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Wenn ich an dich denke, wird mein Herz ganz weit. Welch ein ungeheures, über Jahrtausende währendes Geschenk ist uns deine Lehre geworden! Dein Blick in die Tiefen des Daseins war so umfassend, so über alle Maßen gültig, und du hast deine Sichtweise so verständlich in Worte gefasst, dass wir noch heute unser Geistesfeuer daran entzünden können.

Mir gefällt folgende Geschichte von dir:

Nach deiner Erleuchtung haben sich deine Zeitgenossen erstaunt gefragt: „Wer ist dieser Mann? Wieso strahlt er so unnachahmlich?“ Und sie haben dich angesprochen: „Wer bist du? Bist du ein Prinz?“ Du hast verneinend mit dem Kopf geschüttelt. Sie haben nachgehakt: „Bist du vielleicht ein großer Weiser?“ Wieder hast du den Kopf geschüttelt. „Ja, was bist du denn dann?“, wollten sie wissen. „Ich bin erwacht“, hast du geantwortet.

 

Archetypen müssen durch persönliche Erfahrung und individuellen Ausdruck zum Leben erweckt werden. Sie kehren in jeder Generation wieder, verändern sich aber auch im Zusammenhang mit der kulturellen Bewusstseinsentwicklung.

                                                                                                                    Wörterbuch der Jungschen Psychologie

 

 Finden wir – zweitausend Jahre nach dir – auch Erwachte in der Gegenwart? In unseren Medien werden zuweilen ‚Lichtgestalten’ benannt – Menschen, die Millionen in Begeisterung versetzen und zum Besten inspirieren. Doch wird ihr Wirken die Zeitlosigkeit deiner Lehre auch nur mit dem kleinen Finger berühren?

 Für dich war entscheidend, ob meisterliche Weise – Bodhisattvas – etwas lehren, das die Menschen mitfühlender, friedlicher und heiler werden lässt. Wir können den buddhistischen Bodhisattva als Archetypus verstehen – als ein Modell für ein erwachtes Wesen. C. G. Jung hat den Archetypus beschrieben als eine Ausrichtung von Urkräften, die wir Menschen in uns tragen. In allen Kulturen und Religionen, wo immer man es für sinnvoll hält, sein eigenes Handeln in den Dienst des Nächsten zu stellen, wo es darum geht, Exzellenz im sozialen Verhalten zu bestimmen, taucht der Bodhisattva auf und sagt uns, dass wir die Fähigkeit in uns tragen, den voll erwachten Herzgeist in die Welt zu bringen. Du hast den Weg zum Bodhisattva-Dasein gelehrt. Uns bleibt die Aufgabe, dem Archetypus eine lebendige Gestalt zu geben in unserem Denken, Reden und Tun.

 Die Redaktion von U&W hat mich gefragt, welche Bedeutung du in dieser Zeit für die Menschen in der westlichen Welt hast. Ich denke über meine eigenen Begegnungen / Auseinandersetzungen mit deinen Lehren nach. Jeder findet ja auf seine eigene Weise einen Zugang zu deinen Lehren, du bist einer der großen Weisheitslehrer der Menschheit – welch eine Kostbarkeit, wenn Menschen ihren Mitmenschen Inspiration schenken und dazu beitragen, dass sie sich ein wenig wohler in ihrer Haut fühlen, dass sie zufriedener leben können. Wenn es uns gelingt, durch unser Dasein andere zu erfreuen. Wenn es möglich ist, die eigenen Worte so zu wählen, dass sie anderen Denkanstöße geben, Wege weisen, ein Stück erfüllter und friedlicher zu leben.

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