Blog

Das „Unwort des Jahres 2015“ heißt 'Gutmensch'. Begründet wurde die Wahl damit, dass der Ausdruck jegliche Hilfsbereitschaft pauschal diffamiere als naiv, dumm und weltfremd.


Gutmensch. Ein unharmonisches Wort. Hätte ebenso gut als „Vermurkster Missklang des Jahres 2015“ ausgezeichnet werden können.

Auszeichnungen hin oder her. Können Sie sich eine Welt ohne Hilfsbereitschaft vorstellen? Eine solche Gesellschaft wäre geprägt durch Individualisierung, Konkurrenzdenken und die Ökonomisierung aller Lebensbereiche. Man würde Kindern schon früh beibringen, möglichst eigennütziges Denken und Verhalten zu entwickeln. Tendenz: Jeder ist sich selbst am Nächsten. Sogar wenn jemand im eigenen Umkreis Hilfe benötigen sollte, würde man zunächst fragen: „Was springt für mich dabei heraus? Kannst du nicht einen Dienst beauftragen?“ Aus dieser Perspektive wäre es natürlich dumm, naiv und weltfremd, das Wohlergehen der anderen bei Entscheidungen zu berücksichtigen oder seine Zeit mit Hilfsbereitschaft zu verschwenden - es sei denn, man kann dafür mit einer Gegenleistung rechnen.

Aber stellen Sie sich dann vor, wir würden uns diesem Trend widersetzen und stattdessen unseren Sinn für Hilfsbereitschaft, Altruismus, Brüderlichkeit wieder stärken. Stellen Sie sich vor, wir würden darauf bestehen, eine Gesellschaft zu entwickeln, die durch kooperierendes Denken bestimmt wird. Stellen Sie sich vor, ab sofort würden in unseren Schulen die Kinder nicht mehr zu Konkurrenten gemacht, sondern zu mutigen, mitfühlenden, selbstbewussten Menschen ausgebildet.
Nicht ob wir Gutmenschen sind, ist die Frage. Sondern ob und wie wir es schaffen, unsere Menschlichkeit in Hilfsbereitschaft und pro-sozialem Handeln auszudrücken.

Kommentare  
# der Unmensch 2016-01-21 16:11
Ach die Leute brauchen doch immer ein Feind und Gründe um sich dämlich zu verhalten. Dann werden aus guten menschen nunmal unmenschen... wie schade
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren
Kommentar schreiben

Verwandte Artikel