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Obdachlose sind Menschen wie du und ich. Manche haben das Leben auf der Straße freiwillig gewählt, andere sind eher ungewollt in diese Situation gerutscht. Ich begegne jeden Tag mehreren Obdachlosen. Doch nur weil sie alle obdachlos sind, dürfen wir sie noch lange nicht in eine Schublade stecken, oder?


Ich verlasse in der Früh meine Wohnung, gehe zur U-Bahn und treffe da den ersten Obdachlosen. Er lebt mit seiner Frau in einer Unterführung. Ich grüße die beiden freundlich, ab und an gebe ich ihnen Geld, manchmal was zu essen, je nachdem, was ich gerade bei mir habe. Tatsache ist, obwohl sie nicht immer frisch geduscht sind, sind die beiden sehr nett und freundlich und vor allem in der Nacht fühle ich mich sicherer. Leider kommt es viel zu oft vor, dass alle Obdachlosen in einen Topf geworfen werden, man sie als Alkohol- und Drogenabhängige abstempelt, die selbst für ihre Misere verantwortlich sind. Dass dem nicht so ist, beweist eine Geschichte, die in den sozialen Netzwerken die Runde macht:

Heute will ich euch eine einfache Geschichte erzählen, durch die ich viel gelernt habe. Als ich gestern aus der Uni kam, wollte ich den Bus nehmen, um zur Geburtstagsfeier meines Cousins zu fahren. Auf dem Weg zur Bushaltestelle entschied ich, mein Ticket schon einmal aus der Handtasche zu holen, damit ich schneller einsteigen könnte. Aber ich fand meine Fahrkarte einfach nicht. Da kam plötzlich ein obdachloser Mann auf mich zu und fragte: „Junge Dame, hast du vielleicht etwas Geld für mich?“ Ich sagte: „Ja, warte kurz, ich denke, ich habe mein Ticket verloren.“ Der Mann zögerte trotz seiner schlimmen Situation nicht lange und sagte: „Weißt du, wie viel ein Ticket kostet? Denn ich habe hier noch vier Real (etwa einen Euro) und kann sie dir geben.“ Ich antwortete: „Das ist lieb, aber mach dir keine Sorgen, ich bekomme das schon hin.“ Während ich sprach, fand ich mein Ticket und wollte schon etwas sagen, als er weitersprach: „Natürlich kann ich dir das Geld geben, ich kann dich nicht alleine laufen lassen. Ich will dir helfen.“ Gerührt dankte ich ihm und sagte ihm, dass ich meine Fahrkarte schon gefunden hätte, und wiederholte, dass er sich keine Sorgen machen müsse. Dann ging ich weiter zur Bushaltestelle. Auf dem Weg überlegte ich es mir anders und kehrte um, weil dieser Mann ein Beispiel für viele Menschen sein sollte. Er hatte so selbstlos seine Hilfe und sein Geld angeboten, ich wollte ihn nicht einfach so gehen lassen. Also ging ich zurück und fragte ihn: „Kann ich ein Foto mit dir machen und jedem erzählen, was für ein großes Herz du hast?“ Er sagte sofort Ja und versuchte schnell, sich für das Bild herauszuputzen.
Dann stellte er sich neben mich, damit ich das Foto machen konnte. Danach kramte ich alle Münzen aus meinem Geldbeutel – ungefähr zwei Real – und gab sie ihm. Er war sehr dankbar und wünschte mir alles Gute und einen sicheren Heimweg – ich sagte dasselbe zu ihm. Außerdem rief er mir noch hinterher: „Schreib unter das Bild, dass mein Name Caesar ist.“
Beurteile nie Menschen nach ihrem Äußeren. Und so ist es. Aber ist es so einfach? Ich denke schon.
Dieser Mann hatte so wenig und ist von der Hilfe fremder Menschen abhängig – trotzdem wollte er mir das wenige geben, das er hatte, damit ich diese Nacht nicht zu Fuß gehen musste.
Natürlich wird er wegen seines Äußeren verurteilt. Viele Leute denken, dass er ihnen Böses will oder ein Dieb ist, aber er hat ein großes Herz und in diesem Moment hat er seinen Nächsten geliebt, ohne ihn zu kennen, so wie Gott es will. Die Menschen sind nicht schlecht und vielleicht testet uns Gott in solchen Situationen. Diese Geschichte hat gezeigt, was wichtig ist – Charakter, Bescheidenheit, Weisheit und Liebe. Beurteile nie Menschen nach ihrem Äußeren.

Kommentare  
# Christian Rütter 2016-08-09 09:44
Verurteile einen Menschen nie nach seinem Äußeren...
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# Ruth Reykers 2016-08-16 11:20
Niemand sollte in eine Schublade gesteckt werden!
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