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Krishnamurti sagt in einem der Bücher über Achtsamkeit ungefähr Folgendes: Stell dir vor, du bist in einem Zimmer und plötzlich entdeckst du eine Schlange, die in der Ecke liegt. Du weißt nicht, ob sie giftig ist, sie hat die Augen offen, und nun entwickelt sich in dir eine Achtsamkeit, die voller Konzentration und Intensität ist.

Du beobachtest die Schlange, jede ihrer Regungen, du spürst auch jede Zelle deines Körpers, jetzt denkst du nicht an gestern, an deine Vergangenheit, auch nicht, was morgen sein wird, sondern bist vollkommen im Jetzt. Das ist Achtsamkeit. Vor einem Jahr bekam ich eine besondere Achtsamkeitsübung. Ich wollte die Oberlichte eines Fensters schließen, stieg auf einen Stuhl und dachte an irgendetwas anderes, ein kleiner Schritt daneben und ich stürzte auf den Boden. Nach einigen atemlosen Minuten hing meine Schulter unmotiviert herum, dafür erhielt ich ein wunderschönes Röntgenbild von einem ziemlich zermerscherten rechten Schlüsselbein. Der nette, junge Arzt im Krankenhaus tröstete mich damit, dass in meinem Alter die Knochen eben viel leichter brechen. Vom Vata hat er natürlich nichts gewusst. Von da an ging ich in die Schule der Achtsamkeit, ich musste jede Bewegung, jede Handlung sehr bewusst durchführen. Es ist wohl so, dass die meisten Menschen erst achtgeben, wenn's wehtut. Zum Glück bekam ich in unserem Haus die beste ayurvedische Behandlung und so habe ich heute ein schöneres Schlüsselbein als je zuvor.

Ayurveda ist die Lehre der Achtsamkeit, denn wie kann ein gutes Leben gelingen ohne sie? Achtsamkeit auf allen Ebenen, beim Kochen und Essen, Trinken und Reden, beim Kommen und Gehen, Lieben und Arbeiten, beim Auf-den-Sessel-Steigen und Stiegenruntergehen. Klingt vielleicht wie die 10 Gebote, aber wem tut schon stehlen, morden, lügen und Frau betrügen wirklich gut?

So dienen auch die ayurvedischen Regeln der ‚daily routine' dem eigenen Wohlergehen. Ganz egal, was man tut, wenn man es mit Achtsamkeit, mit voller Hingabe und Freude tut, ist es gut. So haben wir in unserem Ayurvedazentrum eine Ebene der Wahrnehmungsübungen entwickelt, die uns lehren soll, auf uns selbst achtzugeben. Wie soll ich wissen, was für mich gerade jetzt das Richtige ist, wenn ich keine Ahnung von mir selbst und noch weniger Ahnung von dem habe, was ich zu mir nehme? Wir müssen also lernen achtzugeben, wahrzunehmen, Achtung zu entwickeln. Aber wie kommt es, dass wir die natürlichste Sache der Welt, nämlich Achtung vor uns selbst und allem anderen zu haben, lernen müssen? Haben wir sie verlernt, haben wir sie vielleicht nie gehabt?

Doch dazu nächstes Mal mehr. Bis dahin alles Liebe!

Ihre Renata Mörth

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