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„Haltet euch von Männern fern!“ Diese Botschaft erreicht eine Freundin und mich dieser Tage von einer Leidgeplagten. Und sie ist nicht die einzige. Eine andere, die nach zwei Ehen eigentlich wissen müsste, was Zusammenleben bedeutet, und es trotzdem ein drittes Mal versucht hat, atmet jedes Mal auf, wenn der Betreffende ihre vier Wände wieder verlässt. Und dann ist da noch dieser Fall, wo eine Frau schon gar nicht mehr weiß, warum sie ihren Mann geheiratet hat, und deshalb das Ehejubiläum verweigert.

Ich mag Männer. Sogar sehr. Und oft auch solche, die nicht jedermanns und jederfraus Sache sind. Die Ecken und Kanten haben, abstruse Absichten in die Welt hinaustragen und dann doch ganz anders handeln. Sogar solche, die mich als Klagemauer benützen, allerdings ist meine Geduld in solchen Fällen eher enden wollend. Eine wortgewandte Freundin erinnert mich in diesen Fälle immer daran, dass ich mit meiner Lösungsorientiertheit ‚Perle vor die Säue‘ streue. Muss ich noch verinnerlichen, ist so eine Affekthandlung bei mir, dass ich Probleme lieber aus der Welt schaffe, als mich darin zu suhlen. Aber gut, solche Menschen muss es offenbar auch geben. Was sollte man sonst mit dem ganzen Schlamm auf der Welt anfangen?

Wie gesagt, ich mag Männer. Doch ich frage mich auch, warum diese Zugewandtheit bei manchen Frauen mit den Beziehungsjahren abnimmt. Als ich noch in einer eheähnlichen Gemeinschaft lebte, war mein Leben ziemlich abwechslungsreich. Dass dann gewisse Umstände, die außerhalb meines Wirkungsbereiches lagen, das änderten, war unabsehbar. Wäre das nicht passiert, würde ich wahrscheinlich heute noch jeden Tag zwei fleischige Mahlzeiten kochen, beim Spazierengehen schwere Silberringe in meiner Hand spüren und Anfang September des Tages gedenken, an dem ich diesen Mann in mein Leben gelassen und ihm unter der Seufzerbrücke Liebe und Treue versprochen habe. Und das alles ganz wunderbar finden. Doch das Leben verändert sich, Menschen verändern sich. Und so stellten sich für mich damals die Fragen: „Bleibe ich meinem Versprechen treu? Kann ich es überhaupt, ohne mich selbst dabei zu vergessen? Bleibe ich mir oder ihm treu?“

Es war eine harte Nuss, die ich da zu knacken hatte. Ich merkte, dass ich mit meinem venezianischen Versprechen zwar vollen Herzens, aber doch hauptsächlich mir selbst eine Verbindlichkeit abgerungen hatte. Stur, wie ich nun mal bin, hielt ich gegen den Fluss des Lebens daran fest, denn: „Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen.“ Doch irgendwann einmal hatte mein Sturschädel so viele Beulen, dass ich das Gefängnis erkannte, in das ich mich selbst gesteckt hatte. Und das hatte mit der Treue zu mir selbst gar nichts mehr zu tun.

Wenn ich nun mit Frauen konfrontiert bin, die mit sich und ihren Männern hadern, denke ich immer daran, wie sehr sie sich in ihre eigenen Erwartungsgefängnisse einliefern. „Das tut man nicht.“ „Ich habe ihm doch versprochen, dass ...“ „Ich kann doch nicht einfach aufgeben.“ Und diese Sätze fallen nicht selten mit brüchiger Stimme, weil der Energielevel schon unterirdisch ist, die Klarheit über sich selbst einem Moorsee gleicht und Versprechen ohnehin bereits einseitig und/oder offensichtlich gebrochen wurden. Und trotzdem halten diese Frauen fest. Ich frage mich, ob es etwas damit zu tun hat, dass unbewusste Muster aus einer Generation übernommen werden, die tatsächlich ihre Männer manipulieren musste, weil das die einzige Möglichkeit war, ‚zu etwas zu kommen‘. Ich erinnere mich an meine Großmutter, die meinen Großvater unermüdlich bearbeitet hat, bis sie bekam, was sie wollte – weil sie es als Hausfrau einfach nicht alleine wuppen konnte. Weil sie trotz ihrer inneren Unabhängigkeit äußerlich abhängig war. Zu mir sagte sie immer: „Du musst raffiniert sein, damit du bekommst, was du willst.“ Ich hab das nie verstanden, denn ich war darauf gepolt, mein eigenes Leben zu gestalten und es nicht von einem Mann abhängig zu machen. Doch ich merke verstärkt, dass offensichtlich selbstständige Frauen an einem gewissen Punkt wieder in das ‚Oma-Schema‘ zurückfallen. Es sich nicht zutrauen, zu sich selbst zu stehen, und lieber den Konventionen Genüge tun. Und die Frage nach der Liebe schon gar kein Thema mehr ist. Mädels, ihr habt nur EIN Leben. Liebt es! Liebt euch! Und dann die anderen.

