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Oft versuchen wir, durch Essen unsere Nerven zu beruhigen oder Trost bei Stimmungsschwankungen zu finden. Es wird zur emotionalen Ersatzbefriedigung, was in eine Negativspirale führen kann. Essen wir zu viel, sinkt die Laune in den Keller. Durch Achtsamkeit üben wir uns darin, zu erkennen, welche Gefühle, Empfindungen und Gedanken uns prägen – auch beim Essen und beim Blick in den Spiegel.

In unserer schnelllebigen Zeit sind wir an Multitasking gewöhnt. Wir telefonieren am Handy, beantworten E-Mails oder schauen fern, während wir hastig unsere Mahlzeiten zu uns nehmen. Das ist nicht bloß ungesund, sondern fördert regelrecht einen unharmonischen Lebensstil. Das Resultat sind Endlosschleifen aus Getriebenheit, einer ungesunden Essenskultur und ermüdenden Diäten. Wenn wir uns hingegen bemühen, Achtsamkeit beim Essen zu kultivieren, werden wir uns nach und nach wieder unseres natürlichen Hunger- und Sättigungsgefühls bewusst. Wir spüren, welche Nahrungsmittel bekömmlich für uns sind, und können Muster in unseren Essgewohnheiten erkennen.

 

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Die Ernährungswissenschaftlerin und Psychotherapeutin Laura Milojevic nennt drei innere Stimmen, die es für all jene, die ihre Essgewohnheiten nachhaltig verändern wollen, zu beachten gilt:

Der innere Perfektionist
Die Stimme des Perfektionisten zeigt sich durch überhöhte Ansprüche. Sie will den makellosen Traumkörper durch exzessiven Sport oder Crashdiäten von heute auf morgen erreichen und setzt sich unrealistische Ziele, wie in wenigen Tagen mehrere Kilos abzunehmen oder einem Schönheitsideal zu entsprechen, das jenseits von Photoshop kaum existiert.
Als kleine Übung können wir uns folgende Fragen stellen und diese innerlich beantworten: Welche Erwartung hat die perfektionistische Stimme in mir hinsichtlich Essen? Welche Ziele verfolgt sie? Sind diese realistisch?

Der innere Antreiber
Er treibt uns bis hin zum Leistungsdruck und zur Überforderung voran, will besser, schöner, fitter werden und kennt keine Pausen.
Folgende Reflexion kann einen Einblick verschaffen: Welche To-do-Liste schreibt mein innerer Antreiber heute? Welche Botschaften richtet er an mich in Bezug auf meine Ernährung? Wie würden diese klingen, wenn sie kein ‚Muss‘ wären, sondern eine motivierende Unterstützung am Weg zu meinen Zielen?

Der innere Kritiker
Kritische Gedanken führen oft zur Selbstentwertung und Selbstverachtung. Sie sind meist von negativen Gefühlen und Zweifel begleitet.
Eine kurze Selbstreflexion ist auch hier zu empfehlen: Was verurteilt der innere Kritiker in mir? Wen oder was möchte er womöglich beschützen? Wie würde er als wohlwollende Freundin sprechen?

In Zeiten des Magerkultes, in denen hochbezahlte Topmodels wie Kate Moss sagen „Nichts schmeckt so gut, wie das Gefühl, dünn zu sein“, kann die Übung des achtsamen Essens auch darin bestehen, zu erkennen, ob der Körper mehr braucht, als der auf Eitelkeit konditionierte Geist uns zugesteht. Es geht also nicht bloß darum, Exzesse zu vermeiden, sondern auch Hintergründe für übertriebene Selbstkasteiung zu erkennen.

Fazit: Eine achtsame Ernährung und Einstellung zum eigenen Körper beginnt im Kopf. Das zeigt Laura Milojevic in ihrem neuen Buch ‚Achtsam essen und genießen‘ sehr schön. Erschienen im Scorpio Verlag, 2016.

Kommentare  
# Gaby Wehrl 2016-06-14 09:54
Achtsames, bewusstes Essen ist für mich der Schlüssel zu Gesundheit, Wohlbefinden und einer schlanken Figur. Und auf meine geliebte Schokolade verzichte ich auch nicht, sondern genieße sie ganz bewusst
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# Sylvia Václav 2016-06-14 09:55
Also, ich geb's zu: Eine Zotter-Schoki, aber auch ein guter Kronprinz-Apfel schmecken mir besser als die Vorstellung, dünn zu sein ... Ich denke mir immer bei dünnen Haxerln, wo die Kniescheiben so rausstehen, armes Mädel. Aber ja, wenn's ihr und dem Freund/der Freundin so gefällt ...
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