Leben

Über viele Jahrhunderte waren die Weltuntergangsvisionen ausschließlich metaphysisch begründet: In den antiken Schöpfungsmythen Assyriens und Babyloniens, wie zum Beispiel dem Gilgamesch-Epos, tauchen apokalyptische Vorstellungen auf.

Im Zoroastrismus Persiens findet sich die Idee eines Endkampfes zwischen ‚Gut' und ‚Böse' und im normannischen Kulturkreis ist der Weltuntergang als Ragnarök, das Schicksal der Götter, bekannt. In der jüdisch-christlichen Prophetie ist die Messiaserwartung zentraler Bestandteil, der erwartete Messias soll die Unrechts- und Gewaltgeschichte der Welt beenden und zu einem gerechten Ende führen. Die Idee von der gottgewollten Endlichkeit der gesamten zivilisatorischen Existenz bildete lange Zeit die moralische Grundlage für die individuelle Lebensführung sowie für die gesamtgesellschaftlichen Perspektiven, bei denen die Folgen von Übernutzung und Ausbeutung keine Bedeutung hatten. In Österreich gibt es auch heutzutage noch ein Sprichwort, in dem diese gottgegebene Ressourcenverantwortung herausblitzt: „Wem Gott gibt's Haserl, dem gibt er auch das Graserl", pflegten arme, aber kinderreiche Familienväter zu sagen.

"Wem Gott gibt's Haserl, dem gibt er auch das Graserl"

Die erste wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Entwicklungsmöglichkeiten der Menschheit fand daher erst relativ spät statt. Ende des 18. Jahrhunderts, als man die ganze Erdkugel befahren, erobert und kolonialisiert hatte, tauchte erstmals die grundsätzliche Begrenztheit der verfügbaren Fläche und Ressourcen am Horizont der dämmernden Aufklärung auf.

Thomas Robert Malthus, britischer Ökonom und Inhaber des weltweit ersten Lehrstuhls für politische Ökonomie, stellte 1798 in seinem Aufsatz ‚The Principle of Population' (dt.: Das Bevölkerungsgesetz) die These auf, dass die Bevölkerungszahl exponentiell wachse, die Nahrungsmittelproduktion aber nur linear. Dies war ein zentraler Paradigmenbruch, denn davor ging man durchwegs davon aus, dass eine wachsende Bevölkerung auch eine größere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes zur Folge haben müsse. Nach Malthus' Theorie jedoch würde das Nahrungsmittelangebot weniger schnell wachsen als der Bedarf an landwirtschaftlichen Produkten. Daher würden die Nahrungsmittelpreise steigen, während die Löhne unter das Existenzminimum sänken.

Er sah darin einen ‚naturgesetzlichen' Zyklus, in dem sich im Verlauf der fortschreitenden Verelendung der Bevölkerung durch Krankheit und Seuchen die Anzahl der Menschen wieder so lange reduziere, bis ein neues Gleichgewicht zwischen Produktion und Verbrauch hergestellt wäre.

Diese Malthus'schen Überlegungen zur ‚Bevölkerungsfalle' griff Charles Darwin später für ökologische Systeme im Allgemeinen auf und baute diese Idee in seine Evolutionstheorie ein.

Durch chemische Düngung und die sogenannte ‚grüne Revolution', die Entwicklung moderner landwirtschaftlicher Hochleistungssorten, konnte nach dem Zweiten Weltkrieg die Ernährungssituation vieler Menschen, insbesondere in den Entwicklungsländern, erheblich verbessert werden. Erst 1972, als die vom Club of Rome bei Donella und Dennis Meadows in Auftrag gegebene Studie über die ‚Grenzen des Wachstums' (engl. Originaltitel: The Limits to Growth) erschien, wurde die Diskussion über die Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen wieder aufgegriffen.

Zentrale These dieses bis heute über 30 Millionen Mal verkauften Buches war, dass bei unverändertem Lebensstil die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht sein werden.

Die Zusammenbruchsszenarien wurden – unter anderem – mit der Dynamik eines exponentiellen Wachstums begründet. Seit 1650 hatte sich die Weltbevölkerung innerhalb von 250 Jahren verdoppelt. 1970 dauerte es aber nur mehr 33 Jahre, um die Zahl der lebenden Menschen zu verdoppeln. Ein solches Wachstum nannten die Autoren ‚superexponentiell'. Nach 40 Jahren treffen die Aussagen des Berichts zur Weltbevölkerung noch immer zu: In diesem Jahr lebten mit 6,93 Milliarden annähernd genauso viele Menschen auf der Erde, wie im Standardlauf des Weltmodells vorhergesagt wurde.