Kommentare   

# Ziribiksi 2016-08-05 09:54
Wie's war, wie wahr!
Vielleicht liegen die wahren Gründe des Nicht-Loslassens darin, dass Frau sich mit jahrelanger 'harter' Arbeit das Leben, das sie jetzt nicht mehr will, aufgebaut hat und sich das schwer lösen kann, weil es dann das eigene 'Scheitern' bedeutet. Der 'lange' Atem geht zu Ende, die Ressourcen sind erschöpft. Nun wäre Frau an dem Punkt nicht mehr ständig an der Partnerschaft 'zu werkeln', sondern sich daran zu laben und sich verwöhnen zu lassen. Doch es passiert nichts. Der Mann ist es nicht gewöhnt die Lage zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Zu sehr hat die Frau die Welt des Mannes dominiert. Doch der Mann ist keine Laus...er sollte sich nicht so geben. Er ist ein Löwe, vielleicht manchmal im Gehege zur Pflege, doch er wird auch freigelassen oder kann sich befreien. Die Frau wartet auf diesen Ausbruch jedoch vergebens. Nichts passiert, Frau ist frustriert. Wo ist jetzt nun der Löwe der über sie herfallen könnte? Nicht zu Hause. Zu zahm ist der Löwe mit der Zeit geworden. Die wilden Tiere bewegen sich in der 'freien' Wildbahn. Somit zählt das Argument 'Haltet euch von Männern fern' nicht mehr. Die Frau sucht sich ein neues wildes Tier das sie zähmen kann und der Mann lässt sich fangen. Selber schuld! Das ist die Geschichte der Entstehung von Generationen. Was wäre die Lösung des Problems? Um sich fortpflanzen zu können und ein zufriedenes 'wildes' Leben zu führen, wären 2 Männer nötig. Ein gezähmter Mann zum Fortpflanzen und ein wilder Mann zum 'leben' oder besser gesagt zum 'Ausleben' der wilden Seite in uns Löwinnen. Grrrrrrr!!!
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# magclaudiadabringer 2016-08-05 10:52
liebe ziribiksi,
die frage ist doch, wer es als scheitern beurteilt, dass man seinen kurs ändert...meine erfahrung ist: veränderung ist immer eine veränderung zum besseren! vielen dank fuer ihre offenen worte!!!!
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# Michael P. Ammel 2016-08-09 09:54
Nur schwer nachvollziehbar, da ueberladen mit Beziehungserwartungen, ja und auch mit ueberholten Rollenbildern, die poliert werden muessen damit sie schoen aussehen und weiterhin fuer Klischees taugen. Das unsaegliche Zappen von den einstigen Schwueren die weit in die Zukunft reichen, beweisst nur eines, Lernresistenz und eine Weigerung im Hier und Jetzt zu leben und nicht nur in Traumgebilden, die dann als Rechtfertigung herhalten muessen. Beziehungen sind Abenteuer, nicht nur in der Startphase, nein genau dann, wenn es mal eng wird. Aber darauf muss man sich einlassen, ja und auch Spass daran haben. Selbstmitleid ist da sicher keine Antwort.
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# Ruth Reykers 2016-08-09 09:55
und wenn beide Interesse daran haben sich weiter zu entwickeln und mit-und voneinander zu lernen: das wäre genial!
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# magclaudiadabringer 2016-08-09 13:06
liebe ruth, ganz meine rede!
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# magclaudiadabringer 2016-08-09 13:06
lieber michael,
es erscheint mir durchaus natürlich, dass nicht jeder meine gedankengänge nachvollziehen kann. wo kämen wir denn hin, wenn wir alle das gleiche denken würden? allerdings gebe ich ihnen aus vollem herzen recht, dass beziehungen abenteuer sind, so lange sie dauern, und ja, auch wenn es mal eng wird. wird es allerdings SO eng, dass einem die luft zum atmen fehlt, sollte man sich tatsächlich auf das hier und jetzt konzentrieren und den eigenen status überprüfen. insofern ist es nie zu spät, die lernresistenz (die es übrigens auf beiden geschlechterseiten gibt) in lernwillen zu verwandeln und aus den neu geewonnenen erkenntnissen konsequenzen zu ziehen.
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# Christian Rütter 2016-08-09 09:57
Perlen vor die Säue... also so hart sollte Frau nicht mit sich ins Gericht gehen. Durch Wahrhaftigkeit lebt eine Beziehung.
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# magclaudiadabringer 2016-08-09 13:12
lieber christian,
meine freundin meint es gut mit mir;-) @wahrhaftigkeit: wenn alle beteiligten einer beziehung eine ähnliche definition von wahrhaftigkeit haben, ist das natürlich ein schlüssel zu deren gelingen.
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