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Im Yogasutra von Patanjali wird Dhyana, die Meditation, als 7. Stufe am Weg zur Befreiung geschildert. Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Prathyahara und Dharana sind wesentliche Vorbedingungen für die Meditationspraxis. Ohne sie ist Meditation bloß ein hübscher Lotussitz.

1. & 2. Wer ethische und moralische Grundsätze ausblendet, mag dennoch in der Lage sein seinen Geist zu trainieren, setzt diese Fähigkeit allerdings für egoistische oder manipulative Zwecke ein. Yama und Niyama sind also Grundvoraussetzung für eine spirituell ausgerichtete Meditation.

3. Eine geeignete, aufrechte und zugleich entspannte Körperhaltung unterstützt die Meditationspraxis bzw. spiegelt einen gerichteten Geist wider. Asanas reinigen unseren Körper und bereiten uns auf tiefere Bewusstseinszustände vor.

4. Eine achtsame Atmung bringt uns zur Wahrnehmung unserer Körperempfindungen und Gefühlsregungen. Pranayamaübungen verankern unsere Aufmerksamkeit im gegenwärtigen Moment.

5. Die Verinnerlichung unserer Sinne ermöglicht es, tief in unser Bewusstsein einzutauchen. Prathyahara eröffnet uns die Erfahrung eines vollkommen neuen, erweiterten Universums, ähnlich eines Menschen, der das Meer zuvor nicht kannte und erstmals einen Tauchgang unternimmt.


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6. Es gibt kein Yoga ohne Konzentration des Geistes. Yoga ohne Konzentration ist bloße Gymnastik. Das Wort ‚Yoga’ bedeutet übersetzt ‚anjochen, anbinden’ und verweist auf die geistige Verbindung mit dem Objekt der Meditation, die schließlich zum Einheitserleben führt. Durch das Erlernen und Üben von Dharana können wir unsere Geisteszustände willentlich erwecken und steuern. Die Anhaftung an und Identifizierung mit unseren Gedanken wird nach und nach erkannt und überwunden und Gleichmut stellt sich ein.

7. Was im Grunde passiert, wenn wir unsere ersten Mediationsversuche wagen, sind viele ‚Ultrakurzmeditationen’, denn meist gelingt es uns zu Beginn nur wenige Sekunden unseren Geist zu sammeln. Die kontinuierliche, ununterbrochene Konzentration führt zur Meditation. Die meist mit Anstrengung verbundene Konzentration geht in eine stille Reflexion des Geistes über. Eine Befragung* von langjährigen Meditationslehrern unterschiedlicher Traditionen zeigte, dass fünf Erfahrungsbereiche in der Meditationspraxis geschildert werden: Hindernisse wie Unruhe, Langeweile und Motivationsprobleme, Entspannung, die mit mehr Wohlbefinden und Geduld einhergeht, Konzentration, die zur inneren Mitte, Achtsamkeit und Frieden führt, essentielle Qualitäten wie Klarheit, Liebe, Demut, Gnade und Selbstakzeptanz und schließlich die Erfahrung von Nicht-Dualität, die mit Gedankenstille, Leere und Grenzenlosigkeit umschrieben wird. Der Geist erforscht sich selbst und wird klar wie ein Gebirgssee.

8. Das höchste Ziel der Meditation wird im Yoga Samadhi genannt – die ekstatische Versenkung in die Tiefe unseres Seins.

Tipp: *Wissenswerte Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft und hilfreiche Tipps für die Meditation findet ihr in Ulrich Otts Hörbuch ‚Meditation für Skeptiker– Ein Neurowissenschaftler erklärt den Weg zum Selbst.’ Argon Balance, 2016.

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