sollte mich mal kennenlernen! Schnell wollte ich aus dem Bett springen, doch meine Glieder waren bleischwer und ein heftiger Schweißausbruch hinderte mich daran. Ach richtig, ich lag ja mit einer Grippe im Bett. Und der kleine Kobold und seine Seifenblasen? Nun ja, die Antwort erübrigte sich wohl. Ich hatte angefangen, über meine geplatzten Termine nachzugrübeln, als ich wohl eingeschlafen sein musste. Das Fieber hatte mich noch nicht ganz verlassen und alle versäumten Termine und Verabredungen, die ich nicht hatte einhalten können, waren kunterbunt durch meinen Kopf gewirbelt, um dann wie die Seifenblasen einfach zu zerplatzen. So schnell konnte man also Termine canceln, wenn man durch die Umstände dazu gezwungen war. Ich war zurückgeworfen auf mich selbst, die Welt schien sich plötzlich sehr langsam zu drehen, doch diese Drehung war unangenehm genug. Und ich hatte Zeit, richtig viel Zeit. Alle Verpflichtungen hatten sich einfach in nichts aufgelöst.

Auch dass wir gerade den 8. März hatten, war für mich ganz unerheblich. Ich beging meinen Frauentag im Bett, musste nicht für gerechte Löhne kämpfen und die Gleichberechtigung fordern. Ich war freigestellt – dieses Mal. Und gleichzeitig war ich mir bewusst, dass dies nicht sehr solidarisch war. Bei vielen Frauen ging es um weit mehr, sie kämpften um ihr nacktes Überleben und das ihrer Kinder, wurden als das Eigentum von Männern betrachtet, über das man nach Lust und Laune verfügen konnte – ohne eigenen Wert. So wie diese Männer oft auch mit den eigenen Geschlechtsgenossen umgingen, als sei Leben vollkommen wertlos. Manchmal weiß ich nicht, wie ich dieses Elend aushalten soll, das sich in allen Ecken der Welt Bahn bricht, und ich recke hilflos meine Faust für die Menschlichkeit in die Luft! Wie viele Hoffnungen und Träume sind schon zerplatzt und doch ist es wichtig, überlebenswichtig, dass wir immer wieder neue produzieren, damit wenigstens einige von ihnen Wirklichkeit werden können. Nicht nur das Dunkle nimmt seinen Anfang in unserem Kopf, in unseren Gedanken, in unserer Fantasie, auch das, was uns menschlich macht, was uns anspornt zu Veränderungen. Auch die guten Ideen müssen erst aus der Tiefe aufsteigen, um eine starke, visionäre Kraft entfalten zu können. Lassen wir es immer wieder dazu kommen! Sorgen wir dafür, dass es geschehen kann, und lassen wir sie nicht alle wie Seifenblasen zerplatzen. Dazu benötigt es einen gewissen Abstand zum Alltagsleben und seinen Anforderungen. Im Krankheitsfall wird es uns vielleicht deutlich, aber wir können auch im gesunden Zustand immer wieder einmal Abstand suchen, etwa beim Spazierengehen oder beim Meditieren. Absichtslos einen leeren Raum entstehen lassen, der sich zur rechten Zeit mit Ideen und Visionen füllen kann. 
So ähnlich waren meine Überlegungen, ehe ich wieder einschlief. Um mich wiederum für meinen normalen Alltag gesund zu schlafen.

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