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Wer Demut von sich oder anderen verlangt, der erfährt sich in der Tiefe seines Verlangens. Welche Absicht verfolgt der Mensch mit dem, was er ständig (süchtig) von anderen erwartet oder von sich selbst verlangt? Verlangen ist immer Ausdruck eigener Sucht. Sucht bedeutet Abhängigkeit. Aus der kann sich jeder selbst demütig befreien.

Viele sind davon abhängig, unbedingt richtig sein zu wollen, den richtigen Weg gehen zu wollen und den rechten Weg dazu finden zu wollen. Die Liebe ist jeder Weg, denn jeder Weg dient immer auch der demütigen Erkenntnis des anderen Weges. Erkenntnis kann immer nur der Unwissenheit folgen, Richtigkeit der eigenen Falschheit. Erkenntnis ist längst, bevor Erkenntnis geschieht.

Der Sufi-Poet Rumi formulierte im 13. Jahrhundert: „Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.“

Doch zunächst einmal sind wir hier, um uns als fühlende Wesen in einem menschlichen Körper bewusst auch mit richtig und falsch zu erfahren. Nur deshalb können wir uns ja eines Tages auch jenseits davon treffen. Aber treffen wir uns auch hier. Kein Treffen im Diesseits oder Jenseits ist zufällig.

Gnade widerfährt dem, der den Ort jenseits von richtig und falsch erfährt, von dem der Verstand keine Vorstellung hat – bis er ihn erfährt. An diesem Ort, wo alles eins, wo alles Licht ist, da ist alles so richtig wie falsch. Doch das Licht braucht die Dunkelheit zu seiner Erkenntnis.
Wer nicht falsch sein will, der lehnt die Falschheit ab. Doch Ablehnung fühlt sich nicht demütig, sondern wie Ablehnung an. Der Ablehnung kann immer wieder neu die Annahme folgen. Sich in allem anzunehmen bedeutet, Liebe zu sein. Die Liebe ist die Ablehnung und die Annahme in einem.
Dort, wo der innere Widerstand am größten ist, da kann auch besonders viel Annahme erfahren werden. Innerer Widerstand ist ein Gefühl. Widerstand darf sein. Gefühle dürfen sein. Sie sind der Weg zu innerer Akzeptanz und bewusstem Mitgefühl.
Wer den Weg des anderen als falsch ablehnt, der ist selber falsch. Welchen Lohn erhofft sich der Mensch für den rechten Weg? Die Suche nach Lohn erfährt sich durch Strafe. Wer den rechten Weg wertet, der verurteilt das Falsche. Und so erfährt sich der Mensch mit Verurteilung und Strafe in der Hoffnung auf Belohnung. Doch selbst die Ablehnung einer jeden Bewertung wäre lediglich ein neues Werten.

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