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Ich habe wieder eine zweigeteilte Nacht hinter mir. Denn seit mich mein Ex überredet hat, die Katze im kalten Winter nächtens ins Haus zu lassen, schlafe ich kaum mehr als fünf Stunden am Stück.

Manchmal gestattet sie sich selbst und mir einen Sieben-Stunden-Schlaf, doch meist kommt sie zwischendurch auf die Idee, mir ihren Futternapf zu zeigen oder aufs Klo zu müssen. Mit letzterem habe ich kein Problem. Schon alleine deshalb nicht, weil ich zu stur bin, ein Katzenklo zu installieren. Das wäre nämlich das endgültige Symbol dafür, dass ich sie adoptiert habe. Und so weit bin ich noch nicht – seit drei Jahren nicht. Doch das ist eine andere Geschichte. Auf jeden Fall muss ich dann einfach aufstehen, um sie raus zu lassen. Geschenkt!

Heute früh habe ich einer Instagram-Freundin von ihr erzählt, während sich die Katze am liebsten unter meinen Morgenmantel geschoben hätte. Sie merkt, wenn ich im Aufbruch bin – egal, ob kurz- oder langfristig. Es ist fast so, als würde sie mich an die Treppenstufen, das Sofa, den Stuhl tackern wollen, damit ich ja nicht weggehe. Doch das Leben ist selbst für Katzen kein Strandspaziergang, und im Grunde nimmt sie schlussendlich die Tatsache meiner Abwesenheit eh ganz gelassen an. Weil sie weiß, dass ich immer wieder zurück komme. Und wenn es zu lange dauert, hat sie vorsichtshalber auch schon meine Nachbarn verzaubert, die ihr gesamtes Mitgefühl über sie ausschütten. Man braucht nicht nur für ein Kind ein Dorf, um es gut zu erziehen. Auch Katzen schätzen umfassende Fürsorge.

Insofern ist sie eine gute Lehrmeisterin für mich. Weil sie mich immer wieder an das Wesentliche erinnert. Essen zum Beispiel. Sie ist eine Gesellschaftsesserin, was bedeutet, dass sie es liebt, wenn ich ihren Rücken kraule, während sie schlabbert. Und manchmal fällt mir dabei ein, dass ich eventuell auch etwas für mich auf den Herd schieben könnte. Wenn das Leben so angefüllt ist mit den verschiedensten Aufgaben und Unternehmungen, vergisst man schon mal, dass der Magen leer ist. Es gibt schließlich Kaffee! Sie, die es nach drei Jahren immer noch nicht zu einem ultimativen Namen geschafft hat (zumindest für mich), erinnert mich daran, dass man von Kaffee vielleicht wach, aber bestimmt nicht fett wird.

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Ein weiteres Vorbild ist sie mir beim Schlafen. Obwohl – siehe oben – sie da nicht ganz so konsequent ist. Lassen Sie es mich auf „ausruhen“ umdeuten. In den vergangenen Tagen war ich dauernd unterwegs, über längere Strecken. Zuerst war meine berufliche Anwesenheit im Osten, dann meine private im Westen gefragt. Ausruhen war da nicht, zumal der Kopf auf Hochtouren gelaufen ist und das maximal dazu geführt hat, dass ich in einem Beisl so lange alles aus mir raus geschrieben habe, bis kein Stein mehr auf dem anderen lag. Und die Kellner sanft anfragten, ob ich vielleicht einen Roman über sie schreiben würde. Auch Zug- und Autofahrten sind wenig dazu geeignet, mich zu entspannen. Es soll ja Menschen geben, die das können. Die schlafen besonders gut, wenn sie anderen Reisenden im Abteil bei ihren Gesprächen zuhören. Die sich ein Hörbuch im Auto zu Gemüte führen und gar nicht merken, wie sich Myriaden von Fahrern gemütlich auf der Mittelspurspur einrichten. Beneidenswert, aber not my cup of tea. Ich brauche einen ganzen leer geräumten Tag, um wieder zu mir zu finden. Und zu verarbeiten, was ich in mir aufgenommen habe, ohne dass etwas Neues dazu kommt.

Mit einer Freundin habe ich mich heute über Empathie unterhalten. Sie tut sich schwer damit, etwas sparsamer mit ihrem Verständnis für andere umzugehen. Und leidet trotzdem darunter, weil sie die Erfahrung gemacht hat, dass daraus Schuldgefühle entstehen. In ihr. Das ist wieder so eine Perversion unserer Zeit. Wir versetzen uns in andere hinein, und wenn wir das besonders gut können, haben wir ja schließlich die Verpflichtung, andere gemäß unserer Erkenntnisse zu behandeln. Wenn man also nun besonders mitfühlend ist, kann es passieren, dass man andere wichtiger nimmt als sich selbst. Die Bedürfnisse anderer vor die eigenen reiht. Weil man es schon gar nicht mehr merkt und weiß, was man selbst will. Und die Relation völlig aus den Augen verliert. Beispiel: Wenn jemand so viele Baustellen in seinem Leben hat, dass er alle Hände voll damit zu tun hat, die zu beseitigen, ist es wohl sonnenklar, dass er keine Zeit für eine 30-Sekunden-Nachricht hat. Richtig? FALSCH! 30 Sekunden gehen immer, schließlich muss dieser Mensch auch die Schaufel aus der Hand legen, wenn er aufs Klo geht. Aber Empathen verstehen das, weil sie wissen und/oder fühlen, was diese Kämpfe bedeuten. Und fechten sie sie für sich selbst gerade nicht aus, so haben sie vollstes Verständnis dafür, dass sie zurücktreten müssen, bis das Gegenüber seine Agenden erledigt hat. Was schnell oder langsam passieren kann. Und mit dieser Abhängigkeit haben die Empathen das Nachsehen, obwohl sie dem Gegenüber etwas grundsätzlich Gutes schenken. Ist das gerecht? Mitnichten.

Wenn ich auf der Couch sitze und mich beispielsweise einem kleinen, aber feinen Heulkrampf hingebe, springt die Katze auf meinen Schoß und wärmt mein Herz. Doch das dauert bei weitem nicht so lange, wie ich weine. Denn wenn die Mieze zwischendurch hungrig wird, lässt sie mich schniefend sitzen. Was lernen wir daraus? Sie gibt, was sie kann, doch wenn sie selbst etwas braucht, hat das Vorrang. Denn mit leerem Magen kann selbst die liebevollste Katze nicht schnurren.

Kommentare  
# JessMess 2018-03-12 17:45
Katzen Und empathen. Ich glaube ja, Hunde freunde können empathischer sein, aber ich kann ja auch unrecht haben. Gut geschrieben!
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# magclaudiadabringer 2018-04-27 14:13
mit hunden kenne ich mich gar nicht aus, doch ich habe mir aehnliches erzaehlen lassen, wie sie feststellen. mir persoenlich reicht die empathie der katze. alles liebe...
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