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Er kam über Nacht! Lautlos, überraschend und insgeheim voller Sehnsucht erwartet.

Glitzernd und gleißend lag er im hellen Morgenlicht vor ihr. Es war wie ein Wunder. Ihr Herz weitete sich vor Glück. Strahlend in seiner Helligkeit wirkte er unberührt, einzigartig. Sie betrachtete ihn, berührte ihn sanft. Fühlte sich von ihm selbst berührt, angerührt durch seine Schönheit, das verheißungsvolle Glitzern, seine geheimnisvolle Zurückgezogenheit in die Stille. Ihre Bewunderung war groß und ihre Liebe zu ihm nahm täglich zu. Er zog sie immer mehr in seinen Bann. Morgens konnte sie es kaum erwarten, einen ersten Blick auf ihn zu werfen. Wenn sie von zu Hause fort war, musste sie ständig an ihn denken und freute sich auf den Abend, wenn sie ihn wiedersehen würde. Er war etwas ganz Besonderes, dachte sie. Nur um ihr kleines Haus herum hatte er sich gelegt. Die Nachbarhäuser waren frei von Schnee.

Dann plötzlich schien sich etwas zu verändern. Zuerst konnte sie nicht sagen, was es war, nur eine kleine Irritation. Der Schnee schien nicht mehr so strahlend weiß zu sein wie zuvor, er kam ihr matter vor und sie hatte das Gefühl, dass er sich kaum merklich zurückzog. Da sie ihn liebte, nahm sie es, wie es war, und befahl der inneren Beunruhigung, zu schweigen. Doch es wurde immer augenscheinlicher. Er zog sich zurück, verschwand jeden Tag ein wenig mehr. Eine Zeit lang blieben noch kleine weiße Inseln übrig und sie erfreute sich an ihnen, auch wenn sie keine Vollkommenheit mehr besaßen.
Eines Tages waren auch sie verschwunden, waren einfach weg! Wortlos starrte sie auf die verbliebenen dunklen Flecken am Boden. Sie konnte es einfach nicht glauben. Ihr Herz zog sich zusammen. Wo war er, ihr strahlender, weißer Schnee? Er konnte doch nicht von heute auf morgen verschwunden sein? Vielleicht käme er zurück, alles könnte sein wie vorher! Doch tief in ihrem Inneren wusste sie, dass nichts mehr wie früher sein würde, sein konnte. Er war verschwunden und würde es bleiben. Sie überließ sich ihrem Kummer. Eine Freundin kam vorbei, bemerkte es und fragte nach der Ursache. Und sie erzählte ihr von dem glitzernden Schnee, der sie so betört hatte. Die Freundin sah sie mitfühlend an und fragte behutsam: „Meinst du den Schnee von gestern? Er ist doch schon seit einer Weile verschwunden. Du hattest Glück, dass er so lange geblieben ist. Wenn du ihn wiedersehen willst, musst du zum Haus oben auf dem Berg gehen, da habe ich ihn kürzlich gesehen.“ Und sie legte der Freundin den Arm um die Schultern. Die schwieg lange und sagte dann leise: „Du hast recht, das ist er, der Schnee von gestern.“

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