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Ich habe viele Geschichten gelesen, über Prinzen, irgendwo im Osten, Geschichten über einen Zimmermann, den Sohn Gottes und seine Brüder, über Propheten, Götter und Göttinnen, über den einen Gott, den einzig wahren Gott und die anderen einzig wahren Götter, über die Geister und Hexen und was es da noch an überirdischen Kräften gibt, in allen Zeiten und Weltgegenden.

Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass es sehr interessant ist, wie das Wasser die Natur der jeweiligen Religionen beeinflusst hat. Die Religionen, die aus der Wüste kommen, haben kämpferische Rache-, Schuld- und Sühnegötter, denn das Wasser, der Quell des Lebens, muss umkämpft und verteidigt werden. In Gegenden, in denen Wasser im Überfluss vorhanden ist, entwickelten sich hingegen eher Religionen, in denen Menschen und deren Götter sanftmütig, gewährend und freundlich waren.

Religionen haben eine kurze Lebensdauer, ebenso kurz wie die Kulturen, denen sie angehören. Wer glaubt heute schon an Re, Zeus und Hera, Jupiter und seine Juno, Odin oder Osiris, Isis und Huitzilopochtli, sofern man ihn überhaupt noch aussprechen kann? Nach läppischen zwei- bis fünftausend Jahren sind alle ihre Tempel Ruinen, nur die ArchäologInnen pinseln an ihnen herum und die Touristen latschen durch sie hindurch.

Sie alle haben und hatten nur die Bedeutung, die wir ihnen geben und gegeben haben. Dass wir Menschen bereit sind, im Namen unserer Götter zu kämpfen, Kriege zu führen, Leid und Elend über uns zu bringen, Inquisition und Unterdrückung, Vernichtung, Folter und Verfolgung einzusetzen, zeigt, wie wenig wir von ‚Gott' verstehen. Die ‚heiligen Bücher' sind alle von irgendwelchen Menschen geschrieben worden. Welche Götter urheberisch beteiligt waren, ist von dem persönlichen Glauben der LeserInnen abhängig. Wenn sie glauben, dass Zeus ihnen helfen wird oder die Madonna von Medjugorje, kann es wohl so sein, eher aber nicht. Dass auch der Buddhismus ‚ahimsa', die Gewaltlosigkeit, predigt, ist schön, allerdings ist nur wenig Wirkung erkennbar, die Jains kehren den Boden vor ihren Füßen und die Hindus glauben auch, dass sie friedlich sind. Der Mensch ist, wie er ist, es scheint, dass alles Predigen nichts hilft. Allerdings: panta rhei, alles verändert sich, wir steuern auf einen Quantensprung zu, hoffentlich noch, bevor wir unsere wundervolle Welt freiwillig vernichten. Daran glaube ich, ob es etwas bringt, wird man sehen.

„Triffst du Buddha unterwegs, so töte ihn" und weil die Wahrheit ein Land ohne Wege ist, wird wohl jede und jeder den eigenen gehen müssen, ob mit oder ohne Buddha, Jesus, Zeus oder Shiva an der Hand. Na ja, vielleicht doch lieber die schönere Shakti?

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen buddhistisch-christlich-islamisch-hinduistisch-römischen-ayurvedischen, auf jeden Fall einen fröhlichen Tag!

Ihre Renata Mörth

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