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Erkenne täglich, was Du alles vermeiden willst. Exakt das willst Du auch nicht (mit-) fühlen. Gefühle sind so wenig vermeidbar wie Mitgefühl verhindert werden kann. Bewusst zu werden bedeutet auch, bewusst (mit-) fühlend zu sein.

 

Da Gefühlen eine eigene Weisheit zugrunde liegt, kann der Mensch statt Vermeidung den Weg der Weisheit seiner Gefühle gehen, der in die Tiefe seelischen Mitgefühls mündet. Mitgefühl ist das im Herzen gefühlte Wachstum der Liebe. Niemand geht zufällig den Weg des Mitgefühls, der der Weg gefühlter Selbsterkenntnis ist. Erkenntnis geschieht dort, wo das Unerkannte in sich erkannt wird.

Jedes existente Gefühl erfährt sich dadurch, dass es auch in seiner Gegensätzlichkeit existiert. Der Verstand braucht den Vergleich. Wer nicht vergleichen will, der hat dadurch schon verglichen. Wer nicht bewerten oder beurteilen will, der hat dadurch über das Urteil gerichtet. Wer für etwas ist, der muss gegen etwas sein. Das eine bedingt die Existenz des anderen, immer wieder neu. Es wäre heilsam, das Gesetz der Polarität und die weise Bedeutung von Gefühlen zu lehren. Heilung ist die Ganzheit des Seins, die sich aus dem Bewusstsein der Polarität ergibt. Wenn dabei unterdrückte Gefühle aus ihrem unbewussten Schattendasein befreit werden, dann kann sich das Licht entfalten.

Hierzu wäre es hilfreich, wenn Bildungseinrichtungen
den Seelenweg all-umfassender Liebe
sowie die Bedeutung von Mitgefühl lehren würden.

Der Verstand orientiert sich bewusst oder unbewusst an der Fülle der Gefühle, die jeder für sich erfahren hat. Jeder hat seine individuelle Wahrnehmung und eine andere kann niemand haben. Die Unterschiedlichkeit aller Menschen im Denken und Fühlen hat ihren höheren Sinn. Das Höchste ist die Liebe selbst. Zu Gefühlen gehört Mut, auch zur Lehre des Mitgefühls. Zum Leben selbst gehört Mut, gerade zu den unliebsamen Gefühlen, die der Weg zur Erkenntnis von Leichtigkeit und Achtsamkeit sind. Mitgefühl ist die Achtsamkeit des Herzens, die auch mit Gefühlen bewusst achtsam umgeht.

Der Selbstliebe folgt die Nächstenliebe, wenn Du Dich in dem anderen erkennst. Du kannst nichts an dem anderen lieben, was Du an Dir selbst noch ablehnst. Gefühle, die Du ablehnst, die wirst Du auch nicht an anderen mögen. Was Du in Dir bekämpfst, das bekämpfst Du auch im Außen. Wie innen, so außen. Auch Mut ist ein Gefühl, welches sich erst durch die Existenz von Gefühlen der Angst erfahren kann. Selbst Mutlosigkeit ist eine tiefe Erfahrung mit Mut. Mutlosigkeit und Ängste sehnen sich nach Mitgefühl statt nach Ablehnung. „Du brauchst keine Angst zu haben“ ist ein insgesamt wenig hilfreicher, wenn auch gutgemeinter Ratschlag, denn wer will schon wirklich Angst haben.

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Menschen sagen oftmals „Du brauchst nicht ängstlich, nicht eifersüchtig, nicht traurig, nicht depressiv, nicht empfindlich, nicht unglücklich, nicht unzufrieden, nicht neidisch, nicht sorgenvoll, nicht ärgerlich, nicht wütend, nicht zornig, nicht aufgeregt, nicht launisch, nicht verzweifelt, nicht verbittert, nicht cholerisch, nicht enttäuscht zu sein“. Dabei brauchst Du exakt diese Gefühlserfahrungen für Dein Mitgefühl und für die Erfahrung der Gegensätzlichkeit des Lebens in allem-was-ist. Aus der Gegensätzlichkeit ergibt sich die Lebendigkeit allen Seins.

Buddhisten lehren nicht zufällig den „mittleren Pfad“ in Erkenntnis der Mitte, die alle Extreme in sich in der Mitte vereint. Das Gleichgewicht liegt in der Mitte. Es ist die göttliche Harmonie, die in der bewussten Mitte zwischen Harmonie und Disharmonie, zwischen Gleichgewicht und Ungleichgewicht liegt. Das Sein liegt in der Mitte allen Seins und Nichtseins. Es kann keine Entspannung ohne Anspannung, keine Deeskalation ohne Eskalation, keine Abwechslung ohne Langeweile, keine Lösung ohne Problem, keine Enthaltsamkeit ohne Gier, keine Freiheit ohne Unfreiheit, keine Unabhängigkeit ohne Abhängigkeit, keine Mitte ohne Ränder geben. Alles ist im Fluss. Es fließt, wenn es sein darf. Dann darf Liebe SEIN. Es ist das Christus-Bewusst-SEIN.

Entspannung ist kein starrer Zustand, sondern kann immer wieder neu fließend erfahren werden, durch Anspannung. Fühle die Entspannung durch die Anspannung. Fühle die Zufriedenheit durch die Unzufriedenheit. Aus dem, was Du nicht brauchst oder nicht willst, ergibt sich das, was Du eigentlich willst. Für diese Erkenntnis brauchst Du es ständig. Daraus ergeben sich Deine Süchte. Der Mensch ist abhängig von schönen Gefühlen und versucht all die anderen sehnsüchtig zu vermeiden. Statt Vermeidung könnte er sie auch bewusst in sein Mitgefühl, in seine Liebe integrieren. Vermeidung ist ein Weg, Integration ist ein Weg. Mitgefühl liegt auf beiden Wegen. Der Weg ist das Ziel, weil die allumfassende Liebe jeder Weg ist.

Wenn der Mensch sich in allem erkennt, dann hat er sich in der Liebe erkannt, weil er Liebe ist. Mitgefühl drückt Liebe aus. Mitgefühl ist ein bewusster Weg der Liebe, der allem Unbewussten folgen kann.

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