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„Ich erinnerte ihn an Alice.“ - Das spirituelle Lieblingsbuch von Schriftstellerin Lotte Ingrisch.

Lieblingsbuch: Alice im WunderlandLewis Carroll lebte im 19. Jahrhundert in England. Er lehrte in Oxford Mathematik und Theologie. Die Tochter des Rektors, sie hieß Alice, inspirierte ihn zu seinen beiden Büchern ‚Alice im Wunderland‘ und ‚Alice hinter den Spiegeln‘. Lewis Carroll liebte das Kind Alice sehr, denn auch sein eigenes Gemüt war von kindlicher Natur geprägt. Die meisten Genies nämlich sind und bleiben Kinder, sonst werden sie keine Genies.
Das Genie Lewis Carroll hat in ‚Alice im Wunderland‘ die Quantenphysik vorweggenommen. Alles, was wir heute über sie wissen, steht in diesem Buch. Und was noch interessanter ist: In vielen ‚ernsthaften‘ Abhandlungen über die Quantenphysik wird ‚Alice im Wunderland‘ zitiert. In seinem zweiten Werk, ‚Alice hinter den Spiegeln‘, das leider viel weniger bekannt ist, hat Carroll wiederum das Totenreich der Quantenphysik sehr genau beschrieben.
Einstein erklärt die Trennung von Zukunft und Vergangenheit zur Illusion. „Wenn Einstein recht hat“, sagte ich zum berühmten Quantenphysiker Helmut Rauch, „sind wir gleichzeitig lebendig und tot.“ Rauchs Antwort war: „Als Physiker kann ich dir nicht widersprechen.“ Leben und Tod sind einander überlagernde Zustände des Bewusstseins. Wenn das nur alle Menschen erkennen könnten, dann würden sie wissen, dass, fürchtet man sich vor dem Tod, man auch Angst vor dem Leben hat. Leben und Tod sind eine Einheit.
‚Alice im Wunderland‘ habe ich in meinen späten Zwanzigern gelesen. Ein damaliger Liebhaber hat mir das Buch ans Herz gelegt. Er war Professor – ein sehr bekannter Tiefenpsychologe – und hatte einen Lehrstuhl in Berlin inne. Ich soll ihn an Alice erinnert haben, da ich mich wie Alice verhalten habe. Nachdem ich die Geschichten um Alice nicht kannte, bekam ich die beiden Bände von ihm geschenkt.
Das Mädchen Alice hat mir immer gut gefallen. Alice wechselt ständig ihre Größe und wenn wir ehrlich sind, so tun wir das doch alle. Das Leben ist ein Prozess – und auch der Tod. Der Tod ist nicht das Ende. Sehr faszinierend finde ich auch die weiße Königin, in der kann ich mich ebenso wiederfinden. An einer Stelle im Buch sagt sie: „Ich habe manchmal schon vor dem Frühstück an sieben unmögliche Dinge geglaubt.“ Mir geht es genauso.

Lotte Ingrisch wurde 1930 als Charlotte Gruber in Wien geboren. Sie ist Schriftstellerin und schrieb Komödien, Libretti und Sachbücher, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Ingrisch war erst mit dem Philosophen Hugo Ingrisch, ab 1966 mit dem Komponisten Gottfried von Einem verheiratet. Sie lebt in der Wiener Hofburg.

 

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