Heute verbraucht jeder Mensch um ein 15- bis 30-Faches mehr an Ressourcen als ein Mensch der Steinzeit, der rund eine Tonne pro Jahr an natürlichen Ressourcen konsumierte. Von diesen für das Leben erforderlichen etwa 3 Kilogramm pro Tag stieg der Verbrauch in landwirtschaftlichen Gesellschaften bereits auf täglich benötigte 11 Kilo an. Dies lässt sich vor allem auf die Futtermittel für Haustiere zurückführen, die zur Milch- und Fleischproduktion sowie als Energiequelle – etwa zum Pflügen von Feldern und Betreiben von Wasserpumpen oder Mühlen – gehalten wurden. Unabdingbar waren nun aber auch größere Gebäude und es wurden mehr metallische Gegenstände wie Pflüge, Waffen und Kochtöpfe hergestellt. Als Energiequelle stand fast ausschließlich Holz zur Verfügung. Da dieser Rohstoff aber nur begrenzt vorlag, waren Bevölkerung und Wirtschaft, die beide davon abhingen, in ihrem Wachstum eingeschränkt. Erst mit der Nutzung fossiler Energien wie Kohle, Erdöl und Gas stand der Menschheit plötzlich eine relativ billig zu nutzende, scheinbar unbegrenzte Energie zur Verfügung. Der Überschuss daran ermöglichte erst den rasanten Anstieg in der Produktion von Gütern und Dienstleistungen. Die heutige Konsumgesellschaft der ‚entwickelten' Welt verbraucht daher bereits 44 Kilogramm an verschiedenen Ressourcen pro Tag, das fast 15-Fache eines Menschen vor 5.000 Jahren. Doch auch dieser Ressourcenkonsum ist nicht überall auf der Welt gleich groß: Die Bewohner Nordamerikas verbrauchen täglich etwa 90 Kilogramm, in Europa liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei den oben genannten 44 Kilogramm und ein Afrikaner muss mit nur etwa zehn Kilogramm auskommen.

In den letzten 30 Jahren haben sich zahlreiche Wissenschaftler mit der Frage befasst, wie der Ressourcenverbrauch sinnvoll zu messen wäre.

Der deutsche Chemiker und Umweltforscher Friedrich Schmidt-Bleek entwickelte dazu das Konzept des ‚Ökologischen Rucksacks', der auf seinen Überlegungen zum Material-Input pro Serviceeinheit (MIPS) basierte. Dabei wird eine Kennzahl für Produkte errechnet, die den gesamten Ressourcenbedarf quantifiziert. So ergibt sich für eine 600 Gramm leichte Jeans ein ökologischer Rucksack von 32 Kilogramm. Dies entspricht einem ökologischen Rucksack mit Faktor 53.

Mathis Wackernagel und William E. Rees hingegen versuchten, die verfügbare produktive Landfläche als Bezugsgröße für ihr Modell des ‚Ökologischen Fußabdrucks' einzusetzen. Referenz dafür ist jene Fläche auf der Erde, die notwendig ist, um den Lebensstil und Lebensstandard eines Menschen unter Fortführung heutiger Produktionsweisen dauerhaft zu ermöglichen. Das schließt Flächen ein, die zur Produktion seiner Kleidung und Nahrung oder zur Bereitstellung von Energie, aber z.B. auch zum Abbau des von ihm erzeugten Mülls oder zum Binden des durch seine Aktivitäten freigesetzten Kohlendioxids benötigt werden. Nach dieser Berechnung stehen jedem Menschen 2,1 sogenannte globale Hektar (gHa) zur Verfügung. Jeder Österreicher verbraucht aber mindestens 4,8 gHa, jeder US-Amerikaner konsumiert bereits 9,4 gHa. Ein Ende der Entwicklung ist nicht absehbar.

Egal, für welches Modell man sich entscheidet, deutlich wird in jedem Fall, dass wir in der industrialisierten Welt weit über unsere Verhältnisse leben, sofern man zukünftige Generationen und andere Weltregionen in die Gesamtrechnung mit einschließt.

An die Humanökologie wird öfters die Frage herangetragen, ob denn der Mensch aufgrund seiner genetischen Wurzeln nicht als maßloses Raubtier ‚vorprogrammiert' und jener Darwin'sche Kampf ums Dasein nicht auch seine ‚natürliche' Bestimmung wäre. Maßlosigkeit kann man vielleicht Tieren unterstellen (wenn man dies für eine Abgrenzung nötig hat), aber für Menschen gilt sicher eines: Man hat immer die Wahl!

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